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Peseux

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Neuenburg, Region Littoral, 2021 mit Corcelles-Cormondrèche und Valangin in Neuenburg eingemeindet. Das Dorf Peseux liegt westlich von Neuenburg an der Strasse ins Val-de-Travers; das ehemalige Gemeindegebiet ist zu zwei Dritteln (264 ha) mit Wald bedeckt, der sich bis zum unteren Ende des Val-de-Ruz erstreckt. 1195 apud Pusoz (Kopie 15. Jh.), 1278 de Posoys. 1750 429 Einwohner; 1850 611; 1900 1344; 1950 3338; 2000 5387; 2010 5719; 2020 5794.

Peseux: Situationskarte 2020 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2021 HLS.
Peseux: Situationskarte 2020 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2021 HLS.

Ein paar Tumuli (Nekropolen) aus der Hallstattzeit im Wald sind die ersten Zeugen prähistorischer Besiedlung. Ab 1195 wurde Peseux einige Male erwähnt, etwa als die Schenkungen von dort gelegenen Gütern an die Stiftskirche von Neuenburg bestätigt wurden. 1357 erhielt die Dorfgenossenschaft von Graf Ludwig von Neuenburg wichtige Rechte über den benachbarten Wald, der lange die Quelle ihres Wohlstands bildete. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts gewann das Dorf, dessen Güter und Rechte sich zwischen 1510 und 1525 vermehrten, eine gewisse Bedeutung. Trotz des Wassermangels eignete sich die Gegend um Peseux für Landwirtschaft und Rebbau. Vom Mittelalter bis 1848 gehörte der Ort zur Mairie La Côte, anschliessend bis 2017 zum Bezirk Boudry. Kirchlich war Peseux Teil der Pfarrei Serrières, bevor es 1882 zu einer selbstständigen Kirchgemeinde wurde. Nach dem Bau eines ersten reformierten Gotteshauses 1550 wurde die heutige Kirche 1627-1635 errichtet, 1871-1872 vollständig erneuert, 1899 und 1959 umgebaut sowie 1933 und 1939 mit Fenstern von Charles L'Eplattenier versehen. 1873 erbaute Léo Châtelain eine Kapelle für die Herrnhuter Brüdergemeine. Die katholische Kirche Notre-Dame-de-Compassion wurde 1954 geweiht. Um 1538/1539 liess der Staatsrat Jean Merveilleux ein grosses Bauwerk, Château genannt, errichten (1574-1578 erweitert, 2003 restauriert). Er beteiligte sich 1560 auch an der Finanzierung der Schule. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts blieb die Dorfgenossenschaft, der zum grossen Teil Bürger von Neuenburg angehörten, dem Ancien Régime verbunden. 1856 war Peseux Schauplatz von Zusammenstössen zwischen Royalisten und republiktreuen Einheiten (Républicains). Nach 1848 erlebte der Ort einen kontinuierlichen Aufschwung. 1888 wurde die Gemeinde an die Neuenburger Wasserversorgung angeschlossen, 1900 die Gasfabrik errichtet und 1901 die Tramverbindung nach Neuenburg gebaut (ab 1976 Trolleybus). Der Nachlass des Gerichtsschreibers Jean-Adolphe Fornachon ermöglichte 1894 die Ausführung öffentlicher Bauvorhaben. Zahlreiche Villen entstanden und Industriebetriebe wie die Borel SA (Industrieöfen, 1928-1993) siedelten sich an. 1873 wurde das evangelische Lehrerseminar von Grandchamp nach Peseux verlegt (1907 geschlossen). Der Ort beherbergt mit dem Schulzentrum von La Côte (Collège des Coteaux, 1966 eröffnet, 1996 und 2004 erweitert) auch eines der fünf kantonalen Mittelschulzentren. 1974 wurde in der Gemeinde das erste Einkaufszentrum des Kantons eröffnet. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts war mit Ausnahme einiger Rebparzellen fast die gesamte landwirtschaftliche Fläche überbaut und Peseux zur Wohngemeinde geworden. 2007 lehnte das Stimmvolk ein erstes Fusionsprojekt mit Corcelles-Cormondrèche ab.

Quellen und Literatur

  • Bujard, Jacques et al.: Peseux au fil des ans, 2004.
Von der Redaktion ergänzt
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1195: apud Pusoz
1278: de Posoys

Zitiervorschlag

Germain Hausmann: "Peseux", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 28.10.2021, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002834/2021-10-28/, konsultiert am 28.09.2022.