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Paraguay

Situationskarte Paraguay © 2007 HLS und Kohli Kartografie, Bern.
Situationskarte Paraguay © 2007 HLS und Kohli Kartografie, Bern.

P. war ab den 1530er Jahren eine span. Kolonie (Vizekönigreich Peru, ab 1776 Vizekönigreich Rio de la Plata), in der die Jesuiten 1609-1767 einen eigentl. Staat im Staat bildeten. In sog. Reduktionen standen Jesuitenpater autonomen Gem. von Guarani-Ureinwohnern vor. 1811 rief P. seine Unabhängigkeit aus. Im Lauf seiner Geschichte wurde die paraguay. Republik von blutigen Kriegen erschüttert (insbesondere dem Krieg 1865-70 gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay, dem die Hälfte der Bevölkerung zum Opfer fiel) und geriet mehrere Male unter diktator. Herrschaft (darunter jene von General Alfredo Stroessner 1954-89). Seit 1992 ist eine demokrat. Verfassung in Kraft.

Die Schweiz und P. unterhalten seit 1892 diplomat. Beziehungen. 1887 wurde in Asunción ein schweiz. Konsulat eröffnet, 1926 wurde es in ein Generalkonsulat und 1968 in eine Botschaft umgewandelt. Zu Beginn des 21. Jh. führte P. eine Botschaft in Bern und ein Konsulat in Neuenburg. Der Luzerner Jodok Bachmann war der erste deutschsprachige Jesuit, der sich 1640 in einer paraguay. Reduktion niederliess. Die schweiz. Emigration nach P. nahm im 18. Jh. zu, als das Land noch unter dem Einfluss des Jesuitenordens stand. Zu den bekanntesten Schweizern, die im 19. Jh. nach P. reisten, gehörte insbesondere der Aargauer Arzt und Naturforscher Johann Rudolf Rengger, der 1835 die "Reise nach Paraguay in den Jahren 1818 bis 1826" publizierte. Der Tessiner Mosé Giacomo Bertoni gründete 1893 am Ufer des Flusses Paraná die landwirtschaftl.-wissenschaftl. Kolonie Guillermo Tell (heute Puerto Bertoni). Im 20. Jh. hatten zwei Präsidenten der Republik, Eduardo Schaerer (1912-16) und José Patricio Guggiari (1928-32) Schweizer Wurzeln. 2008 zählte die Schweizer Kolonie in P. 1'380 Personen, davon 1'014 Doppelbürger; in der Schweiz lebten 256 Paraguayer. Mehrere Staatsmänner von P. haben die Schweiz besucht, darunter 1995 der Präs. Juan Carlos Wasmosy.

Der erste bilaterale Vertrag zwischen den beiden Ländern ist ein Auslieferungsabkommen aus dem Jahr 1906. Danach wurden versch. weitere bilaterale Abkommen unterzeichnet: 1964 über die Abschaffung der Visumspflicht, 1969 über den Handel, 1971 über die techn. und wissenschaftl. Zusammenarbeit, 1985 über den Luftlinienverkehr, 1992 über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Investitionen. Das Handelsvolumen zwischen den beiden Ländern ist beschränkt. 2008 beliefen sich die schweiz. Exporte nach P. auf 12,5 Mio. Fr. (Chemikalien, Uhren, Maschinen), die Importe auf 3,8 Mio. Fr. (v.a. landwirtschaftl. Produkte, darunter Erdnüsse, Öle und Soja). Einige multinationale Unternehmen (Nestlé, Novartis, SGS) sind in P. vertreten. 2004 betrugen die schweiz. Direktinvestitionen 9,3 Mio. Dollar. Ende des 20. Jh. unterstützte die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit die Arbeit versch. Nichtregierungsorganisationen in P., darunter diejenige der seit 1972 in P. tätigen Helvetas.

Quellen und Literatur

  • EDA, Dok.
  • K. Zbinden, Die schweiz. Auswanderung nach Argentinien, Uruguay, Chile und P., 1931