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Collombey-Muraz

Politische Gemeinde des Kantons Wallis, Bezirk Monthey, am linken Rhoneufer gelegen. Collombey-Muraz besteht aus Collombey-le-Grand, Collombey-le-Petit, Muraz und Illarsaz. 1263 de Columberio, 1283 de Mura. 1850 953 Einwohner; 1900 1103; 1950 1598; 1980 2982; 2000 5695.

Ur- und Frühgeschichte

Auf die frühgeschichtlichen Fundstellen Barmaz I und II stiess man in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beim Abbau von Granit von Findlingen auf den Ausläufern der Spitze der Bellevue (480 m). Erste Spuren entdeckte Hans Boshardt 1900; 1947 und 1955 folgten in Barmaz I und II und bei Le Refuge ausgedehnte Grabungen (Marc-Rodolphe Sauter).

1991 wurden die Grabungen (Matthieu Honegger) in Barmaz I wieder aufgenommen. Die vollständigste archäologische Schichtenfolge aus dem nacheiszeitlichen Holozän – sie ist 2,3 m dick – liegt hier über dem Moränenschutt des ehemaligen Rhonegletschers. Die älteste der sechs aufeinander folgenden Siedlungsschichten stammt aus dem Jungneolithikum I (4300-3800 v.Chr.). Sie besteht aus 40 Gräbern, zum Grossteil nur einmal benützte Steinkisten, in denen die Toten in Hockstellung begraben wurden. Die vereinzelten Keramikfunde ermöglichen es, Barmaz I der Cortaillodkultur (frühes Chasséen-Cortaillod) zuzuordnen. Über diesen Gräbern liegt eine Siedlungsschicht aus dem Jungneolithikum II (3600-3100 v.Chr.), deren Keramik typisch für die letzten Ausläufer der Cortaillodkultur ist, und eine aus dem Endneolithikum (3000-2700 v.Chr.). Die Keramik, die in dieser Schicht gefunden wurde, stammt aus der gleichen Zeit wie die Lüscherzkultur (2900-2700 v.Chr.) und weist mit ihren Bandschnuren und horizontalen Kanellierungen südliche Einflüsse auf. Darüber finden sich 15 Erdgräber aus der ausgehenden Frühbronzezeit. Die Toten wurden ausgestreckt begraben, wahrscheinlich in Holzkisten. Einige Spuren aus der Mittelbronzezeit und eine Siedlung der Spätbronzezeit schliessen die Schichtenfolge ab.

Bei Le Refuge haben einige Probegrabungen oberhalb des Sattels Funde aus der Spätbronzezeit (um 900 v.Chr.) zu Tage gefördert. Im 170 m entfernt liegenden Barmaz II wurden 20 Gräber aus dem Jungneolithikum I gefunden. Die Toten hockten in nur einmal benützten Steinkisten. Barmaz I und II sind die grössten bisher im Wallis gefundenen Nekropolen der Cortaillodkultur.

Von der Römerzeit bis zum 20. Jahrhundert

1972 wurde unter der Kirche von Muraz ein römischer Gutshof mit Fresken ausgegraben; am gleichen Ort fanden sich kleine Grab-cella, bei der darüber gebauten Kirche frühmittelalterliche Gräber. Im Mittelalter gehörte Collombey-Muraz vielleicht der Abtei Savigny bei Lyon, 1040 war es im Besitz des Priorats Lutry, 1236 fiel es an die Abtei Saint-Maurice. Collombey-Muraz war Teil der savoyischen Kastlanei Monthey. Nach der Eroberung des Chablais durch die Landschaft Wallis 1536 gehörte Collombey-Muraz zur Landvogtei, seit 1798 zum Bezirk Monthey. 1551 teilte man die Kastlanei Monthey, die Güter blieben jedoch bis 1788 ungeteilt. Die Bürgergemeinde wurde 1787 gegründet. 1868 reichte Collombey-Muraz eine – erst 1938 erfolgreiche – Klage gegen Monthey ein, um die Gerichtshoheit über die auf Gemeindegebiet liegenden Exklaven Montheys zu erlangen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde in Illarsaz ein Internierungslager eingerichtet.

Die Pfarrei Collombey-Muraz besass Tochterkirchen in Monthey und Troistorrents, das in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine eigene Pfarrei wurde. 1708 verlegte man das Zentrum der Pfarrei nach Monthey, 1723 wurde in Collombey-Muraz eine neue Pfarrei gegründet. Die alte, dem heiligen Desiderius geweihte Kirche wurde 1873-1874 durch einen Neubau ersetzt. Muraz war seit dem 10. und 11. Jahrhundert eine eigene Pfarrei (vorher hing es vielleicht von Vionnaz ab) und gehörte zur Mensa des Bischofs von Sitten. Seit 1647 findet sich in Collombey-Muraz ein Bernhardinerinnen-Kloster (Collombey). 1850 wurde eine Hängebrücke gebaut, 1854 die Rhone eingedämmt. Zwischen 1939 und 1945 wurden im Gefolge des Plans Wahlen die letzten Brachflächen urbar gemacht. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts baute man Findlinge und Kalkstein von Collombey-Muraz – Marmor von Collombey-Muraz genannt – ab. Dank der Errichtung einer Ölraffinerie 1961 blieb ein Grossteil der Bevölkerung im industriellen Sektor beschäftigt (2000 fast die Hälfte). Ihre starke Zunahme zwischen 1980 und 2000 hatte die Einführung neuer Schulklassen zur Folge.

Quellen und Literatur

  • A. Gallay, «Collombey-Muraz, Barmaz I et II», in Le Valais avant l'histoire, Ausstellungskat., Sitten, 1986, 184-191
  • M. Parvex, Collombey-Muraz, 1988
Von der Redaktion ergänzt
  • Elsig, Patrick: Le district de Monthey, 2015, S. 160-249 (Les monuments d’art et d’histoire du canton du Valais, 7).
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Alain Gallay; Bernard Monnet: "Collombey-Muraz", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.08.2005, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002739/2005-08-03/, konsultiert am 28.01.2023.