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Kurzenberg

Region im ehemaligen Bezirk Vorderland AR, welche die Gemeinden Heiden, Wolfhalden und Lutzenberg umfasst. Das Gebiet bildete vom Ende der Appenzeller Kriege bis 1658 die Hauptmannschaft Kurzenberg. Zuvor gehörte es, mit Ausnahme der Höfe Wienacht und Tobel, welche der Herrschaft Wartensee unterstanden, zum bischöflich-konstanzischen Hof Thal und zur Vogtei Rheineck. Seit den Zeiten der Besiedlung war der Kurzenberg wirtschaftlich und kirchlich eng mit Thal verbunden. Das Berggebiet diente ursprünglich als Allmend, wurde aber zunehmend besiedelt; 1530 stellten die Kurzenberger bereits 60% der Thaler Kirchgenossen. Die appenzellische Expansion in den Freiheitskriegen 1401-1429 führte zur Spaltung des Hofes Thal und zum Bau einer Letzi; der Rückhalt in Appenzell stärkte die Stellung des Kurzenbergs gegenüber den Talbewohnern. Der Ablösungsprozess von Thal dauerte mehr als drei Jahrhunderte: Die definitive Grenzziehung zur Vogtei Rheineck erfolgte 1476, der Loskauf der Verpflichtungen gegenüber der Vogtei Rheineck und der Pfarrei Thal 1532-1555, die Teilung der Allmend 1598, der Kirchenbau in Kurzenberg 1651-1652 und die Trennung des Kirchenguts schliesslich 1809. Kurzenberg trat mit Thal um 1529 zur Reformation über. Innerhalb des Landes Appenzell wurde Kurzenberg zusammen mit dem restlichen Vorderland der Rhode Trogen angegliedert und bildete zusammen mit den Gemeinden am Hirschberg eine Halbrhode. Kurzenberg verfügte über eigene Gemeindebehörden und war in drei Striche unterteilt. Obwohl Kurzenberg ab 1597 bevölkerungsmässig die drittgrösste Gemeinde des Landes Appenzell Ausserrhoden war, stellte es nur zwölf Ratsmitglieder, halb so viele wie die übrigen Gemeinden. Acker- und Weinbau sowie das Leinwandgewerbe bildeten im 16. und 17. Jahrhundert die wirtschaftlichen Grundlagen; der Handel mit Garn war bereits um 1570 bedeutend. Streitigkeiten um den Kirchenstandort zwischen den Weilern Heiden und Wolfhalden führten 1651-1652 zum Bau zweier Gotteshäuser. Gegen den Willen der Landesregierung spaltete sich Kurzenberg 1658 in die drei Nachfolgegemeinden auf, zwischen denen die Grenzen gemäss der Kirchenzugehörigkeit 1666-1667 definitiv festgelegt wurden. Die Grenzziehung war zwischen Wolfhalden und Lutzenberg besonders schwierig; Letzteres blieb kirchlich mit Thal verbunden. Den Abschluss der Aufspaltung bildete 1771-1772 die Trennung der Kurzenberger Allmend.

Quellen und Literatur

  • AppGesch. 2, 18 f., 109-113
  • E. Züst, Gesch. der Gem. Kurzenberg, 1991
Weblinks
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GND

Zitiervorschlag

Thomas Fuchs: "Kurzenberg", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 06.11.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/003329/2008-11-06/, konsultiert am 05.12.2022.