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Val deBagnesRegion

Tal des Kantons Wallis, von der Dranse de Bagnes durchflossen, die von Süden her in die Rhone mündet. Seit der Fusion von Bagnes und Vollèges 2021 bildet das Tal die gleichnamige politische Gemeinde Val de Bagnes. 1150 Banie.

In den höheren Hanglagen wurden Lagerspuren von Jägern und Sammlern aus dem 8. Jahrtausend v.Chr. entdeckt und eine regelmässige Besiedlung der dortigen Alpen ist bereits für das Neolithikum belegt. Im Tal stiess man zudem auf neolithische Schalensteine sowie Grabstätten aus der Bronze- und der Römerzeit. Die frühe Besiedlung erklärt sich wohl mit dem Col de Fenêtre, einem Übergang ins Aostatal, der lange Zeit mindestens ebenso stark begangen war wie der Grosse St. Bernhard.

1150 vergabte Graf Humbert von Savoyen der Abtei Saint-Maurice einen Teil seiner Rechte über Bagnes und Octiet (Etiez, bei Vollèges). Die Schenkungsurkunde wurde von den Parteien unterschiedlich gedeutet. Schliesslich erlangte die Abtei das Bannrecht, die Gerichtsbarkeit und das Weiderecht; den Grafen von Savoyen verblieben die Grundzinsen, der Heerbann und die Frondienste für die Burg Chillon. Das Tal war nicht gesamthaft an die Abtei übergegangen, welche ihre Herrschaft nach und nach zurückerlangte: 1294 kaufte sie ihre Rechte über das Mistralamt zurück, das die Familie de Bagnes als Lehen der Abtei innegehabt und unberechtigterweise aufgeteilt hatte. 1340 erwarb sie das Weibelamt von den Montheolo, 1341 das Vizedominat von Vollèges durch einen Abtausch mit den Herren von Liddes, 1366 das Vizedominat von Bagnes und 1462 die Güter des Vitztums von Montagnier. Nach der Schlacht auf der Planta (1475) verdrängten die Oberwalliser Zenden den Herzog von Savoyen aus dem Unterwallis. Vermutlich zerstörten sie damals auch die Burg Verbier. Nach diesem Sieg kam es zum Interessenkonflikt zwischen dem Abt von Saint-Maurice und dem Bischof von Sitten: Letzterer wollte seine Rechte über das ganze Wallis zurückerlangen und anerkannte die savoyische Schenkung des Val de Bagnes an die Abtei Saint-Maurice nicht. Es bedurfte zweier päpstlicher Breven, um den Konflikt 1501 zugunsten der Abtei zu lösen.

Der obere Teil des Tals gehörte Adelsfamilien aus dem Aostatal. 1515 kam es zu Raufhändeln zwischen Einwohnern des Val de Bagnes und Leuten aus dem Aostatal um die Alpweide Grand Chermontane. Die Kommissare der sieben Zenden, die in Sembrancher tagten, sprachen die Alp in einem ersten Urteil den Aostatalern zu. Da diese jedoch die Landeshoheit des Bischofs von Sitten nicht anerkannten, beschlagnahmte der Walliser Landrat die Alp zugunsten der Bagnards. Dafür sollten diese den Col de Fenêtre im Kriegsfalle bewachen. 1565 verkaufte die Abtei Saint-Maurice den Talleuten ihre Rechte an den Gemeingütern. Deren Nutzung ermöglichte es der Talschaft, die auf ihr lastenden Abgaben nach und nach abzulösen. 1745 versuchten die Bagnards, diese Ablösung zu beschleunigen und den Abt gewaltsam zum Verzicht auf seine Rechte zu bewegen. Die Oberwalliser griffen jedoch ein, und die Talleute mussten sich fügen. 1798 endete die weltliche Herrschaft des Bischofs über das Val de Bagnes. Auch an die Abtei Saint-Maurice entrichteten die Bagnards letztmals 1798 ihre Abgaben. Eine Konvention bestätigte 1807 das Ende der weltlichen Herrschaft der Abtei über das Val de Bagnes. Seither besitzt sie nur noch das Recht, die Pfarrer in Bagnes und Vollèges zu ernennen.

Der Ende des 19. Jahrhunderts aufkommende Tourismus hat die Wirtschaft des Tals grundlegend verändert. Im ausgehenden 20. Jahrhundert ist die teilzeitlich betriebene Landwirtschaft zur Regel geworden (85% der Betriebe). Die Viehzucht ist zwar kaum noch rentabel, wird aber als Markenzeichen des Tals weiter gepflegt (Kämpfe der Eringerkühe, Raclettekäse). Fionnay zog schon ab 1890 Sommertouristen an, erhielt mit Bruson und Verbier als Fremdenverkehrsziel aber rasch Konkurrenz. Die Médran-Sesselbahn (1950) gab dem Wintertourismus Aufschwung. Seit 1958 liefert die Talsperre von Mauvoisin Elektrizität und verhindert auch die katastrophalen Überschwemmungen, die der Giétrozgletscher in der Vergangenheit bewirkt hatte. Das Tal ist durch eine Bahnlinie mit Martigny verbunden (1910 Martigny-Sembrancher, 1953 Sembrancher-Le Châble).

Quellen und Literatur

  • Courthion, Louis: «Esquisse historique de la vallée et commune de Bagnes en Valais», in: Revue historique vaudoise, 1893, S. 206-215, 274-287, 306-317, 335-350.
  • Bérard, Clément: Bataille pour l'eau. 500 ans d'une lutte sans trêve ni merci, 1963 (20024).
  • Raynauld, Françoy: Formation et évolution d'une élite politique dans une vallée alpestre. Le cas de Bagnes en Valais (Suisse), mémoire de licence, Université de Montréal, 1976.
  • Perrenoud, Arlette: Paroles de bergers. Alpages et mayens du Val de Bagnes, 1992.
  • Perrenoud, Arlette (Hg.): Val de Bagnes. Continuités et mutations, 1997.
Weblinks
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Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1150: Banie

Zitiervorschlag

Jean-Yves Gabbud: "Bagnes, Val de (Region)", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.08.2021, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002675/2021-08-03/, konsultiert am 28.09.2022.