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Thailand

Situationskarte Thailand © 2010 HLS und Kohli Kartografie, Bern.
Situationskarte Thailand © 2010 HLS und Kohli Kartografie, Bern.

Das Königreich Siam, das sich seit 1939 T. nennt, wurde 1350 gegründet. Ab dem 16. Jh. bereisten Europäer das südostasiat. Land. Im 19. Jh. öffnete es sich dem europ. Einfluss und liess westl. Marktwirtschaft sowie moderne Technik zu, ohne jedoch eine Kolonie zu werden. Nach einem Staatsstreich wurde das Land 1932 in eine konstitutionelle und parlamentar. Monarchie umgewandelt. Ab 1947 kam es in T. zu fast 20 Militärputschen; beim letzten im Sept. 2006 wurde Premierminister Thaksin Shinawatra gestürzt.

Ab Ende des 19. Jh. intensivierten sich die Beziehungen der Schweiz mit Siam. Schweizer handelten dort mit Reis, Zinn, Wolfram, Textilien und Kondensmilch oder arbeiteten als Bank- und Versicherungsangestellte. In Bangkok siedelten sich Unternehmen wie Berli und Jucker an (ab 1924 Berli Jucker & Co., seit 1993 Berli Jucker Public Company Limited). Die Firma Diethelm (seit 1956 Diethelm Travel Group) eröffnete in Bangkok 1906 eine Filiale; mit der Ausweitung des tourist. Angebots entwickelte sich diese zum Hauptpfeiler der schweiz. Präsenz in T. Die Schweizer Unternehmen wie Diethelm, Nestlé und Sandoz gerieten ab 1941 in Schwierigkeiten, als T. mit Japan zusammenarbeitete. Im 2. Weltkrieg nahmen Schweizer Diplomaten in T. brit. und amerikan. Interessen wahr, indem sie Lagerbesuche und Gefangenenaustausche organisierten.

Das 1932 in Bangkok eröffnete Schweizer Konsulat wurde 1949 in eine Botschaft umgewandelt. Anfang des 21. Jh. vertrat diese auch die schweiz. Interessen in Kambodscha, Laos und Burma (Myanmar). T. eröffnete in Bern 1948 eine Botschaft und richtete in Basel, Genf und Zürich Konsulate ein. Die beiden Länder schlossen mehrere bilaterale Verträge, u.a. 1931 ein Freundschafts- und Handelsabkommen, 1996 ein Doppelbesteuerungsabkommen und 1997 ein Abkommen über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Investitionen. Die Schweizer Kolonie in T. zählte in der Zwischenkriegszeit ca. 50, 1954 über 100, 1990 1'165 und 2010 6'458 Personen (2'343 mit doppelter Staatsbürgerschaft), womit sie zur grössten Schweizer Kolonie in Asien wurde. Es gehören ihr zahlreiche Unternehmer, Angestellte multinationaler Gesellschaften sowie Geschäfts-, Hotel- und Restaurantbesitzer an. Immer zahlreicher sind die Schweizer Rentner in T. (2010 ca. 1'200 Personen). Die Zahl der Schweizer Touristen stieg 1963-74 von 2'186 auf 26'368 an, während sie zu Beginn des 21. Jh. jährlich 150'000 Personen betrug. Damit kommen aus der Schweiz, gemessen an ihrer Bevölkerungszahl, am meisten Touristen nach T. In der Schweiz lebten 1990 998 und 2009 8'619 Thailänderinnen und Thailänder.

Gemäss thailänd. Statistiken rangierte die Schweiz bei den ausländ. Investoren 2009 mit 91,6 Mio. Fr. auf dem elften Rang. Ca. 150 Schweizer Firmen mit 43'000 Angestellten sind in T. tätig, das nach Singapur der zweitgrösste Handelspartner der Schweiz in Südostasien ist: 2010 exportierte die Schweiz Maschinen, Geräte, pharmazeut. Produkte und Uhren für 1,111 Mrd. Fr. und importierte Uhrwerke, Schmuck und Maschinen für 880,7 Mio. Fr. Die Eidgenossenschaft unterstützte in T. ab 1976 und verstärkt ab 1979 Flüchtlinge aus Kambodscha und Vietnam. Nach der Tsunami-Katastrophe vom Dez. 2004 leistete sie in T. Hilfe bei der Identifizierung von Opfern und beim Wiederaufbau dreier Fischerdörfer. Das thailänd. Königshaus pflegt eine lange Beziehung zur Schweiz: 1897 wurde Kg. Chulalongkorn zum ersten Mal vom Bundesrat empfangen. Kg. Bhumibol (Rama IX.) lebte 1933-50 in Lausanne und schenkte der Stadt als Zeichen der Dankbarkeit einen 2009 eingeweihten thailänd. Pavillon.

Quellen und Literatur

  • EDA, Dok.
  • A. Aerni, Siam-Swiss Centenary, 1997
  • S. Sigerist, Schweizer in Asien, 2001