de fr it

Höngg

Ehemalige politische Gemeinde des Kantons Zürich, mit dem alten Dorf bei der Kirche und dem Weiler Rütihof, seit 1934 Quartier der Stadt Zürich, heute fast vollständig überbaut. 858 in Hohinco, 898 in villa Hoenka. Dorf Höngg: 1634 629 Einwohner; 1728/1733 1019. Rütihof: 1634 9 Einwohner; 1728/1733 45; 1900 97. Gemeinde Höngg: 1836 1531 Einwohner; 1900 3085. Quartier Höngg: 1950 8803 Einwohner; 2000 20'423.

Eine vor das Frühmittelalter zurückreichende Besiedlung ist bisher nicht belegt, aber durch Grabhügel der Hallstattzeit (um 650 v.Chr.) im Heiziholz angedeutet. Die vermutlich kurz nach 700 gegründete Eigenkirche Höngg wurde 870 an das Kloster St. Gallen übertragen, Patron war Mauritius. Die Herrschaftsverhältnisse im Mittelalter sind unklar. Von der habsburgischen Ritterfamilie von Humlikon (um 1300) gelangten Rechte an die von Seen, die 1359-1365 Vogtei (den einen Meierhof), Kirchensatz und Grundbesitz an das Kloster Wettingen verkauften. Das Zürcher Grossmünster hatte schon um 800 Grundeigentum in Höngg und besass später auch das niedere Gericht (den anderen Meierhof). Auch andere Klöster besassen Güter in Höngg, so zum Beispiel Einsiedeln und das Fraumünster. Die Stadt Zürich erwarb 1384 die Vogtei über Höngg, wo sie bereits 1351 43 Ausbürger aufgenommen hatte. Das niedere Gericht kam im Zuge der Reformation 1526 hinzu. Bis 1798 wurde Höngg als innere Obervogtei verwaltet. Der 1280 erstmals erwähnte Weiler Rütihof gehörte kirchlich zu Höngg, sonst zur Gerichtsherrschaft Weiningen (Kloster Fahr). Zur Kirche Höngg gehörte spätestens ab 1280 und bis 1529 ein Teil von Regensdorf, 1364-1475 Ober- und Niederhasli, bis 1683 Affoltern «bei Höngg», bis 1976 Oberengstringen. Die ältesten Fundamentreste in der Kirche stammen aus dem 8./9. Jahrhundert, das heutige Schiff von 1703, der Turmhelm und die Glocken von 1863. Bis 1837 behielt das Kloster Wettingen das Pfarrwahlrecht. Eine katholische Kirche besteht seit 1940.

Die Offnung von Höngg wurde 1338 aufgezeichnet. Der nach Gemeindevorschlag vom Zürcher Rat gewählte Untervogt wird 1436 erwähnt, fünf Dorfmeier 1406, «die Zwölf» 1450, ab 1640 nur noch vier Geschworene. Einzugsbrief 1571, Gemeindeordnung 1576. Vorsitzender des wöchentlich tagenden Ortsgerichts (1504 erwähnt) war bis ca. 1665 der Hofmeier des Grossmünsters, im 18. Jahrhundert (1702 erwähnt) der städtische Obervogt. Das Gemeindewirtshaus oder Gesellenhaus, der spätere Rebstock (1876 verkauft), besteht seit 1615, dazu kam 1654 die Metzgerei. Die Gemeinde besass den Grossteil des Waldes; mit Dornsträuchern aus diesem wurden im Herbst die Reben verzäunt, wofür die Rebbesitzer den «Dörnwein» abzugeben hatten (1502 erwähnt). Gemeindetrünke, v.a. bei der Rechnungsabnahme, bestanden bis 1869.

Rebbau (im 19. Jh. überwiegend Weisswein) war seit dem Mittelalter die landwirtschaftliche Hauptbeschäftigung. 1826 standen in Höngg 76 Trotten, und noch Ende des 19. Jahrhunderts war die Rebfläche die drittgrösste im Kanton. Ein Grossteil der Reben gehörte auswärtigen Besitzern – im Mittelalter vorwiegend Klöstern, später vermehrt Stadtzürchern – und wurde von Taglöhnern aus Höngg bearbeitet. An der Limmat waren bis ca. 1880 wenige Fischer und Schiffleute tätig. Befanden sich 1634 unter 141 Männern 6 Handwerksmeister, so wuchs deren Zahl bis 1860 auf 49 an (neben 95 Landwirten). Rund ein Dutzend Landsitze brachten im 17. und 18. Jahrhundert städtische Lebensart ins Dorf.

Höngg wurde 1798 dem Distrikt Regensdorf, 1803 dem Bezirk Bülach, 1815 dem Bezirk Zürich zugeteilt. Der Wahl- und Gerichtskreis Zunft Höngg umfasste 1803-1852 die rechtsufrigen Limmattal-Gemeinde. 1886 wurden die Zivilgemeinden Höngg und Rütihof (seit 1822) in der politischen Gemeinde Höngg vereinigt. Der Rebbau ging ab ca. 1890 rapid zurück (Mehltau, Reblaus), gleichzeitig setzte der Bau von Wohnhäusern ein. Seither arbeitet der Grossteil der Bevölkerung auswärts. Die lokale Industrie blieb wenig bedeutend: 1817 Spinnerei, 1874 Seidenweberei. Seit 1898 verbindet das Tram Höngg mit Zürich. 1924 nahm in Höngg der erste deutschschweizerische Radiosender, 1973 die Aussenstation ETH Hönggerberg den Betrieb auf. Ab 1968 wurden mehrere Rebberge neu angelegt, der markanteste am Kirchhügel. Verschiedene Vereine und Einrichtungen wirken traditionswahrend: 1925 Ortsmuseum, 1934 Zunft Höngg, seit 1973 jährliches Wümmetfäscht.

Quellen und Literatur

  • Mitt. der ortsgesch. Komm. Höngg, 1928-
  • G. Sibler, Ortsgesch. Höngg, 1998
Von der Redaktion ergänzt
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Georg Sibler: "Höngg", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 15.01.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/003138/2008-01-15/, konsultiert am 04.07.2022.