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Leysin

Auf der Veranda des Sanatorium populaire, um 1905. Fotografie von Fred Boissonnas (Musée de l'Elysée, Lausanne) © Collection Bibliothèque de Genève.
Auf der Veranda des Sanatorium populaire, um 1905. Fotografie von Fred Boissonnas (Musée de l'Elysée, Lausanne) © Collection Bibliothèque de Genève. […]

Politische Gemeinde des Kantons Waadt, seit 1798 Bezirk Aigle. Am rechten Ufer der Grande-Eau gelegen, befindet sich Leysin am Fuss der Tour d'Aï und der Tour de Mayen auf einer Hochebene von 1260 m. Die Gemeinde umfasst neben dem Dorf Leysin die Weiler Veyges, Feydey, Aï und Mayen. 1231-1232 Leissins, 1352 Leisins. 1313 61 Haushalte; 1850 415 Einwohner; 1900 1065 (mit Kurgästen); 1950 4242 (mit Kurgästen); 1980 2057; 2000 2998.

Im Mittelalter bildete Leysin einen Teil des Vizedominats Aigle und damit des Hauses Savoyen, das den Leuten von Leysin die Alpweiden von Aï und Mayen (14. Jahrhundert) verpachtete. 1439 leistete Pétremand de Chivron dem Herzog von Savoyen den Huldigungseid für 22 Männer des Dorfes. Unter bernischer Herrschaft (1475-1798) war Leysin eine Mistralie der Vogtei Aigle. Nachdem sich die Einwohner Leysins 1485 von den feudalrechtlichen Bindungen befreit hatten, konnten sie 1520 einen Rat von zwölf prud'hommes wählen sowie eine Exekutive, bestehend aus einem Mistral, einem Statthalter, zwei Bürgermeistern und zwei Räten. 1445 bewilligte der Bischof von Sitten den Bau einer dem heiligen Theodul und der Maria Magdalena geweihten Kapelle. 1528 erfolgte die Einführung der Reformation in Leysin, 1702 wurde es eine eigene Kirchgemeinde. Nach erbittertem Widerstand gegen die Revolution erreichten die Einwohner von Leysin 1798, dass bernische Truppen die Gemeinde ein zweites Mal besetzten. Diese zogen sich aber am 5. März nach der Schlacht von La Forclaz zurück.

Die Alpwirtschaft und der Anbau von Weizen, Leinen und Hanf wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts vom Kurtourismus verdrängt. Bereits 1764 war die aussergewöhnliche Lebenserwartung der Bewohner von Leysin aufgefallen, die Thomas Robert Malthus sogar in seiner Schrift "Essay on the Principle of Population" (1798) erwähnte. Im 19. Jahrhundert reisten an Kretinismus, Rachitismus und ab 1873 an Lungenschwindsucht Erkrankte nach Leysin zur Kur. Das Grand Hotel wurde 1892 eröffnet, die erste Klinik für Knochentuberkulose 1903, in welcher der Arzt Auguste Rollier die Höhenkur und Heliotherapie praktizierte. 1875 wurde die Strasse von Le Sepey nach Leysin eingeweiht, 1900 die Zahnradbahn Aigle-Leysin, die man 1915 bis zum Grand Hotel verlängerte. 1946 hielten sich rund 3500 Kurgäste in bis zu 80 Sanatorien auf. Infolge der neuen Behandlungsmethoden mit Antibiotika nahm ab 1947 die Zahl der Kurgäste ab. Zwischen 1955 und 1962 mussten die Kliniken schliessen, doch wandte sich Leysin erfolgreich dem Sommer- und Wintertourismus zu. Zu diesem Zweck entstanden Gondelbahnen (1956 Berneuse), Skilifte, Ferienhäuser (ab 1958), Sportzentren und internationale Privatschulen. 1891-1976 wurde eine Wetter- und 1952-1996 eine Schneestation vom Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos betrieben. Am Anfang des 21. Jahrhunderts verfügte Leysin ferner über mehrere sozialmedizinische Zentren sowie über eine Empfangsstelle für Asylbewerber.

Quellen und Literatur

  • L. Desponds, Leysin: histoire et reconversion d'une ville à la montagne, 1993

Zitiervorschlag

Jean-Jacques Bouquet: "Leysin", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 13.02.2023, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002282/2023-02-13/, konsultiert am 23.05.2024.