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Nigeria

Situationskarte Nigeria © 2007 HLS und Kohli Kartografie, Bern.
Situationskarte Nigeria © 2007 HLS und Kohli Kartografie, Bern.

Nach der Anerkennung Nigerias durch den Bundesrat am 1.10.1960 nahm die Schweiz diplomatische Beziehungen auf und eröffnete 1961 in Lagos eine Botschaft. Die Zahl der Schweizer Staatsangehörigen in Nigeria stieg von einigen Dutzend vor 1945 auf über 300 1960 und ca. 800 1977, sank danach aber wieder (2005 242). Seine geografische Lage machte Nigeria für international tätige Schweizer Transport- und Handelsgesellschaften, später auch für andere Industriezweige interessant, vor allem die Nahrungsmittel-, Chemie-, Textil- und Aluminiumindustrie sowie die Elektrizitätswirtschaft. 1970 wurden die schweizerischen Investitionen auf ca. 100 Mio. Fr. geschätzt. 2005 lebten 1'356 Nigerianerinnen und Nigerianer in der Schweiz und 242 Schweizer Staatsangehörige in Nigeria.

Der Bürgerkrieg, der 1967 nach der Abspaltung der Provinz Biafra ausbrach, bereitete der Schweiz politische Schwierigkeiten. Getreu der Politik der Neutralität, Disponibilität und Diskretion lehnte es der Bundesrat ab, sich in die inneren Angelegenheiten Nigerias einzumischen, und beschränkte sich auf einige wenig wirksame diplomatische Schritte. Eine von 5'000 Personen unterzeichnete Petition für die Anerkennung Biafras wurde vom Bundesrat abgelehnt. Die Schweizer Bevölkerung reagierte mit grosser Anteilnahme auf die schreckliche Hungersnot, die der Konflikt ausgelöst hatte, und spendete karitativen und religiösen Organisationen bedeutende Summen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) startete mit finanzieller Unterstützung der Schweiz seine grösste Hilfsaktion nach 1945. Der Bundesrat stellte dem IKRK im Juli 1968 August R. Lindt, Schweizer Botschafter in Moskau, als Generalkommissar zur Verfügung. Lindt trat im Juni 1969 zurück, da er sich durch die Situation vor Ort an der Erfüllung seines Auftrags gehindert fühlte, was im IKRK zu einer ernsthaften Krise führte. Die Firma Oerlikon-Bührle verkaufte Waffen nach Nigeria, die gemäss einigen Quellen auch gegen Schweizer in humanitärer Mission zum Einsatz kamen, und wurde wegen Verletzung des Waffenausfuhrverbots der Bundesbehörden angeklagt. Trotz der mit diesem Konflikt verbundenen Spannungen und einiger Handelsstreitigkeiten nahmen die bilateralen Beziehungen weiter zu. Nigeria entwickelte sich für die Schweiz zu einem wichtigen Markt in Afrika, vor allem für die Rüstungsindustrie, da die Bundesbehörden ab Dezember 1980 die Waffenausfuhr wieder erlaubten. Seit den 1970er Jahren ist Nigeria neben Algerien, Libyen, Saudiarabien, Tunesien und dem Iran einer der wichtigsten Erdöllieferanten der Schweiz. Mit Südafrika, Liberia und Algerien zählt Nigeria zu den afrikanischen Staaten mit den bedeutendsten Finanzbeziehungen zu Schweizer Banken. Seine Verschuldung bewog die Schweiz, am Club de Paris teilzunehmen und 1987 sowie 1989 zwei bilaterale Umschuldungsabkommen zu unterzeichnen. Auch wenn Nigeria kein Schwerpunktland der schweizerischen Entwicklungshilfe ist, finanziert die Schweiz Werkstätten und Stipendien für die Berufsausbildung sowie die Landwirtschaft.

Quellen und Literatur

  • EDA, Dok.
  • T. Hentsch, Face au blocus: la Croix-Rouge internationale dans le Nigéria en guerre (1967-1970), 1973
  • A.R. Lindt, Generale hungern nie: Gesch. einer Hilfsaktion in Afrika, 1983

Zitiervorschlag

Perrenoud, Marc: "Nigeria", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.11.2010, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/003460/2010-11-16/, konsultiert am 22.02.2021.