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Blonay

Ehemalige Gemeinde des Kantons Waadt, Bezirk Riviera-Pays-d'Enhaut, 2022 mit Saint-Légier-La Chiésaz zur Gemeinde Blonay-Saint-Légier fusioniert. Blonay bestand aus dem gleichnamigen Dorf, den Quartieren Tercier und Cojonnex sowie mehreren Weilern (darunter Les Chevalleyres) und erstreckt sich von etwa 500 bis 1400 m (Les Pléiades). Um 1000 Bloniaco. 1764 1244 Einwohner (mit Saint-Légier); 1798 800; 1850 832; 1900 1048; 1950 1351; 2000 4695; 2010 5669; 2020 6119.

Blonay: Situationskarte 2021 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2022 HLS.
Blonay: Situationskarte 2021 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2022 HLS.

Bei archäologischen Ausgrabungen wurden unter anderem ein Schalenstein und in Cojonnex ein frühmittelalterlicher Friedhof entdeckt. Blonay gehörte zur gleichnamigen Grundherrschaft, die Ende des 12. Jahrhunderts die Gebiete von Blonay, Saint-Légier-La Chiésaz, Corsier-sur-Vevey und Vevey umfasste und später mehrmals aufgeteilt wurde; Saint-Légier-La Chiésaz wurde 1363 eingetauscht, Ende des 16. Jahrhunderts zurückgekauft und kam dann durch Heirat an die Familie de Joffrey. 1750 wurde die Grundherrschaft infolge finanzieller Schwierigkeiten an Johann Rudolf von Graffenried verkauft. Die Herren de Blonay hatten bis 1798 die niedere, mittlere und hohe Gerichtsbarkeit inne (auf einem Plan von 1671 ist die Richtstätte zu sehen) sowie die Zehnt-, Weggeld-, Jagd- und Fischereirechte. 1806 kaufte Jean-Rodolphe-Frédéric de Blonay das Stammschloss zurück, das von da an in Familienbesitz blieb. Diese seit 1184 nachgewiesene Anlage kontrollierte einen strategisch wichtigen Durchgang im Tal der Veveyse; im 15. Jahrhundert wurde dem befestigten Bauwerk ein Bergfried und eine Umfassungsmauer beigefügt, zudem wurde ein Wohnteil mit Privatkapelle eingerichtet. Blonay gehörte 1536-1798 zur Vogtei und 1798-2006 zum Bezirk Vevey. Die erst 1478 von der Steuer (Telle) befreite Gemeinde wurde im 18. Jahrhundert von zwei Räten verwaltet (Rat der Zwölf und der Vierundzwanzig). Kirchlich gehört Blonay seit jeher zur Pfarrei La Chiésaz. Die Kirche von La Chiésaz wurde 1105 erstmals erwähnt, als der Bischof von Lausanne sie an Robert, Abt von Molesme, übertrug. Sie wurde dadurch zur Kirche eines kleinen benediktinischen Priorats, das vor 1221 mit demjenigen von Saint-Sulpice zusammengelegt wurde, diente aber auch als Pfarrkirche. Infolge der Eroberung durch Bern gingen 1536 beide Priorate an Lausanne über, das nach deren Säkularisierung auch die klösterlichen Rechte übernahm. Die Kapelle Saint-Antoine in Tercier wurde 1503 von dem aus einer Vasallenfamilie der Blonay stammenden Nicod de Cojonnay (de Cojonnex) gegründet und stand gestützt auf ein Privileg von 1507 dem Publikum offen. Nach der Reformation bekam Blonay ein Chorgericht, dessen Beisitzer zu zwei Dritteln vom Herrn von Blonay und zu einem Drittel vom Herrn von Saint-Légier ernannt wurden. Die katholische Kapelle Sainte-Croix wurde 1962 geweiht.

Pfarrkirche von Blonay in La Chiésaz. Kolorierte Aquatinta von Samuel Weibel, um 1830 (Musée historique de Lausanne).
Pfarrkirche von Blonay in La Chiésaz. Kolorierte Aquatinta von Samuel Weibel, um 1830 (Musée historique de Lausanne).

Ende des 18. Jahrhunderts war Blonay die ländlichste Gemeinde der Vogtei Vevey. 76% der Bevölkerung arbeiteten in der Landwirtschaft (v.a. Weinbau, Getreidebau und Viehwirtschaft), die noch im ausgehenden 19. Jahrhundert als wichtigste Einkommensquelle galt. Die Bains-de-l'Alliaz nutzten im 19. Jahrhundert eine Schwefelquelle (Bäder). Blonays Entwicklung wurde gefördert durch die Eisenbahn Vevey-Blonay-Chamby (1902-1966) und die 1911 eröffnete Zahnradbahn Blonay-Les Pléiades. Die wirtschaftliche Entwicklung entsprach derjenigen des Bezirks Vevey, die vor dem Ersten Weltkrieg vor allem vom aufkommenden regionalen Tourismus abhing. Ende des 20. Jahrhunderts wies Blonay zwar immer noch Bauernbetriebe und Weingüter auf, der grösste Teil der Bevölkerung war jedoch im Industrie- und im Dienstleistungssektor tätig und arbeitete ausserhalb der Gemeinde. Ab 1970 wurde ein Zonenplan erstellt. Zusätzliche Einnahmen generieren kleinere Dienstleistungsbetriebe sowie der Familientourismus mit dem Skigebiet (Skisport) in Les Pléiades und der 1968 wieder in Betrieb genommenen Museumsbahn Blonay-Chamby.

Quellen und Literatur

  • Reymond, Maxime; Galbreath, Donald Lindsay: Blonay, virtute et prudentia. Annales et généalogie de Blonay, 1950.
  • Chapuisat, Jean-Pierre: Blonay, 1978 (Trésors de mon pays, 148).
  • Reymond, Maxime: Le château de Blonay, 1184-1984, 1984.
  • Wildermann, Ansgar: «Blonay», in: Helvetia Sacra, III/1, 1986, S. 438-440.
  • Paravicini Bagliani, Agostino; Poudret, Jean-François (Hg.): La maison de Savoie et le Pays de Vaud, 1989 (Bibliothèque historique vaudoise, 97).
  • Badel, Françoise; Rosselet, François: L'Eglise de La Chiésaz. Historique de la paroisse de Blonay – Saint-Légier-La Chiésaz, 1991.
  • Blonay vous informe. Annuaire, 1996-2012.
  • Jacot, Bernard: Chroniques blonaysannes. Notes historiques sur la commune de Blonay, 1999.
Weblinks
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Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
um 1000: Bloniaco

Zitiervorschlag

Elisabeth Salvi: "Blonay", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 30.05.2022, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002612/2022-05-30/, konsultiert am 04.07.2022.