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Norwegen

Das skandinav. Königreich N. mit 4,7 Mio. Einwohnern (2008) und einer Fläche von 323'800 km2 stand ab 1380 in einer Personalunion mit Dänemark. 1814 fiel die norweg. Krone an Schweden, doch N. erhielt eine eigene parlamentar. Verfassung. Nach zwei Volksabstimmungen wurde 1905 die Union aufgelöst. N. erlangte die volle Souveränität mit eigenem Königshaus und wurde sogleich durch die Schweiz anerkannt.

Ab dem 17. Jh. wanderten Schweizer nach N. aus und gründeten dort neue Familienzweige. Als erster Schweizer in N. gilt Samuel Plietz, der ab 1624 das Silberbergwerk in Kongsberg leitete. Im 18. Jh. bürgerten sich versch. Glarner in norweg. Städten ein. Die Nachkommen der Trümpy und Blumer bilden bis heute blühende norweg. Familien. Die grösste Rolle spielten die Fam. Hefti und Tschudi. In Oslo wurde eine Strasse nach dem 1791 eingebürgerten Bankier und Konsul Thomas Heftye benannt. 1814 bürgerte sich sein Schwager Melchior Tschudy, der das Salzbergwerk Vallö betrieb, in Oslo ein. Der in Farsund eingebürgerte Friedrich Otto begründete im 18. Jh. eine Theaterfamilie. Auch aus anderen Kantonen wanderten Schweizer nach N. aus, etwa der Thurgauer Otto Herzog, der 1888-1930 aus den Arne-Fabriken in Ytre Arna (Bergen) N.s grösste Baumwollspinnereien und -webereien machte. Mitte des 19. Jh. holte die Gesellschaft für das Wohl N.s Bauern aus der Schweiz, um v.a. in der Milchwirtschaft neue Agrarmethoden einzuführen. So zogen 1836-69 etwa 80 Käser und Melker aus den Kt. Glarus, Zürich und Schwyz nach N.

Das norwegische Königspaar mit Bundespräsident Moritz Leuenberger in St. Gallen, 6. April 2006 © KEYSTONE / Regina Kuehne.
Das norwegische Königspaar mit Bundespräsident Moritz Leuenberger in St. Gallen, 6. April 2006 © KEYSTONE / Regina Kuehne. […]

Ab 1847 unterhielt die Schweiz in Oslo ein Konsulat, das 1921 in ein Generalkonsulat umgewandelt wurde. 1906 eröffnete N. ein Generalkonsulat in Zürich und akkreditierte 1918 die Gesandtschaft in Rom auch in Bern, während der schweiz. Vertreter in Stockholm auch in Oslo akkreditiert war. Nach dem 2. Weltkrieg entstanden in Bern und Oslo Gesandtschaften, die 1955 bzw. 1957 in Botschaften umgewandelt wurden. Seit 1951 ist der schweiz. Gesandte bzw. Botschafter in Oslo auch für Island zuständig. Die Staatsverträge zu Handel und Niederlassung aus der Unionszeit (1894) blieben auch für das souveräne N. in Kraft. 1906 kam ein Vertrag zur Meistbegünstigung und 1920 zum Einbezug Spitzbergens hinzu. 1925 folgte ein Abkommen zur Streitschlichtung, 1954 zum Luftverkehr, 1956, 1957 und 1987 zur Doppelbesteuerung sowie 1979 zur sozialen Sicherheit und 1986 zum Austausch von Stagiaires. Die Beziehungen zwischen N. und der Schweiz wurden mit polit. Treffen gepflegt, etwa mit den Staatsbesuchen von Kg. Olav V. 1968 und Kg. Harald V. 2000 und 2006 in Bern und 2002 mit dem Besuch von Bundespräsident Kaspar Villiger in N.

Die wirtschaftl. Zusammenarbeit beruht multilateral auf der Zugehörigkeit zu OECD, WTO und Efta. Seit 1995 sind N. und die Schweiz zwei von nur noch vier Efta-Ländern. Aufgrund negativer Volksentscheide 1972 und 1994 ist N. der EU nicht beigetreten, gehört aber seit 1994 wie Island und Liechtenstein zum EWR. Die Handelsbilanz ist traditionell positiv für die Schweiz: 2007 bestanden die Exporte nach N. im Umfang von 835 Mio. Fr. v.a. aus Maschinen (31%) und Pharmzeutika (19%). Aus N. wurden gleichzeitig im Umfang von 408 Mio. Fr. v.a. Metallprodukte (28%), Maschinen, Agrarprodukte und chem. Grundprodukte importiert. Als Investor in N. lag die Schweiz 2005 mit 2,3 Mrd. Fr. Direktinvestitionen an siebter Stelle. Wichtigste schweiz. Investoren in der norweg. Industrie sind Nestlé, ABB, EG Laufenburg und Georg Fischer, im Dienstleistungssektor Adecco, Kuoni, die Société générale de surveillance, Hangartner und SwissLife. Im Gegenzug betrugen 2005 norweg. Investitionen in der Schweiz 820 Mio. Fr. 2007 wohnten 1'538 Norweger in der Schweiz, hauptsächlich Studierende (1960-70 über 300 Norweger an der ETH Zürich), und 2'103 Schweizer in N., davon 1'252 Doppelbürger. Bekanntester Norweger in der Schweiz war der Polarforscher und Diplomat Fridtjof Nansen (1861-1930), der ab 1920 in Genf für den Völkerbund als Hochkommissar für Flüchtlinge und im Auftrag des IKRK wirkte.

Quellen und Literatur

  • BAR
  • EDA, Dok.
  • D. Enersen, «Schweizer Einwanderung in N.», in Schweizer Revue, H. 2, 3, 1986
  • A. Guddal-Sägesser, Zur Auswanderung von Schweizer Melkern und Käsern nach N. im 19. Jh., Liz. Zürich, 1991