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Campo (Vallemaggia)

Campo in Vallemaggia. Öl auf Leinwand, um 1850, 35 x 52 cm (Archivio di Stato del Cantone Ticino, Bellinzona, Quadreria).
Campo in Vallemaggia. Öl auf Leinwand, um 1850, 35 x 52 cm (Archivio di Stato del Cantone Ticino, Bellinzona, Quadreria). […]

Gemeinde des Kantons Tessin, Bezirk Vallemaggia. Die letzte und höchstgelegene Gemeinde des Valle di Campo ist 42 km von Locarno entfernt und besteht aus fünf Ortsteilen, die auf breiten Terrassen liegen und durch beträchtliche Distanzen und Höhenunterschiede voneinander getrennt sind: Cimalmotto (1405 m), Campo (1320 m), Piano di Campo (1187), Seccada (1094) und Niva (955 m). Ungünstige geologische Bedingungen, verschärft durch unbedachten Holzschlag und Holzflösserei, erhöhten spätestens ab dem 18. Jahrhundert die Anfälligkeit für Erdrutsche und Bergstürze im Gebiet. 1484 Campo. 1591 155 Feuerstellen; 1683 1067 Einwohner; 1702 912; 1754 518; 1769 276 (nach der Trennung von Cimalmotto und Niva von der Pfarrei Campo); 1802 273; 1850 506; 1900 291; 1950 182; 2000 58; 2010 49; 2020 49.

Campo (Vallemaggia): Situationskarte 2020 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2021 HLS.
Campo (Vallemaggia): Situationskarte 2020 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2021 HLS.

Im 15. Jahrhundert bildete das Valle di Campo mit Cevio, Bignasco und Cavergno die Roana Superior, eine Art Verwaltungsdistrikt. Die Nachbarschaft von Campo (Vallemaggia) bestand aus drei Squadre, welche die Einwohner der wichtigsten Weiler vereinte: Die «obere» oder «innere» Squadra (Cimalmotto), die «mittlere» (Campo) und die «untere» oder «äussere» (Piano di Campo, Seccada und Niva). 1513 spaltete sich die Pfarrei Campo von Cevio ab. Cimalmotto und Niva trennten sich 1767 erst kirchlich, dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch politisch von Campo und wurden zu selbstständigen Gemeinden. Die Kirche San Bernardo in Campo (vermutlich 14. Jh.) wurde in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, um 1620 und 1740-1745 vergrössert. Sie enthält Fresken von Giuseppe Mattia Borgnis (1745), der auch die Kirchen von Cimalmotto und Niva, die barocke Kapelle San Giovanni Battista und die Fassaden der Palazzi Pedrazzini ausgestaltete. Im 17. und 18. Jahrhundert erlebte Campo eine starke Wanderbewegung Richtung heutiges Deutschland und Italien. Von zu Reichtum gelangten Einwohnern, vor allem Kaufleuten (Handel), stammen die mit Fresken aufwendig verzierten Hausfassaden. In dieser Zeit entstand ein wohlhabendes und einflussreiches Bürgertum, das durch den Kontakt mit Kultur- und Wirtschaftszentren geprägt war und aus dem politische und kirchliche Würdenträger hervorgingen. Nur wenige Familien sind noch im 1. Sektor tätig. Ein Grossteil der Häuser sind Zweitwohnsitze; schon im 18. Jahrhundert war die Gegend als Ferienort beliebt (Tourismus). Hauptfaktoren des augenfälligen Bevölkerungsrückgangs und der Überalterung im Dorf sind die Auswanderung (ab 1850) und die Abwanderung in die Städte. Die grossen Distanzen und die ungünstigen Strassenverbindungen verunmöglichen das Pendeln.

Quellen und Literatur

  • Pedrazzi, Gian Piero; Robertini, Agostino Toppi, Silvano: Il comune, 1974, S. 75-90.
  • Mondada, Giuseppe: Commerci e commercianti di Campo Valmaggia nel Settecento. Dalle lettere dei Pedrazzini e di altri conterranei attivi in Germania e in Italia, 1977.
Von der Redaktion ergänzt
  • Chiesi Ermotti, Francesca: Le Alpi in movimento. Vicende del casato dei mercanti Pedrazzini di Campo Vallemaggia (XVIII s.), 2019.
Weblinks
Normdateien
GND
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1484: Campo

Zitiervorschlag

Daniela Pauli Falconi: "Campo (Vallemaggia)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 22.03.2022, übersetzt aus dem Italienischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002260/2022-03-22/, konsultiert am 19.05.2022.