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Valcolla

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Tessin und Tal, Bezirk Lugano, seit 2013 Teil der Gemeinde Lugano. Das steile Val Colla dehnt sich über ca. 10 km in südwestlicher Richtung vom Gipfel des Monte Gazzirola (2116 m) dem Fluss Cassarate entlang bis zu dessen Zusammenfluss mit der Capriasca (420 m) aus und grenzt im Osten an das Val Cavargna (Lombardei), das über den San Lucio-Pass erreichbar ist. Die 1956 durch Fusion von Colla, Insone, Piandera, Scareglia und Signôra entstandene neue Gemeinde Valcolla (Bogno, Certara und Cimadera hatten den Zusammenschluss abgelehnt) umfasste auch den Weiler Maglio di Colla (823 m) in der Talmitte und verschiedene Häusergruppen, die sich auf dem darüberliegenden Hang auf einer Höhe von ca. 1000 m verteilen. 1264 Colla. Tal: 1591 610 Einwohner; 1900 1765; 1950 1131; 2000 816. Gemeinden Colla, Insone, Piandera, Scareglia und Signôra: 1850 1167 Einwohner; 1900 1088; 1950 687; Gemeinde Valcolla: 1960 532 Einwohner; 2000 558.

Vom 9. bis 10. Jahrhundert an gehörte das Tal, dessen erste Siedlungsplätze vermutlich einfache Hütten oder Unterkünfte für die Wanderweidewirtschaft (Transhumanz) darstellten, zur curtis von Sonvico der Kirche bzw. ab ca. 1040 des Benediktinerklosters San Carpoforo in Como. Die ersten belegten Siedlungen von Einwohnern aus der sogenannten Castellanza Sonvico (linke Talseite) und der Capriasca (rechte Talseite) gehen auf das Mittelalter zurück. Das Tal unterstand der Pieve Lugano, mit Ausnahme von Cimadera, das ab dem 16. Jahrhundert zur Castellanza und Pfarrei Sonvico gehörte.

Unter eidgenössischer Herrschaft teilte das Tal die Geschicke der Vogtei Lugano. Wegen seiner geografischen Lage war es trotz der Nähe zu Lugano oft isoliert. Im Talgrund entlang des Flusses standen die Wasserkraftanlagen wie Mühlen und Hammerschmieden. Weiter oben, in sonniger Lage, erstreckten sich die Dörfer mit den Feldern. Auf ungefähr 1200 m lagen die sogenannten Barchi, kleine Ställe mit Pultdach für Schafe und Ziegen, noch weiter oben schliesslich die Alpweiden.

Auf dem Pass auf 1542 m, der seit römischer Zeit begangen wird, befindet sich auf italienischem Gebiet die mittelalterliche Wallfahrtskirche San Lucio; dort trafen sich die Bewohner des Valcolla mit denjenigen des Val Cavargna meist in friedlicher Absicht, manchmal aber auch wegen Auseinandersetzungen. In der Region blühte trotz des Grenzzauns der Schmuggel. In der Neuzeit lebten die meisten Einwohner von der Land- und Viehwirtschaft; viele wanderten auch aus, lange Zeit meist saisonal ins übrige Tessin oder nach Italien, ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dann vermehrt auch definitiv auf die Alpennordseite oder nach Übersee. Viele der Emigranten waren Schlosser, die einen für Aussenstehende kaum verständlichen Dialekt, das rügin, sprachen. Eine wichtige Einnahmequelle für das Tal war auch das Holz; gegen Ende des 19. Jahrhunderts führte die unkontrollierte Abholzung zur Erosion des Bodens und zu Erdrutschen, weshalb 1881 ein Wiederaufforstungsprojekt verwirklicht wurde. Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte eine langsame demografische Erholung ein, die durch die Suburbanisierung der Agglomeration Lugano begünstigt wurde. 1977-2011 bildete das Val Colla mit der Capriasca und dem Vedeggio-Tal die Region Valli di Lugano.

Die Pfarrei Valcolla, zu der bis 1811 Bogno und bis 1899 Certara gehörten, ist 1591 bezeugt. An der Stelle der Pfarrkirche Santi Pietro e Paolo in Colla soll sich gemäss Überlieferung früher ein Schloss befunden haben. In den anderen Dörfern bestehen Kapellen. Die Anlage der Strasse zwischen Tesserete und Maglio di Colla erfolgte 1853, aber viele Siedlungen wurden erst mit dem Bau der Fahrstrasse um 1940 leicht erreichbar. In Maglio di Colla stehen das ehemalige Gemeindehaus, die Primarschule der Talgemeinden (Anfang 20. Jh.) und Restaurants, in Colla befindet sich das Altersheim.

Quellen und Literatur

  • Valli di Lugano, hg. von F. Zappa, 1990
  • Val Colla, 2005

Zitiervorschlag

Maurizio Cattaneo; Alberto Gandolla: "Valcolla", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.01.2017, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002214/2017-01-18/, konsultiert am 29.06.2022.