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Intragna

Blick auf das Dorf von Osten oberhalb der Isornoschlucht. Fotografie von Rudolf Zinggeler, 1933 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege, Sammlung Zinggeler).
Blick auf das Dorf von Osten oberhalb der Isornoschlucht. Fotografie von Rudolf Zinggeler, 1933 (Schweizerische Nationalbibliothek, Eidgenössisches Archiv für Denkmalpflege, Sammlung Zinggeler). […]

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Tessin, Bezirk Locarno, 2009 mit Borgnone und Palagnedra zur neuen Gemeinde Centovalli fusioniert. Das Strassendorf Intragna auf dem Geländesporn beim Zusammenfluss von Isorno und Melezza umfasste die Fraktionen Golino, Verdasio, Pila, Vosa, Cremaso, Calezzo, Costa, Corcapolo und ab 1972 Rasa, das sich 1864 von Palagnedra abgetrennt hatte. Während Intragna und Golino geografisch und wirtschaftlich mit dem Pedemonte (Tegna, Verscio, Cavigliano) verbunden sind, liegt der grösste Teil des Gebiets von Intragna in der Gebirgs- und Alpwirtschaftszone des Centovalli. 1272 Intranea. 1653 604 Einwohner; 1764 über 1000; 1801 936; 1850 1428; 1900 1240; 1950 957; 1970 841; 2000 915.

Die 1897 in Intragna zu Tage getretenen vorrömischen Gräber belegen die Besiedlung der Gegend schon für das 1. Jahrtausend v.Chr. Im Mittelalter gehörten die Bischöfe von Como und die Capitanei von Locarno zu den Grundherren. Zusammen mit Golino und Verdasio bildete Intragna eine Vicinanza (Nachbarschaft), deren erste Statuten von 1365 stammen (revidiert 1469). Sie besass das Recht, einen Vertreter an den Rat der Pieve von Locarno zu delegieren. Der Ortsvorsteher (console) wurde abwechselnd während fünf Jahren von Intragna, dann während je einem von Golino und Verdasio gestellt. Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert war Intragna Teil der Landvogtei Locarno. Die zwölf eidgenössischen Orte lehnten 1531 das Gesuch von Intragna, Ascona, Centovalli und Onsernone zur Bildung eines von Locarno unabhängigen Gemeinwesens ab. Ebenso scheiterten im 18. und 19. Jahrhundert die konfliktreichen Versuche Golinos, eine selbstständige Gemeinde zu werden.

Ursprüngliches kirchliches Zentrum der Nachbarschaft war Golino mit seiner 1297 erwähnten Kirche San Giorgio. Die 1474 geweihte Kapelle San Gottardo in Intragna trennte sich 1653 von der im 16. Jahrhundert entstandenen Pfarrei Golino und wurde 1747 zu einer Propstei erhoben. Die heutige Kirche Santissimo Nome di Maria wurde 1722-1738 errichtet; der 1765-1775 hinzugefügte Glockenturm ist mit 65 m Höhe der höchste im Kanton Tessin. Von der im 12. Jahrhundert errichteten Pfarrei Palagnedra spalteten sich 1622 Verdasio, 1644 Rasa ab. Letzteres ist seit 2000 ein Rektorat. Die Kirche Sant'Anna in Rasa wurde 1753 fertiggestellt, jene von Verdasio (Santi Giacomo e Cristoforo) um 1800 erbaut.

Während Jahrhunderten waren Ackerbau und Viehzucht, die jedoch ab 1950 stark an Bedeutung verloren, die Hauptverdienstquellen der Gemeinde. Ab dem 16. Jahrhundert kamen Einkünfte aus saisonaler Auswanderung (v.a. Kaminfeger in die Lombardei und ins Piemont) hinzu. 1631-1847 besassen die Einwohner von Rasa (zusammen mit Ronco, Losone und Terre di Pedemonte) das Monopol für Verladearbeiten am Zoll von Livorno. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte eine starke Auswanderung nach Übersee (Amerika, Australien). Die gewerblich-industrielle Produktion in der Uhrenfabrik, dem Steinbruch, der Schreinerei sowie die Fabrikation von Peduli (Stoffschuhe mit Hanfsohlen vom Beginn des 20. Jh. bis 1962) kamen in den 1960er Jahren zum Erliegen. 1889-1893 wurde die Kantonsstrasse errichtet, 1923 der Bahnhof an der Bahnlinie Locarno-Domodossola. Pila und Costa (seit 1953) sowie Rasa (seit 1958) sind nur mit der Luftseilbahn erreichbar. 1929 wurde das heutige Alters- und Pflegeheim San Donato eröffnet. Intragna ist Sitz des 1989 eröffneten Regionalmuseums für das Centovalli und die Terre di Pedemonte. Während die Bevölkerungszahl in den höher gelegenen Siedlungen stark zurückgegangen ist (Rasa: 200 Einwohner zu Beginn des 16. Jahrhunderts gegenüber 11 1970), sind Intragna und Golino dank ihrer Nähe zu Locarno seit 1970 gewachsen. 2000 arbeiteten zwei Drittel der Erwerbstätigen im Dienstleistungssektor, in der gleichen Grösse bewegte sich der Wegpendleranteil (v.a. in die Agglomeration Locarno).

Quellen und Literatur

  • L. Maggetti, «Memorie storiche del Comune e delle Terre d'Intragna, Golino e Verdasio», in BSSI, 1886-87
  • G.M. Wähli, Centovalli und Pedemonte, 1967
  • O Silacci et al., Centovalli e Terre di Pedemonte, 1988
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Rodolfo Huber: "Intragna", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.01.2017, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002106/2017-01-11/, konsultiert am 29.05.2022.