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Corsier (GE)

Politische Gemeinde des Kantons Genf, am Südufer des Genfersees. 1816-1858 bildete Corsier mit Anières eine Gemeinde. 1297 Corsiacum. 1850 (mit Anières) 607 Einwohner; 1860 276; 1900 355; 1930 309; 1950 363; 1970 948; 2000 1682; 2010 1811.

Corsier: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.
Corsier: Situationskarte 2018 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2019 HLS.

Die grosse archäologische Zone Corsier-Port, bekannt seit 1858, gehört zu den 56 Ufersiedlungen der Schweiz, die im Unesco-Welterbe Aufnahme fanden. Es ist die einzige Fundstelle am Genferseeufer, die Reste von Pfahlbauten aus allen prähistorischen Epochen aufweist. Zudem kam in der Nähe der Kirche ein römischer Gutshof zum Vorschein.

Im 13. Jahrhundert wird Corsier erstmals erwähnt, als die Edlen von Compey, Vasallen der Faucigny, ihre Rechte dem Grafen von Genf abtraten. Im 14. Jahrhundert unterstand die ganze Region dem Haus Savoyen (Vogtei Chablais). Die Berner, die das Gebiet von 1536 bis 1564 bzw. 1567 besetzt hielten, gaben es dem Herzog von Savoyen zurück. Genfer Bürger, die Rechte des Domkapitels geerbt hatten, liessen Güter in Corsier bewirtschaften. Unter französischer Herrschaft gehörte die Gemeinde zum Departement Mont-Blanc, dann zum Departement Léman. Zusammengefasst zu einer Gemeinde kamen Corsier und Anières aufgrund des Turiner Vertrags 1816 zum neuen Kanton Genf. Die schlechte Finanzlage aufgrund mangelnder Einkünfte und hoher Ausgaben verursachte Konflikte zwischen den beiden Dörfern, die 1858 zur Trennung führten. Die 1323 erwähnte Pfarrei war vom Bischof von Genf, dann vom Kapitel abhängig. Die Kirche Saint-Jean-Baptiste, die auf römischen Fundamenten steht, weist einen rechteckigen Chor aus dem 13. oder einsetzenden 14. Jahrhundert, eine halbrunde Apsis und einen Kirchturm mit Vorhalle auf; sie wurde 1970 und 1983 restauriert. Bern führte 1536 die Reformation ein, nach der Rückgabe des Gebiets an die Savoyer wandten sich die Dorfbewohner wieder dem katholischen Glauben zu. Ende des 16. Jahrhunderts wurde die Pfarrei Anières jener von Corsier angegliedert. 1595-1601 amtierte hier der später heilig gesprochene Franz von Sales als Pfarrer. Die Adelsfamilie de Corsier, die nach 1428 erlosch, besass ein festes Haus; wahrscheinlich am gleichen Ort wurde in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts das neue Schloss erbaut, das letztmals 1972 renoviert wurde. Im 19. Jahrhundert beherbergte es eine Brauerei. 1853-1876 führten die Genfer Truppen in Corsier ihre Manöver durch, und am Ort wurde auch die kantonale Pulverfabrik betrieben. Dank seiner Nähe zur Stadt Genf und der 1901 erbauten Tramlinie Vésenaz-Hermance, die später durch eine Buslinie ersetzt wurde, wuchs die Bevölkerung Corsiers ab 1960 stetig an. Die Gemeinde hat trotz der Errichtung zahlreicher Einfamilienhäuser und einer grossflächigen Überbauung 1971 ihren ländlichen Charakter bewahrt; 1986 lehnte die Stimmbevölkerung ein Hafenprojekt und die Auszonung von Bauland ab.

Quellen und Literatur

  • A. Bayer, L'histore de la paroisse de C.-Anières, 1980 (19872)
  • P. Corboud, V. Seppey, «Les stations littorales préhistoriques du Petit-Lac et la céramique Néolithique moyen de C.-Port GE», in ArS 14, 1991, 181-189
  • A. Brulhart, E. Deuber-Pauli, Ville et canton de Genève, 1985 (19932)
Weblinks
Normdateien
GND
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1297: Corsiacum