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Tesserete

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Tessin, Bezirk Lugano, 2001 mit Cagiallo, Lopagno, Roveredo, Sala Capriasca und Vaglio zur Gemeinde Capriasca fusioniert. Das zur mittleren Capriasca gehörende Tesserete hatte sich 1976 mit dem oberhalb am Südwesthang gelegenen Campestro zusammengeschlossen, zu dem die Fraktion Odogno im Tal des Flüsschens Capriasca sowie die Alpen Zalto und Davrosio (Exklaven) zählten. 1289 Tesserario, 1358 Campestro. Tesserete: 1574 64 Einwohner, 1850 96; 1900 255; 1950 581. Campestro: 1574 106 Einwohner, 1850 161; 1900 194; 1950 229. Tesserete mit Campestro: 1980 1249; 2000 1424.

Tesserete: Situationskarte 2000 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2022 HLS.
Tesserete: Situationskarte 2000 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2022 HLS.

In T. wurden Funde aus der Eisenzeit (Grabreste mit Schmuck), drei Grabstelen mit nordetrusk. Inschriften und ein Leichenbrand aus der Römerzeit entdeckt. Im MA lag T. im Einflussbereich von Como und Mailand; zu Beginn des 16. Jh. ging der Ort an die Eidgenossenschaft über und wurde Teil der Vogtei Lugano. 1358 unterzeichnete T. mit den anderen Gem. der Pieve die statuti, welche die Nutzung des gemeinsamen Besitzes auf Maiensässen und Alpweiden regelten (1382 überarbeitet). Wie viele Gemeinden der Region Capriasca verfügte Campestro über ein zersplittertes, nicht zusammenhängendes Gemeindegebiet: Dorf und Felder liegen auf ca. 600 m, die von Mai bis September bewohnten Maiensässe auf ca. 800-1000 m und die Alpweiden wie Zalto und Davrosio, die noch zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Besitz der Bügergemeinde von Campestro waren, noch höher.

Die Kirche S. Stefano (ambrosian. Ritus) ist 1078 im - nicht mit Sicherheit echten - Testament der mailänd. Adligen Contessa erwähnt, mit dem diese der Kirche versch. Güter (v.a. Alpweiden) schenkte. Die Kirche wurde im 15. und im 16. Jh. sowie 1762-72 umgebaut und ist bekannt für den rom. Turm, der die Mittelachse der Fassade bildet, und die reichhaltige Ausstattung (1952-53 Restauration). In Campestro steht die seit 1375 belegte Kirche S. Andrea.

T. zählte 1803 mit 0,5 km2 zu den kleinsten Gem. des Kt. Tessin, wurde aber trotzdem Sitz wichtiger regionaler Institutionen, so 1844 der Zeichenschule, 1845 des Kindergartens, 1852 der Oberschule und ab 1934 des Altersheims S. Giuseppe. Die Eröffnung der Bahnlinie Lugano-T. 1909, die bis 1967 in Betrieb war, begünstigte u.a. die Entwicklung von Tourismus und Hotellerie. 1956 wurde die Militärkaserne erbaut (zuerst Infanterie, dann Sanitätstruppen); 2007 erwarb sie die Gem. Capriasca zu Schulzwecken. 2006 wurde ein Sportzentrum und Schwimmbad eröffnet. Mit dem Gemeindehaus von Capriasca und der 1982 errichteten Sekundarschule bildete T. auch zu Beginn des 21. Jh. das Zentrum der Region.

Quellen und Literatur

  • La chiesa plebana di Tesserete, hg. von G.A. Quadri et al., 1993
  • A. Morosoli, Terre di Campestro, 1999

Zitiervorschlag

Maurizio Cattaneo; Alberto Gandolla: "Tesserete", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 30.11.2023, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002211/2023-11-30/, konsultiert am 16.07.2024.