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Cartigny

Das sogenannte Schloss in Cartigny. Fotografie, um 1980 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).
Das sogenannte Schloss in Cartigny. Fotografie, um 1980 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann). […]

Politische Gemeinde im Kanton Genf, im Mittelpunkt der Champagne. Die ländliche Gemeinde mit konzentrierten Wohnsiedlungen (Anfang des 21. Jh. ca. 60% Einfamilienhäuser) umfasst die Dörfer Cartigny und La Petite Grave. 1220 Cartiniacum, Quartinie. 1850 497 Einwohner; 1900 385; 1930 325; 1950 398; 2000 748.

Spuren aus der Römerzeit. Cartigny gehörte im Mittelalter den Grafen von Genf, die ihre Rechte als Sicherheit für finanzielle Vorteile nach und nach dem Priorat Saint-Victor abtraten. Das Priorat besass nördlich von Cartigny an einem oberhalb der Rhone gelegenen Ort namens Les Roches eine bereits 1351 erwähnte Burg, die als Le Châtelard bekannt war. Diese diente dem Kastlan als Residenz und Gefängnis und den Prioren als Nebenwohnsitz. 1528 wurde sie von den Truppen des Herzogs von Savoyen, Karls III., der mit Prior François Bonivard im Streit lag, eingenommen. Nach der Befreiung Genfs durch Berner Truppen 1536 anerkannten die Behörden von Cartigny, Untertanen Genfs zu sein. Laut Beschluss des Genfer Rates der Zweihundert vom 5. April 1536 mussten die Bewohner von Cartigny zum reformierten Glauben übertreten. Von da an teilte Cartigny bis 1754 das Schicksal der anderen Besitzungen von Saint-Victor. Die Verfassung von 1794 machte aus Cartigny einen Bezirk des Arrondissements Genf Süd; seit dem französischen Gesetz vom 17. Februar 1800 ist Cartigny eine Gemeinde. Kirchlich bildete Cartigny mit Chancy und Valleiry eine Pfarrei, ab 1598 mit Avully und Onex und ab 1716 nur noch mit Avully. Seit 1838 ist jede dieser Gemeinden eine eigenständige Pfarrei. Die früher dem heiligen Georg geweihte, 1412 erstmals belegte Kirche wurde 1772 völlig umgestaltet. Ab dem 17. Jahrhundert erwarben die Genfer Bürgerfamilien Bordier und Duval Güter in unmittelbarer Nähe des Dorfes. 1757 liess Charles Pictet, der Vater von Charles Pictet-de Rochemont, das als Schloss bezeichnete Landhaus errichten, das heute die Vereinigung Der Engel des Herrn beherbergt. In einem anderen Haus ist das Begegnungszentrum der reformierten Landeskirche untergebracht. Philippe Monnier verewigte Cartigny in seinem Buch "Mon Village" (1909). Die Mühle (Moulin de Vert) in der alten Rhoneschlaufe besteht seit 1939 nicht mehr; 1970 wurde dort ein Naturschutzgebiet geschaffen. Alte Volksfeste sind in Cartigny immer noch lebendig. Am ersten Sonntag im Mai wird der Feuillu gefeiert, dem jeweils der alte, mit dem heidnischen Wasserkult verbundene Brauch der Brunnenreinigung vorangeht.

Quellen und Literatur

  • J. Martin, Histoire et traditions de Cartigny, 1946
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Catherine Santschi: "Cartigny", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 28.06.2005, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002891/2005-06-28/, konsultiert am 28.11.2022.