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Villette (Lavaux)

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Waadt, Bezirk Lavaux-Oron, die 2011 mit Cully, Epesses, Grandvaux und Riex zur neuen politischen Gemeinde Bourg-en-Lavaux fusionierte. 1160/1179 Vileto. 1764 193 Einwohner; 1850 288; 1900 340; 1950 387; 2000 564.

Auf dem Gemeindegebiet wurden Überreste mehrerer römischer Gebäude, eines davon unter der Kirche, sowie ein heute verschollener Meilenstein aus der Zeit Kaiser Konstantins entdeckt. Das Dorf Villette bildete mit Cully, Epesses, Les Monts de Villette (heute Forel), Grandvaux und Riex eine der vier Grosspfarreien (communauté) des Lavaux, die zum weltlichen Herrschaftsgebiet des Bischofs von Lausanne gehörten. Die 1134 erwähnte und 1228 als Pfarrkirche belegte Kirche Saint-Saturnin unterstand dem Priorat Lutry. Im 14. Jahrhundert bildete sich eine Gemeindestruktur aus: Aran, Chenaux, Cully, Curson, Epesses, Grandvaux, Riex und Villette wurden von Bruderschaften verwaltet, zunächst religiösen, dann Laienvereinigungen, die sich unter anderem um das Schulwesen, die Armenfürsorge und den Wegunterhalt kümmerten.

1536-1798 war die Grossgemeinde Villette Teil der bernischen Landvogtei Lausanne und bildete ab 1598 eine Kastlanei. Sie wurde von Bern unterteilt in die vier Viertel jenseits der Gérine (quarts de delà), nämlich Aran (unterteilt in die drei Drittel Villette, Aran, Chatagny), Curson (unterteilt in die vier kleineren Einheiten Lallex, Curson, Baussan, Crête), Grandvaux und Chenaux, sowie in vier Viertel diesseits der Gérine (quarts de deça), nämlich Cully, das für zwei Viertel zählte, Riex und Epesses (zwei Drittel für das Dorf, ein Drittel für Crêt). Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Gemeinde durch einen Bannerherrn und einen Gouverneur, einen Sechzehnerrat und einen aus 64 Mitgliedern bestehenden Zweitrat verwaltet. Während das Rebgebiet vorwiegend von den Bruderschaften verwaltet wurde, unterstand der obere Teil direkt der zentralen Verwaltung. Zahlreiche Konflikte entstanden um die Wälder, die sich in gemeinsamem Besitz mit anderen Dorfgemeinschaften des Jorat befanden, sowie um die mit Lutry geteilte Kirche von Savigny.

1824 wurde die Grosspfarrei Villette in sechs Gemeinden aufgeteilt, nämlich in Villette (Bruderschaften von Villette und Aran), Grandvaux (Bruderschaften von Grandvaux und Curson), Cully (Bruderschaften von Cully und Chenaux), Riex, Epesses und Les Monts de Villette unter dem Namen Forel (Lavaux). Seit 1861 besteht ein Bahnhof an der Simplonlinie. 1864 wurde Aran Hauptort der Gemeinde Villette. Ein Projekt für einen Zonenplan, der die Errichtung von Villen vorsah, führte 1972 zur Gründung der Vereinigung Sauver Lavaux durch Franz Weber. Die von der Landwirtschaft und vor allem dem Weinbau geprägte Gemeinde besass 2010 mit 185 ha das grösste Anbaugebiet des Lavaux mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung (AOC). Mehr als die Hälfte der Arbeitsstellen entfielen 2005 auf den Primärsektor. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts brachte die Nähe zu Lausanne viele Zuzüger bzw. Wegpendler.

Quellen und Literatur

  • L.-D. Perret, La bourgeoisie d'Aran et Chatagny, 2003

Zitiervorschlag

Germain Hausmann: "Villette (Lavaux)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 06.01.2017, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002426/2017-01-06/, konsultiert am 28.02.2024.