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Affoltern bei Zürich

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Dielsdorf, seit 1934 eingemeindeter Vorort der politischen Gemeinde Zürich. Das Dorf besteht aus den Fraktionen Ober- und Unter-Affoltern. 870 Affaltrahe. 1634 208 Einwohner; 1792 466; 1850 786; 1900 1424; 1930 2570; 1950 6741; 1980 17'907; 1990 18'084.

Belegt sind verschiedene Altfunde aus römischer und frühmittelalterlicher Zeit. Nach der Abtei St. Gallen im 9. Jahrhundert sind in Affoltern nach 1200 vor allem die Freiherren von Regensberg, das Fraumünster und das Grossmünster in Zürich, die Klöster Einsiedeln, St. Blasien (Schwarzwald), Wettingen und Selnau als weltliche und geistliche Grundherren nachgewiesen. Vom 13. Jahrhundert an traten vermehrt Stadtzürcher Familien als Leheninhaber in Erscheinung. Affoltern gehörte zu der ab 1468 zürcherischen Herrschaft Alt-Regensberg (bis 1798 Obervogtei Regensdorf), kirchlich bis 1664 zur Grosspfarrei Höngg. Nach vorübergehender Zuteilung zum Grossmünster erstellte die Gemeinde 1683 ein eigenes Gotteshaus und wurde selbständige Pfarrei. Die Kollatur lag beim Zürcher Rat. Eine katholische Kirche erhielt die Gemeinde 1928, eine katholische Pfarrei 1933. Einzugsbriefe von 1584 und 1626 regelten die Abschliessung der Dorfgemeinde gegenüber armen Zuzügern. Holznutzungsordnungen schränkten in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Übernutzung des Waldes ein. Als Gemeindebehörde amtete bis 1798 ein Viererkollegium, angeführt vom Seckelmeister, der vom Obervogt gewählt wurde. Die Gemeindeversammlung hatte ein Vorschlagsrecht. Die textile Heimindustrie war in Affoltern verbreitet. 1787 wurden 84 Baumwollspinner gezählt, d.h. 18% der Bevölkerung; für das Zürcher Unterland ein überdurchschnittlicher Wert. Mit der Industrialisierung, begünstigt durch die Nähe zu den Zentren Zürich und Oerlikon, verlor Affoltern allmählich den bäuerlichen Charakter. Bereits 1836 wurden je 80 Bauern und Fabrikarbeiter gezählt. Nach 1900 geriet Affoltern an den Rand des finanziellen Kollapses. Nach harten Auseinandersetzungen leistete der Kanton 1914 zwar Hilfe, griff aber in die Finanzautonomie der Gemeinde ein. Der Grund für die Krise lag in der ungleichen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung: Vorerst siedelten sich in Affoltern keine namhaften Industriebetriebe an, und Arbeiter, welche nach Oerlikon und Zürich pendelten, stellten den grössten Teil der Zuzüger. 1910 arbeiteten 56% der Erwerbstätigen ausserhalb der Gemeinde. Eine Schere öffnete sich zwischen den wachsenden Infrastrukturausgaben und den Steuereinnahmen. Einen Ausgleich brachte 1934 die Eingemeindung in die Stadt Zürich. Bereits 1877 hatte Affoltern Anschluss an die Nationalbahnlinie Winterthur-Baden erhalten. Ein 1910 eröffneter privater Autobusbetrieb nach Zürich ging 1931 an die städtischen Verkehrsbetriebe. Seit 1943 besteht die Eidgenössische Forschungsanstalt für landwirtschaftlichen Pflanzenbau Zürich-Reckenholz (FAP). In den 1960er Jahren setzte eine bis heute fortdauernde Bautätigkeit ein, dennoch stagniert seit 1980 die Bevölkerungszahl. Ober- und Unter-Affoltern haben sich mit der um 1900 entstandenen Kolonie Neu-Affoltern zur geschlossenen Siedlungsfläche verdichtet. Der periphere Grüngürtel gegen das Naturschutzgebiet Katzensee wird von der Nordumfahrung Zürich (A20) durchschnitten. Den Charakter eines Wohnquartiers mit geringer Arbeitsplatzdichte hat Affoltern am Albis behalten (1990 92% Wegpendler in andere Quartiere oder Gemeinden).

Quellen und Literatur

  • W. Akeret, «Die zweite Zürcher Eingemeindung von 1934», in TA Mgz. 10, 1977, 15-21
  • E. Spillmann, Zürich-Affoltern, 21979
  • B. Haas et al., Hundert Jahre Gross-Zürich, 1994, 44-55
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Martin Illi: "Affoltern bei Zürich", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 23.06.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/003114/2009-06-23/, konsultiert am 14.08.2022.