de fr it

Evolène

Politische Gemeinde des Kantons Wallis, Bezirk Hérens. Die Gemeinde wurde 1882 geschaffen, als die Gemeinde Hérens in Evolène und Saint-Martin aufgeteilt wurde. Das sehr grosse Gemeindegebiet von Evolène erstreckt sich vom oberen Teil des Val d'Hérens (Borgne-Fluss) bis zur italienischen Grenze. Es umfasst die Dörfer Evolène, Villa, La Sage, La Forclaz, Les Haudères und Arolla sowie das Vallon de Ferpècle. 1250 Ewelina, 1444 in loco de Evolena. 1850 1040 Einwohner; 1900 1208; 1910 1300; 1950 1315; 2000 1522.

Das Dorf 1926. Fotografie von Pierre Odier (Mediathek Wallis, Martigny).
Das Dorf 1926. Fotografie von Pierre Odier (Mediathek Wallis, Martigny). […]

Felszeichnungen und Schalensteine, Höhlen aus der Jungsteinzeit, der frühen Bronzezeit und der Latènezeit. Im Mittelalter gehörte Hérens den Herren von Bex, Vasallen der Savoyer. Das Gebiet wurde zwischen dem Domkapitel Sitten, der Mistralie Ayent und den Herren von Raron mehrmals getauscht oder verkauft. Im 14. und 15. Jahrhundert liessen sich zahlreiche Familien aus Zermatt in Evolène nieder; 1498 waren zwei Drittel der Einwohner deutschsprachig. Evolène unterhielt enge Beziehungen mit dem Aostatal und hatte aufgrund mehrerer Übereinkommen einen Viehweideplatz in Aosta. 1517 beschloss der Walliser Landrat, den Collonpass aufzugeben, da er dessen Verteidigung als zu schwierig erachtete. Die Einwohner von Hérens wehrten sich dagegen, forderten die Erhaltung der Passstrasse und versprachen, den Übergang selber zu verteidigen. Um 1550 anerkannte Bischof Johannes Jordan die Freiheiten (französisch coutumes) von Evolène und Saint-Martin. Ab dem 16. Jahrhundert kaufte Evolène die Feudalabgaben auf. Im 19. Jahrhundert spürte das Dorf die Folgen der politischen Auseinandersetzungen. So hatte die Gemeinde Hérens in den 1840er Jahren zwei Räte, einen konservativen und einen liberal-radikalen. 1881 wurden die gemeinsamen Güter zwischen Evolène, Saint-Martin und den im folgenden Jahr abgetrennten Gemeinden aufgeteilt. Kirchlich gehörte Evolène bis 1722 zu Saint-Martin, danach wurde es eine eigene Pfarrei. 1445 hatten 101 Familienoberhäupter auf ihre Kosten den Bau einer Kirche veranlasst; die Kapelle (St. Johannes und Theodul) wurde 1448 geweiht. 1849 wurde in La Sage eine Kapelle errichtet; 1850 versorgte ein Chorherr des Grossen St. Bernhard Villa, La Forclaz und La Sage. Bis 1950 lebten die Bewohner Evolènes vor allem von der Berglandwirtschaft (Eringerkühe), doch betrieb die Gemeinde auch Blei- und Kupferminen und baute Serpentinstein ab. Die Eröffnung des Hotels Dent Blanche brachte 1860 den Tourismus in die Region, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Aufschwung erlebte (Ski, Hängegleiter) 1950 verkaufte Evolène seine Wassernutzungsrechte an die Grande Dixence SA. Als traditionsreiche Gemeinde gehört Evolène zu den letzten Orten der Westschweiz, wo noch Dialekt (französisch patois) gesprochen wird.

Quellen und Literatur

  • A. Gaspoz, Monographie d'Evolène, 1950
  • A. Maistre, Simples notes sur Evolène et son passé, 1971
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Bernard Monnet: "Evolène", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 27.03.2006, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002704/2006-03-27/, konsultiert am 03.10.2022.