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GioachimoRespini

Federlithografie aus der Schweizerischen Portrait-Gallerie, die 1888–1907 bei Orell Füssli in Zürich erschien (Schweizerische Nationalbibliothek).
Federlithografie aus der Schweizerischen Portrait-Gallerie, die 1888–1907 bei Orell Füssli in Zürich erschien (Schweizerische Nationalbibliothek).

7.9.1836 Cevio, 10.4.1899 Locarno, kath., von Cevio. Sohn des Filippo, Notars und Gerichtsschreibers, und der Giuseppa geb. Lucchini. 1874 Marianna Magoria, von Locarno. Nach den Schulen in Cevio und Methodikkursen in Locarno erwarb R. das Primarlehrerpatent. 1852 wanderte er nach Australien aus, arbeitete dort bis 1860 in einer Mine und kehrte danach ins Tessin zurück. Nach dem Rechtsstudium 1862 an der Univ. Pavia, ab 1863 in Pisa und der Promotion 1865 trat er ein Praktikum im Büro von Vittore Scazziga an und eröffnete 1867 eine eigene Notariats- und Anwaltskanzlei in Locarno. R. war ein führender Kopf der liberalkonservativen Partei und amtierte 1875-96 als Parteipräsident, mit einer kurzen Unterbrechung 1891-92. 1867-99 sass er im Tessiner Grossrat (1875, 1882, 1889 und 1892 Präs.), 1891 und 1892 im kant. Verfassungsrat, 1877 und 1890 für kurze Zeit im Tessiner Staatsrat (1890 Präs.). Als Ständerat 1880-85 verteidigte er die Autonomie und die Italianità des Kt. Tessin und setzte sich für eine Lösung der Bistumsfrage ein. Im Kanton trug er massgeblich zur Umsetzung der von der Regierung des sog. Nuovo Indirizzo verabschiedeten Neuerungen bei; so u.a. zur Einführung der geheimen Stimmabgabe auf Gemeindeebene und dem Initiativ- und Referendumsrecht, zur definitiven Wahl Bellinzonas zum Kantonshauptort, zur Anerkennung der Lehrfreiheit, zum Bau der Ceneri-Bahnlinie und zur Trockenlegung der Magadinoebene. Trotz dieser Erfolge führte R.s autoritäre Haltung nicht nur zu einer Verschlechterung des polit. Klimas im Kanton, sondern vertiefte auch die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der liberalkonservativen Partei, die sich 1896 in die gemässigte Mehrheit der Giubiascheser und die unnachgiebige Minderheit der Respinianer spaltete.

Quellen und Literatur

  • Storia politica del Cantone Ticino, hg. von R. Tartini, 1904
  • Gruner, Bundesversammlung 1, 754 f.
  • Uomini nostri, hg. von A. Lepori, F. Panzera, 1989, 39-43
  • Per il centenario della morte di Gioachimo R. (1836-1899), 2000
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