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Saignelégier

Politische Gemeinde des Kantons Jura, Hauptort des Bezirks Freiberge. Saignelégier, zu dem mehrere Weiler und abgelegene Höfe gehören, fusionierte 2009 mit Les Pommerats und Goumois zur neuen Gemeinde Saignelégier, die sich vom Ufer des Doubs bis zum Etang de la Gruère erstreckt. Das auf dem Hochplateau der Freiberge gelegene Dorf Saignelégier entwickelte sich am Kreuzungspunkt der Strassen von Delsberg, Tramelan, La Chaux-de-Fonds und Frankreich (über Goumois). 1294 Saignelegier, deutsch früher Sankt Leodegar. 1770 507 Einwohner; 1818 536; 1850 754; 1870 1012; 1900 1410; 1950 1489; 2000 2145; 2009 2527; 2010 2500.

Saignelégier: Situationskarte 2020 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2020 HLS.
Saignelégier: Situationskarte 2020 (Geodaten: Bundesamt für Statistik, Swisstopo, OpenStreetMap) © 2020 HLS.

Das bereits im Mittelalter zum Fürstbistum Basel gehörige Saignelégier war ab 1691 Sitz des Vogts der Freiberge und von Saint-Ursanne. Das Ende des 17. Jahrhunderts errichtete Schloss des fürstbischöflichen Vogts wurde später zum Sitz der Präfektur der Freiberge. Unter französischer Herrschaft 1793-1813 war Saignelégier Kantonshauptort des Departements Mont-Terrible, dann des Departements Haut-Rhin. 1815 kam der Ort an den Kanton Bern, wo er bis zur Gründung des Kantons Jura 1978 verblieb. Vom 15. Jahrhundert an gewann Saignelégier an Bedeutung. Eine Kapelle wurde errichtet, ab 1428 fanden Jahrmärkte statt und der Pfarrer von Montfaucon, der Mutterpfarrei der Freiberge, residierte hier. 1629 wurde Saignelégier zur Pfarrei erhoben, zu der auch Le Bémont und Muriaux gehörten. Die reformierte Kirche wurde 1913 eingeweiht und die neubarocke Kirche Notre-Dame-de-l'Assomption 1927-1928 durch einen Neubau ersetzt. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist Saignelégier eine gemischte Gemeinde. Mit dem Aufkommen der Uhrmacherei im 19. Jahrhundert und der Eröffnung der Bahnlinien 1892 nach La Chaux-de-Fonds und 1904 nach Glovelier siedelten sich Industrie und handwerkliche Betriebe an. 2007 wurde die Industriezone vergrössert. Das 1851 gegründete und 1864 sowie 1881 umgebaute Spital Saint-Joseph ist seit 2003 Teil des Verbunds Hôpital du Jura, dem noch drei weitere Krankenhäuser angehören. Seit 1878 verfügt die Gemeinde über eine Sekundarschule. Die Druckerei der Regionalzeitung Le Franc-Montagnard wurde 1898 ins Leben gerufen. 1979 siedelten sich zwei kantonale Ämter an, ausserdem ist Saignelégier eines der touristischen Zentren des Kantons (Tourismus) und Verwaltungssitz von Jura Tourisme. Hauptsächlich der seit 1897 stattfindende Marché-Concours national de chevaux zieht jährlich Zehntausende von Zuschauern an, aber auch das seit 1985 bestehende Freizeitzentrum der Freiberge, die Naturschutzgebiete des Etang de la Gruère und des Etang des Royes sowie das 1992 eröffnete Naturschutzzentrum Les Cerlatez sind Publikumsmagneten. 2005 stellte der zweite Sektor 35% und der dritte Sektor 61% der Arbeitsplätze. 61% der Erwerbstätigen waren Zupendler.

Saignelégier: Pferdemarkt und -rennen. Schweizer Filmwochenschau, Ausgabe Nr. 3 vom 15. August 1940 (Schweizerisches Bundesarchiv, J2.143#1996/386#3-1#3*) © Cinémathèque suisse, Lausanne und Schweizerisches Bundesarchiv, Bern.
Saignelégier: Pferdemarkt und -rennen. Schweizer Filmwochenschau, Ausgabe Nr. 3 vom 15. August 1940 (Schweizerisches Bundesarchiv, J2.143#1996/386#3-1#3*) © Cinémathèque suisse, Lausanne und Schweizerisches Bundesarchiv, Bern. […]

Quellen und Literatur

  • Rebetez, Claude: Saignelégier à l'heure du Kulturkampf (1864-1879), Lizenziatsarbeit, Universität Neuenburg, 1980.
  • Simon, Paul: Saignelégier au temps des Princes-Evêques ou «la vie quotidienne dans une communauté rurale des Franches-Montagnes à la fin du dix-huitième siècle», 1986.
  • Prongué, Jean-Paul: La Franche Montagne de Muriaux à la fin du Moyen Age, 2000.
  • Wermeille, Jean-Luc: Société et parenté à Saignelégier au 19e siècle. Démographie d'une paroisse franc-montagnarde, Lizenziatsarbeit, Universität Freiburg, 2000.
  • Julen, Caroline: Le Marché-Concours national de Saignelégier. Vitrine de l'élevage chevalin suisse et miroir de l'identité jurassienne (1897-1980), Lizenziatsarbeit, Universität Freiburg, 2005.
Kurzinformationen
Ersterwähnung(en)
1294: Saignelegier
Endonyme/Exonyme
Sankt Leodegar (deutsch nicht mehr gebräuchlich)

Zitiervorschlag

Kohler, François: "Saignelégier", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 11.12.2020, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/002971/2020-12-11/, konsultiert am 22.01.2021.