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EchallensGemeinde

Politische Gemeinde des Kantons Waadt, seit 1798 Hauptort des gleichnamigen Bezirks, am Fluss Talent gelegen. 1141 Charlens, 1177 Escharlent, 1228 Eschallens; deutsch früher Tscherlitz. 1416 35 Feuerstellen; 1453 32; 1764 81, wovon 34 katholisch; 1850 957 Einwohner; 1900 1096; 1950 1324; 1980 2163; 2000 4281.

1857 wurden die Überreste einer Giesserei aus der Bronzezeit im Hof des Schlosses entdeckt. Die Gräberfelder bei Argilliez, Condémines und Chatelard stammen aus der Latènezeit und dem Frühmittelalter. Echallens lag an dem Trassee der vermeintlich römischen Strasse zwischen Lausanne und Yverdon; deren Überreste wurden allerdings Ende des 19. Jahrhunderts zerstört. 1141 wird Echallens zum ersten Mal in einem Schutzbrief von Papst Innozenz II. an die Abtei Montbenoît bei Pontarlier erwähnt. Ende des 12. Jahrhunderts beherrschten die Grafen von Montbéliard, die Montfaucon, die Gegend. Nach 1270 kaufte Amadeus III. den Herren de Goumoëns und de Cheseaux die Rechte auf Echallens wieder ab, die diese von der Familie de Montfaucon erhalten hatten. 1317 anerkannte Jean de Montfaucon die lehnsrechtliche Oberherrschaft der savoyischen Grafen über Echallens. Im 15. Jahrhundert fiel Echallens durch Erbgang an die Herren de Chalon, bis 1475 der Sieg der Eidgenossenschaft der burgundischen Präsenz im Waadtland ein Ende setzte. Echallens wurde zum Zentrum der neuen Vogtei Orbe-Echallens, die Bern und Freiburg 1484-1798 gemeinsam verwalteten.

1291 und 1313 sind Steuereinnehmer und ein Kastellan in Echallens belegt; vor 1346 bestand eine Zollstelle. Der Ort entwickelte sich allerdings nur langsam: 1361, als Echallens erstmals in einer Übersicht über die Zehnteinkünfte der Diözese Lausanne erscheint, war es auf dem tiefsten Steuerniveau eingestuft. 1351-1352 verliehen Girard de Montfaucon und seine Frau, Jaquette de Grandson, Echallens im Rahmen des Ausbaus ihrer Herrschaft ein Stadtrecht ähnlich dem von Moudon. Um diese Zeit erhielt Echallens auch eine Mauer, die den Flecken und das Schloss umfasste. Das Stadtrecht beinhaltete eine Gemeindeorganisation; allerdings werden die Syndics in Echallens erst 1464 erwähnt. Während des Ancien Régime führten zwei Gemeindevorsteher und ein zwölfköpfiger Rat die Geschäfte des Orts; 1738 wurde ein Rat von 24 Mitgliedern geschaffen. Beide Ratsgremien zählten gleich viele Katholiken wie Reformierte, und jede Aufnahme ins Bürgerrecht musste dem Prinzip der konfessionellen Parität Rechnung tragen. 1781 wurde das Rathaus erbaut.

Echallens ist seit 1141 als Filialkirche von Goumoens-la-Ville belegt; vor 1228 bildete es eine eigene Pfarrei. Nach der Reformation 1536 wurde Echallens zu einer gemischten Pfarrei; beide Konfessionen nutzten entsprechend dem Simultaneum, das Bern und Freiburg in zähen Verhandlungen vereinbart hatten, die Kirche Saint-Jean l'Evangéliste gemeinsam. 1726-1727 wurde eine neue paritätische Kirche erstellt. 1883 errichteten die Katholiken an deren Stelle ihre Kirche, nachdem die Reformierten schon 1865 ein eigenes Gotteshaus gebaut hatten.

