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Vaulion

Politische Gemeinde des Kantons Waadt, Bezirk Jura-Nord vaudois. Strassendorf in der Nähe des Nozon. 1097 Vallis Leonis. 1396 32 Feuerstätten; 1499 22; 1550 27; 1660 79; 1764 175; 1803 1145 Einwohner; 1850 994; 1900 958; 1920 1'051; 1950 689; 1980 358; 2000 437.

Zufluchtsort der Hörigen, die 1097 vom Prior von Romainmôtier aufgenommen wurden. Vaulion gehörte bis 1537 zur Klosterherrschaft und kam unter bernischer Herrschaft zur Landvogtei Romainmôtier. 1798-2006 war es Teil des Bezirks Orbe. Vaulion gehörte zur Kirche in Romainmôtier und bekam 1316 einen Leutpriester. Die Kapelle Saint-Julien wurde nach den Pestepidemien abgerissen und vor 1446 durch eine neue im Dorf ersetzt. Von der Reformation an versah der Diakon von Romainmôtier den Kirchendienst in Vaulion. Die Berner Obrigkeit richtete 1709 ein Chorgericht ein. Ab 1735 hatte Vaulion einen eigenen Pfarrer. Die Kirche wurde 1756 neu gebaut. Die auf Selbstversorgung ausgerichtete, wenig spezialisierte Landwirtschaft nahm ab dem 16. Jahrhundert dank der Viehzucht und der Produktion von Hartkäse einen Aufschwung. Der Wald wurde unter anderem für die Produktion von Holzgefässen genutzt; Ende des 17. Jahrhunderts bestand eine Sägerei. Nach 1930 wurden Äcker in Wiesen umgewandelt, und gewisse, ausserhalb des Dorfs gelegene Höfe nur noch im Sommer genutzt. Ab dem 16. Jahrhundert gingen die Bewohner von Vaulion einem Nebengewerbe nach. 1591 sind Weber belegt, ebenso vom 17. bis zum 20. Jahrhundert zahlreiche Schuhmacher. 1671-1931 war eine Gerberei in Betrieb. Zwei ab dem 17. Jahrhundert erwähnte Schmieden erlangten in der Eisenverarbeitung Bedeutung. Ab 1681 bis um 1850 wurde eine Nagelschmiede betrieben. Die Familie Reymond und du Plâne betätigten sich 1730-1835 als Waffenschmiede. Im 19. Jahrhundert beschäftigten die Feilenfabriken mehrere Dutzend Arbeiter. In Vaulion lebten zudem ab dem 17. Jahrhundert zahlreiche Maurer und Steinmetzen, die unter anderem Brunnentröge herstellten. Ab 1770 sind Steinschneider erwähnt. Die Bearbeitung von Halbedelsteinen für Uhrwerke war bis 1975, als sie die Uhrenindustrie nicht mehr benötigte, die Spezialität des Dorfs.

Quellen und Literatur

  • M. Fontannaz, Les cures vaudoises, 1986, 160-162
  • M. Grandjean, Les temples vaudois, 1988, 226 f.
  • G. Le Comte, «Quelle politique pour les pauvres? Le cas de la communauté de Vaulion sous l'Ancien Régime», in Armut in der Schweiz, (17.-20. Jh.), hg. von A.-L. Head, B. Schnegg, 1989, 95-108
  • G. Le Comte, Vaulion, au fil de sa mémoire, 1997

Zitiervorschlag

Guy Le Comte: "Vaulion", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.02.2015, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002548/2015-02-03/, konsultiert am 05.03.2024.