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Ulrichen

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Wallis, Bezirk Goms, am Fuss des Nufenen- und des Griespasses, bildet seit 2009 mit Obergesteln und Oberwald die neue Gemeinde Obergoms. 1235 Vlrighingen, 1240 holriquinguen. 1798 36 Einwohner; 1850 247; 1900 233; 1950 248; 2000 221.

Münzfund (Kaiser Gratian) auf dem Nufenenpass. In der historisch umstrittenen Schlacht bei Ulrichen auf dem Gebiet von Obergesteln soll Herzog Berchtold V. von Zähringen im Ringen um die Reichsvogtei über die Grafschaft Wallis gegen Bischof Landrich von Mont 1211 eine Niederlage erlitten haben. Ein Einfall der mit den Herren von Raron verbündeten Berner während des Raronhandels wurde 1419 durch die unter anderem von Thomas In der Bünden angeführten Gommer ebenfalls bei Ulrichen zurückgeschlagen. Vom Mittelalter bis ins 17. Jahrhundert gab es in Ulrichen zahlreiche Streitfälle zur Alpnutzung: 1395 erfolgte ein Urteil im Streit zwischen Ulrichen, Geschinen, Münster und Obergesteln über das Ägenetal, von 1435, 1444 und 1467 sind Auseinandersetzungen zwischen Ulrichen und Obergesteln um die Blasalp überliefert und 1651 fällte der Bischof von Sitten das Schlussurteil über die Alp Ägena. Drei Bauernzünfte datieren von 1545, 1610 und 1651, Ortsstatuten von 1689. Ulrichen gehörte kirchlich zunächst zur Pfarrei Münster. 1720 entstand ein Rektorat, 1868 die eigenständige Pfarrei St. Nikolaus. Die 1878 gebaute Kirche musste bereits 1894 ersetzt werden. Im Weiler Zum Loch stand die 1465 von einer Lawine zerstörte Kapelle St. Anna, die 1683-1686 neu errichtet wurde. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts dominiert in Ulrichen vor allem der Tourismus, der vom Durchgangsverkehr über Furka-, Grimsel- und Nufenenpass sowie von der Matterhorn-Gotthard-Bahn profitiert. In der Zentrale Altstafel verwertet die Kraftwerk Aegina AG das Wasser aus dem 1963-1666 gebauten Stausee Gries. 2000 stellten der 1. und der 2. Sektor je rund 20% der Arbeitsplätze. Bis 1999 befand sich in Ulrichen der im Zweiten Weltkrieg gebaute, höchstgelegene Militärflugplatz der Schweiz. Der Aushub des Rückbaus wurde für den Lawinendamm Geschinen verwendet.

Quellen und Literatur

Zitiervorschlag

Alois Grichting: "Ulrichen", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 05.01.2017. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002701/2017-01-05/, konsultiert am 18.05.2024.