Luftbild von Echallens gegen Osten. Fotografie, 1949 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).
Luftbild von Echallens gegen Osten. Fotografie, 1949 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann). […]

Da Echallens Hauptort der Vogtei sowie Sitz des Zivil-, Straf- und Lehnsgerichtes war, beherbergte es eine gewisse Anzahl Gerichtsbeamter und Notare in seinen Mauern. Echallens war von der Landwirtschaft geprägt, allerdings ermöglichte die Lage an der Strasse Lausanne-Yverdon die Entwicklung des Transport- und Gastgewerbes. Als regionales Zentrum besass Echallens ab 1351 einen Wochenmarkt, der im 16. Jahrhundert wegen der Bescheidenheit des Städtchens nur unregelmässig abgehalten wurde. Im 17. Jahrhundert durfte Echallens zwei Jahrmärkte durchführen. 1708 und 1731 wurden ihm zwei weitere Märkte zugestanden, von denen einer der Verpflichtung von Dienstboten und der Söldnerwerbung diente.

Das 1273 bezeugte Schloss grenzte ursprünglich nicht an den Ort; von seinen drei Türmen ist nur einer teilweise erhalten. 1445 wurde es durch einen Sturm beschädigt, dann repariert und 1451 von Ludwig von Chalon von Grund auf neu erstellt. 1475 brannten es die Eidgenossen nieder. Nach dem teilweisen Wiederaufbau um die Mitte des 16. Jahrhunderts diente es dem Vogt als Residenz. 1719 wurde es um einen Wohntrakt erweitert. 1798 fiel das Schloss an den Staat, der es 1816 an die Gemeinde verkaufte; es beherbergte das Gericht, das Gefängnis, die reformierten Schulklassen, 1842-1852 die Diakonissen, bis diese nach Saint-Loup übersiedelten, und nach 1892 die Mittelschule. Heute sind die Gemeindeverwaltung und Primarklassen darin untergebracht.

1798 wurde Echallens Hauptort des Bezirks. Es entwickelte sich nur zögerlich und wurde nur am Rande vom industriellen Aufschwung berührt, den der Kanton Waadt zwischen 1880 und 1910 erlebte. Trotzdem änderte sich die wirtschaftliche Struktur des Ortes: 1910 fielen von den 440 erfassten Stellen 103 auf die Landwirtschaft, 175 auf die Industrie, hauptsächlich in den Bereichen Textil, Bau, Metallbearbeitung, Maschinen- und Gerätebau und Lebensmittel, sowie 162 auf den 3. Sektor in Verwaltung, Handel, Bank und dem traditionellen Hotellerie- und Transportwesen. Der Bau der Eisenbahnverbindung Lausanne-Echallens 1874 und derjenige der Anschlussstrecke nach Bercher 1889 veränderten die wirtschaftliche Entwicklung von Echallens nicht grundlegend. Während des 19. Jahrhunderts erfolgte der Schulunterricht nach Konfessionen getrennt; erst 1892 wurde eine – sowohl bezüglich der Konfessionen wie auch bezüglich des Geschlechts – gemischte Mittelschule eingeweiht, die 1911 in ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium umgewandelt wurde. 1977 entstand ein neues Schulzentrum. Nach 1970 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl von Echallens; die Wohnzonen dehnten sich aus. 2000 arbeiteten rund drei Viertel der Bevölkerung im Tertiärsektor. Da Echallens als Sitz der Präfektur verschiedene Zweige der Verwaltung beherbergt (Bezirksgericht, bis 2000 Grundbuchregister usw.), ist der Anteil des 3. Sektors relativ hoch. Viele Arbeitsplätze des Ortes hängen mit der Landwirtschaft zusammen (Landwirtschaftsmaschinenfabrik, Mühlen, zentraler Getreidespeicher und Verkaufszentrum von Produkten für die Landwirtschaft) – schliesslich liegt Echallens im Getreidegebiet Gros-de-Vaud, der Kornkammer des Kantons. 1989 wurde ein lebensnahes Handwerksmuseum, die Maison du blé et du pain, eröffnet.

Quellen und Literatur

  • E.S. Dupraz, Echallens, 1950
  • Echallens et ses églises, 1965
  • M. Grandjean, Les temples vaudois, 1988, 309 f.
  • D. Décosterd, Région du Gros-de-Vaud: Programme de développement, 3 Bde., 1990
  • Mémoires d'un chêne, hg. von E. Gardaz et al., 1991
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Stubenvoll, Marianne: "Echallens (Gemeinde)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 28.02.2006, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002361/2006-02-28/, konsultiert am 23.01.2022.