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Vernier

Planausschnitt der Gegend zwischen Aïre und Peney mit den Haushalten (feu), datiert 1749-1751 (Archives d'Etat de Genève, P. H. 4765 bis).
Planausschnitt der Gegend zwischen Aïre und Peney mit den Haushalten (feu), datiert 1749-1751 (Archives d'Etat de Genève, P. H. 4765 bis). […]

Politische Gemeinde des Kantons Genf, die am rechten Rhoneufer liegt und neben Vernier die Siedlungen Châtelaine, Aïre, Le Lignon, Les Avanchets, Les Libellules sowie Balexert umfasst. 1209 Verneyer. 1816 566 Einwohner; 1850 767; 1900 1280; 1950 3906; 1960 8045; 1970 22'230; 2000 29'559.

In Aïre entdeckte man bronzezeitliche Äxte und Ringe, entlang der alten Römerstrasse Genf-Lyon verschiedene Objekte, andernorts Platten- und Erdgräber aus der Zeit nach dem 5. Jahrhundert. Im Mittelalter war das heutige Gemeindegebiet in rund 20 Lehen aufgeteilt, darunter das bedeutendste, 1308 erwähnte Lehen Verny in Vernier und Poussy sowie jenes im Besitz der Familie Lévrier in Balexert und Le Lignon. Zudem besassen das Genfer Kapitel, das Kloster Saint-Jean und der Bischof von Genf Rechte in Vernier. Die Bourgeois, Vasallen der Herren von Gex, wurde 1410 Herren von Verny und errichteten in Poussy ein Schloss. Dieses wurde 1590 zerstört und 1680 neu aufgebaut. Im Ancien Régime folgten den Bourgeois als Herren von Verny 1611 die Sacconex, 1630 die Sauvage und 1781 die Gallatin. Mit dem Pays de Gex fiel Vernier 1536 an die Berner (bis 1567) und 1601 an Frankreich. 1792-1798 war Vernier Teil des Departements Ain, 1798-1813 des Departements Léman. 1815 gehörte Vernier zu den sogenannten Communes réunies, die Frankreich der Schweiz abtrat.

Das Zentrum der Pfarrei Vernier, die vom Priorat Saint-Jean in Genf und während der Visitation der Kirche 1481 von der Abtei Saint-Claude abhing, lag in Poussy (1153 Possiniaco), wo die dem heiligen Jakobus geweihte Pfarrkirche stand. Aïre und Châtelaine gehörten zur Pfarrei Saint-Gervais. Nach der Einführung der Reformation 1538 war Vernier nach Meyrin, dann nach Le Grand-Saconnex und schliesslich bis 1685 nach Ferney kirchgenössig. Verniers Katholiken wurden 1601 der Pfarrei Le Grand-Saconnex zugeschlagen, bis Vernier ab 1687 wieder eine selbstständige Pfarrei bildete. 1844 wurde die katholische Pfarrkirche Saint-Jacques durch den Neubau Saints-Jacques-et-Philippe ersetzt. Ab 1819 fanden auch wieder reformierte Gottesdienste statt und 1837 wurde eine neue reformierte Kirche errichtet; ihr Vorgängerbau war 1662 zerstört worden. Vernier und Meyrin unterstanden Satigny, bis Vernier-Meyrin 1909 selbstständige Kirchgemeinde wurde. 1945 wurde sie in die zwei Gemeinden Vernier-Meyrin und Châtelaine-Aïre-Cointrin aufgeteilt, bevor später jede dieser Ortschaften eine eigene Kirchgemeinde erhielt. Im Mittelalter lag der Friedhof der Genfer Juden in Châtelaine.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die Einwohner Verniers von der Land- und Forstwirtschaft (Bois des Frères und Bois de la Grille) und dem Weinbau. Daneben wurden Molassesteinbrüche ausgebeutet, und reiche Genfer Familien wie die Pictet oder Diodati besassen hier ihre Landgüter. Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Lyon-Genf 1858 begann die beachtliche Industrialisierung Verniers: 1896 entstand in Chèvres das erste Laufwasserkraftwerk Europas. 1914 folgte ein Gaswerk mit Bahnanbindung, 1966 eine Fernheizanlage, die verschiedene Quartiere mit Wärme belieferte, 1979 eine Versuchsanstalt zur Nutzung der Solarenergie (Projekt Solarcad). Andererseits wurden die Mühlen und Inseln von Aïre, wo Goldwäscher ihr Glück suchten, durch die Anhebung des Rhone-Wasserspiegels überflutet. In Vernier befinden sich unter anderem die Firmensitze von Givaudan, eine kantonale Kläranlage in Aïre, Brennstofflager, eine Mineralölverteilzentrale mit einer Pipeline zum französischen Hafen Lavéra am Etang de Berre (Provence), Zementfabriken sowie ein Verwaltungskomplex der Industriellen Betriebe. In den 1960er Jahren setzte eine starke Verstädterung durch zum Teil subventionierte Grossüberbauungen mit Mietwohnungen ein, so 1961 in Balexert und Les Avanchets sowie 1963 in Le Lignon. Diese Entwicklung ging mit erheblichen Investitionen in die Infrastruktur – Schulen, Kommunikations-, Energie- und Strassennetz, öffentlicher Verkehr, Abfallentsorgung, soziale Einrichtungen und Sportanlagen – einher.

Quellen und Literatur

  • H. Golay, Recherches historiques sur Vernier et le pays de Gex, 1931
  • P. Pittard, Profil de Vernier, 1975
  • A. Brulhart, E. Deuber-Pauli, Ville et canton de Genève, 1985, 351-358 (21993)
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Pierre Pittard: "Vernier", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 03.01.2015, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002925/2015-01-03/, konsultiert am 11.08.2022.