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Pakistan

Situationskarte Pakistan © 2007 HLS und Kohli Kartografie, Bern.
Situationskarte Pakistan © 2007 HLS und Kohli Kartografie, Bern.

Pakistan ist das am stärksten islamisierte Land im indischen Subkontinent. Während Jahrhunderten war seine Geschichte unentwirrbar mit der Geschichte Indiens verknüpft. Im 19. Jahrhundert kämpften Pakistani und Hindus gemeinsam für ihre Unabhängigkeit. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts gewann die Idee eines separaten muslimischen Staats zunehmend an Bedeutung. Der 1947 gegründete pakistanische Staat (seit 1956 Islamische Republik Pakistan) verlor 1971 seine Ostprovinz (Bangladesch). An der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert kämpft die Atommacht mit politischer Instabilität.

1861 eröffnete das Handelshaus Gebrüder Volkart eine Zweigstelle in Karachi, dann einen Kontor in Lahore und prägte die Schweizer Präsenz bis in die 1950er Jahre. Nach der Unabhängigkeitserklärung 1947 anerkannte der Bundesrat Pakistan sogleich und nahm 1949 diplomatische Beziehungen auf. Die Gesandtschaft von Karachi wurde 1968 in ein Generalkonsulat umgewandelt, während die Botschaft nach Islamabad umzog. Zudem unterhält die Schweiz auch in Lahore ein Konsulat. Pakistan eröffnete in Bern eine Botschaft und in Zürich ein Generalkonsulat. Ein 1950 unterzeichnetes Handelsabkommen erleichterte den Warenaustausch. Die Schweiz importiert hauptsächlich Teppiche, Baumwolle und Landwirtschaftsprodukte (2008 für 70,1 Mio. Franken), während Pakistan Maschinen sowie chemische und pharmazeutische Produkte einführt (2008 für 405,1 Mio. Franken). 2008 kaufte Pakistan Schweizer Waffen im Wert von 74 Mio. Franken und war damit der grösste Kunde. 1952 und 2001 kamen bilaterale Luftverkehrsabkommen zum Abschluss.

Die bilateralen Finanzbeziehungen sind relativ bedeutend. Seit den 1950er Jahren wird der Finanzplatz Zürich von pakistanischen Geschäftsleuten geschätzt. 1959-1962 sowie 2005 wurden Doppelbesteuerungsabkommen abgeschlossen. 1995 kam ein Investitionsschutzabkommen zustande. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts positionierte sich die Schweiz (mit 266,5 Mio. Franken 2007) unter den ersten zehn ausländischen Investitoren in Pakistan. Diese Investitionen betreffen hauptsächlich den pharmazeutischen und chemischen Bereich, insbesondere die Agrochemie, sowie Maschinen für die Textilindustrie. 2007 beschäftigten die schweizerischen Unternehmen mehr als 13'000 Personen in Pakistan. 1973, 1974 und 2000-2002 wurden bilaterale Abkommen über die Anerkennung, Konsolidierung und Umschuldung der pakistanischen Schulden unterzeichnet. Zwischen 1966, als ein Abkommen über technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit abgeschlossen wurde, und 2008 war Pakistan ein Schwerpunktland der schweizerischen Entwicklungszusammenarbeit: Auf der Grundlage von bilateralen und multilateralen Abkommen widmete sich diese der Milchproduktion, der Landwirtschaft, der Berufsbildung oder der Wasser- und Waldbewirtschaftung. Vom Dritten Indisch-Pakistanischen Krieg an (1971) vertrat die Schweiz bis 1976 die Interessen Pakistans in Indien und jene Indiens in Pakistan. Seit 1955 liegt die Zahl der Schweizerinnen und Schweizer in Pakistan, darunter zahlreiche Ingenieure und Experten mit begrenzter Aufenthaltsdauer, stets über 100; 2008 waren es 303, während im gleichen Jahr 2300 pakistanische Staatsangehörige in der Schweiz lebten.

Quellen und Literatur

  • EDA, Dok.
  • Cooperation Strategy Pakistan 2006-2010, 2007

Zitiervorschlag

Marc Perrenoud: "Pakistan", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 19.11.2009, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/003423/2009-11-19/, konsultiert am 03.03.2024.