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Fiesch

Politische Gemeinde des Kantons Wallis, Bezirk Goms. Weitläufige Siedlung in einer Senke und an den Hängen beidseits des Weisswassers. 1203 Vios, 1438 Viesch, seit 1905 Fiesch. 1809 415 Einwohner; 1850 245; 1900 467; 1950 517; 2000 996.

1862 Waffenfund aus der Bronzezeit. Die Gerichtsbarkeit lag im 13. und 14. Jahrhundert vorwiegend in der Hand der Familie Blandrate. Fiesch bildete bis 1798 mit Lax einen der neun Viertel des Goms. Fiesch entstand im Spätmittelalter aus den ehemals selbstständigen Vierteln (Quartarien) Fiesch, Uberegga, Spembule (heute Gemeinde Goms), Fuxwiler, Birchwiler und Moos; dazu kam um 1835 die Gemeinde Wiler. Ab dem 14. Jahrhundert wurde die Bewässerung geregelt, 1470 entstand die Bauernzunft (Ordnung) des Viertels Fiesch. Im 16. und 17. Jahrhundert kaufte Fiesch von Privaten den ursprünglich bischöflichen Zehnten zurück. Der sogenannte Zehntenstadel stammt aus den Jahren 1572-1573, das erste Alpreglement von 1592, das zweite von 1594 und die Grenzregelung mit Fieschertal von 1590. Im Mittelalter war Fiesch nach Ernen pfarrgenössig, wurde 1540 Rektorat, besass aber seit damals Pfarreirechte (Begräbnis- und Taufrecht). Eine Johannes dem Täufer geweihte Kirche wird 1342 erwähnt, der heutige Bau stammt von 1883-1884, der Turm teilweise aus dem 14. Jahrhundert, das Pfarrhaus von 1667. Neben der Kirche befand sich einst das Augustinerinnenkloster Gnadenberg (Montis Gratiae), das 1339 in Ernen gegründet, 1343 nach Fiesch verlegt und 1489 aufgehoben wurde. Die Kapelle des heiligen Augustinus besteht in ihrer heutigen Form seit 1771-1772.

Im 17. und 18. Jahrhundert war Fiesch ein Zentrum der Untergommer Malerei. Die Lage als Ausgangspunkt zur Jungfrauregion, die Erstbesteigung des Eggishorns 1840, der Ausbau der Strasse ins Goms (1836 Lax-Fiesch, 1852-1863 Fiesch-Fürgangen) sowie die Einrichtung einer Poststation mit Pferdewechsel 1865 machten das Dorf in der Belle Epoque zu einem Zentrum des Fremdenverkehrs. 1856 wurde das Berghotel Jungfrau am Fuss des Eggishorns begründet, um 1870 entstanden im Dorf selbst die Hotels Des Alpes und Glacier et Poste. Seit 1915 ist Fiesch Station der Furka-Oberalp-Bahn. 1966 wurde die Luftseilbahn nach Kühboden, 1968 die auf das Eggishorn errichtet, 1967-1971 entstand das sogenannte Feriendorf, seit 1970 zudem zahlreiche Ferienchalets am Dorfrand. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts verfügte Fiesch über ein ganzjährig besuchtes Tourismusgebiet (v.a. aber Wintersport) mit 4000 Gästebetten und einem Dutzend Hotels. 2000 waren fast 90% der erwerbstätigen Einwohner im Dienstleistungssektor tätig.

Quellen und Literatur

  • A. Briw, Aus Gesch. und Brauchtum der Pfarrgem. Fiesch, 1961
  • Kdm VS 2, 1979, 348-396
  • Heimattagung Fiesch-Fieschertal in Fiesch, 1981
  • 50 Jahre Verkehrsverein Fiesch-Fieschertal 1938-1988, [1988]
  • A. Grigis, Le Couvent des Augustines du Mont-de- Grâce à Ernen et Fiesch (1339-1489), Liz. Lausanne, 1989
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Philipp Kalbermatter: "Fiesch", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 04.05.2017. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002687/2017-05-04/, konsultiert am 17.08.2022.