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Aussersihl

1893 in die Stadt Zürich eingemeindeter Vorort, vormals politische Gemeinde des Kantons Zürich, Bezirk Zürich. Diese war 1787 von Wiedikon abgetrennt worden und umfasste das westlich von Sihl und Limmat gelegene Schwemmland der heutigen Stadtkreise 4 und 5 sowie bis 1852 einige Einzelhöfe am Üetliberghang. 1787 Ausser-Sihl-Gemeind. 1787 558 Einwohner; 1836 1448; 1860 2597; 1888 19'767; 1894 (ehemaliges Gemeindegebiet) 30'248; 1910 52'089; 1941 60'165; 1995 39'289.

Im 18. Jahrhundert befanden sich im Sihlfeld städtische Allmenden und Wiedikoner Ackerzelgen, durchquert von der Badener Landstrasse, die über die Sihlbrücke nach Zürich führte. Der dorfähnliche Brückenkopf St. Jakob sowie Häusergruppen im Kräuel und im Hard waren vor allem von Ansassen bewohnt. Diese forderten 1784 nach Nutzungszwisten mit der Bürgerschaft Wiedikons die Bildung einer eigenen Gemeinde, was die Zürcher Regierung 1787 bewilligte. Bis 1798 war Aussersihl der Obervogtei Wiedikon zugeteilt. Kirchlich gehörte es zur Stadtkirche St. Peter. Die 1221 erwähnte St.-Jakobs-Kapelle bei der Sihlbrücke entstand im Zusammenhang mit dem Siechenhaus (ab 1677 Pfrundanstalt für alte Leute). 1883 bildete sich die selbstständige reformierte Kirchgemeinde Aussersihl, von der 1928 das Industriequartier abgetrennt wurde. Reformierte Kirchenbauten: 1844 Bethaus (1901 abgerissen), 1899 Johanneskirche im Industriequartier, 1901 St. Jakobskirche, 1925 Bullingerkirche. Katholische Kirchenbauten: 1874 St.-Peter-und-Paul (erster katholischer Kirchenbau bei Zürich), 1914 St. Josef im Industriequartier, 1950 St.-Felix-und-Regula.

Nach dem Abbau der Schanzen (1833-1842) bildete sich durch die Zuwanderung von Handwerkern, Kleinhändlern und Arbeitern die "Sihlvorstadt". 1860-1880 wurde das Sihlfeld offen bebaut, danach folgten spekulative Renditebauten im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Aufschwung Zürichs. Die 1847 eröffnete Bahnlinie Zürich-Baden trennte Aussersihl in zwei Teile, die wiederum durch die Strecken nach Oerlikon (1856) und nach Horgen (1875) zerschnitten wurden. Nach einzelnen Gewerbebetrieben (1785 Kattun-Druckerei Esslinger, um 1855 Werkzeugschlosserei Reishauer) entstand nach 1870 zwischen der Limmat und dem Bahnstrang das von der Stadt geförderte Industriequartier mit namhaften Unternehmen (z.B. 1890-1894 Escher, Wyss & Cie) und weiteren Wohnbauten. Industrie, Bahnwerkstätten, die kantonale Kaserne (1875) und zahlreiche städtische Infrastrukturanlagen brachten Verdienst, aber auch Immissionen in das typische Arbeiterviertel. Nach 1860 erlebte Aussersihl einen explosionsartigen Bevölkerungsanstieg, der es bis zum Zeitpunkt der Eingemeindung zur einwohnerreichsten Gemeinde des Kantons werden liess, mit grossen sozialen Problemen und ruinierten Finanzen. 1885 forderte Aussersihl die Vereinigung mit der Stadt, die 1891 in Aussersihl mit 99% Ja-Stimmen Zustimmung fand. Nach der Eingemeindung entstanden geschlossene Blockrandüberbauungen. 1907 setzte der kommunale, 1923 der genossenschaftliche Wohnungsbau ein. Starke Belastungen und die Verdrängung von Wohnraum durch Geschäftshäuser und die Vergnügungsindustrie führten seit den 1960er Jahren zur Abwanderung von Schweizer Familien und zu einem hohen Ausländeranteil (1995 47% in den Kreisen 4 und 5).

Quellen und Literatur

  • Zürcher Quartierchronik, hg. von E. Hermann, 1952, 99-127, 307-336
  • H.-P. Bärtschi, Industrialisierung, Eisenbahnschlachten und Städtebau, 1983
  • Hundert Jahre Gross-Zürich, Ausstellungskat. Zürich, 1993, 42-59
Von der Redaktion ergänzt
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GND

Zitiervorschlag

Ueli Müller: "Aussersihl", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 01.09.2009. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/003115/2009-09-01/, konsultiert am 28.05.2024.