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Minusio

Politische Gemeinde des Kantons Tessin, Bezirk Locarno. 2 km östlich von Locarno am Langensee gelegen, umfasst die Ortsteile Mappo und Mondacce. 1061 Menuxio (Kopie von 1402), 1200 Menuxio, deutsch früher Maniss. 1597 410 Einwohner; 1683 400; 1795 593; 1850 894; 1900 1162; 1950 2771; 1960 3663; 1990 5968; 2000 6428.

Im Ortsteil Ceresol wurde eine bedeutende eisenzeitliche Nekropole (ca. 6.-5. Jh.v.Chr.) mit ca. 20 Gräbern und reichen Grabbeigaben entdeckt. Zudem fand man mehrere römische Grabfelder aus dem 1. und 2. Jahrhundert n.Chr., die zu den bedeutendsten des Tessins gehören. Der Komplexität der Anlage und der Menge des Materials wegen besonders bemerkenswert ist ein Fund von 1936 mit gut 30 Gräbern. In römischer Zeit war Minusio eine Nebensiedlung von Muralto, dem damaligen Zentrum im Locarnese. Im Mittelalter bildete das Dorf zusammen mit Brione und Mergoscia eine Nachbarschaft. Als das Dorfrecht 1313 schriftlich festgehalten wurde, hatte sich Mergoscia schon abgetrennt; Brione löste sich ab 1479 schrittweise los. Von der alten Nachbarschaft hielt sich bis 1952 die sogenannte Comunella dei tre comuni mit Gemeinbesitz und dazugehöriger Gerichtsbarkeit. Minusio besass Fischerei- und Weiderechte in der Magadinoebene und bis 1920 vor allem die Gerichtsbarkeit (zusammen mit Mergoscia und Locarno) über die Terricciole. In der Ernennung des Gemeindevorstehers wechselten sich die vier squadre (Ortsteile) Rivapiana, Cadogno, Frizzi und Mezzo ab. 1803-1839 war Minusio Hauptort des Kreises Navegna. Wegen der Teilnahme an den Verfassungskämpfen 1839 verlor es nicht nur diese Funktion an Tenero, sondern wurde auch militärisch besetzt.

Kirchlich war Minusio eine von der Erzpriesterei San Vittore in Locarno abhängige Kaplanei (Kaplaneischule schon im 16. Jh.); das Dorf Mondacce ging 1698 an die Pfarrei Gordola und 1921 an jene von Tenero über. 1798 wurde Minusio eine selbstständige Pfarrei, 1949 erhielt diese den Titel einer Propstei. Die Pfarrkirche San Rocco entstand am Ende des 15. Jahrhunderts, wurde aber 1795-1801 neu errichtet. Der älteste Sakralbau ist die bereits 1313 erwähnte Kirche San Quirico in Rivapiana, die im ausgehenden 18. Jahrhundert eine Erweiterung erfuhr. Sie enthält Freskenüberreste aus dem 13.-14. und 15.-16. Jahrhundert sowie das Fragment eines gallorrömischen Votivaltars; ihr Turm hatte ursprünglich eine Wachtfunktion. Die Kirche Santa Maria delle Grazie wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts errichtet, die Heiligkreuzkapelle geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Die Kapelle Santa Maria dei Sette Dolori (ca. 1630) ist an die Casa di Ferro angebaut, eine Kaserne, die der Urner Landammann Peter a Pro 1558 erbauen liess. In Minusio entstanden im 18. und 19. Jahrhundert beachtenswerte Villen, die teilweise abgebrochen oder verfallen sind; erhalten haben sich Wohnsitze (besonders Jugendstilbauten) aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Die Villa La Baronata in Mappo stammt aus dem 17. Jahrhundert und beherbergte im 19. Jahrhundert berühmte Flüchtlinge. Das 1925-1929 als Wohnsitz und Tempel errichtete Elisarion wurde 1981 von der Gemeinde übernommen und als Kulturzentrum eingerichtet.

Während Jahrhunderten lebte die Bevölkerung hauptsächlich von Landwirtschaft und Viehzucht, doch entwickelten sich vor allem entlang einem vermutlich schon im 14. Jahrhundert erbauten Kanal viele Gewerbebetriebe: Mühlen, Sägereien, Drehereien, Walkmühlen, Pressen, Stampfen, Hammerschmieden. Um die Weiden der Magadinoebene zu nutzen, liessen sich ab der Mitte des 16. Jahrhunderts Bauern aus dem Lavizzaratal (später auch aus dem Verzascatal und von Mergoscia) in Mondacce nieder. Schon im 18. Jahrhundert wanderten zahlreiche Maurer, Kaminfeger und Ofensetzer in die Nachbarländer aus; im 19. Jahrhundert setzte die Emigration nach Übersee (Australien und Kalifornien) ein. 1898 wurde das erste Elektrizitätswerk gebaut. Im Zuge des aufkommenden Tourismus wurde die Infrastruktur ausgebaut. Herausragend ist das Kurhotel Esplanade, das 1913 unter Einbezug einer um 1870 entstandenen Villa errichtet wurde. In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wuchs die Einwohnerzahl von Minusio stark, zudem entstanden viele Zweitwohnungen. 2000 stellte der Dienstleistungssektor fast zwei Drittel der Arbeitsplätze in Minusio.

Quellen und Literatur

  • Kdm TI 3, 1983, 205-267
  • G. Mondada, Minusio, 1990
  • Minusio nei secoli attraverso i documenti d'archivio, hg. von R. Carazzetti, 2003
  • S. Pezzoli, Minusio 1929: per i 75 anni del Consiglio comunale, 2005
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Daniela Pauli Falconi: "Minusio", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.03.2010, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002113/2010-03-16/, konsultiert am 29.01.2023.