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ConradCramer-Frey

Titelblatt eines Berichts zu Handen der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Handels- und Industrievereins, 9. Mai 1891 (Universitätsbibliothek Basel).
Titelblatt eines Berichts zu Handen der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Handels- und Industrievereins, 9. Mai 1891 (Universitätsbibliothek Basel).

11.5.1834 Volken, 6.1.1900 Zürich, reformiert, von Volken und Enge (heute Zürich). Sohn des Heinrich Kramer, Landwirts, und der Anna geborene Gisler, von Flaach. 1860 Louise Frey, Tochter des Karl, Kaufmanns und Teilhabers des Manufakturwarenhauses Frey & Salzmann in Aarau, Nichte von Friedrich Frey. Primarschule in Hettlingen, Sekundarschule in Seuzach, 1849-1852 kaufmännische Lehre und zwei Jahre als Angestellter im Handelshaus Hummel Comp. in Zürich. 1854-1862 arbeitete Conrad Cramer als Buchhalter im Manufakturwarenhaus Frey & Salzmann, danach weilte er bis 1870 in Bahia (Brasilien), wo er eine mit dem Familienunternehmen in Beziehung stehende Firma reorganisierte und übernahm sowie 1868 eine Niederlassung in Pernambuco (Brasilien) gründete. 1870-1895 leitete er die Firma Frey & Cramer in Aarau, die 1872 nach Zürich bzw. 1877 in die Enge umsiedelte (1874 Umbenennung in Cramer, Frey & Cie.). 1878 folgte deren Erweiterung durch eine Filiale in Rio de Janeiro, 1883 die Schliessung der Niederlassung in Bahia. Ab ca. 1880 engagierte sich Cramer-Frey auch in Politik und Wirtschaft: 1882-1898 Zürcher Kantonsrat, 1883-1900 Nationalrat (liberale Mitte bzw. liberal-demokratisch). 1876-1900 amtierte er als Vorstand, 1882-1891 als Präsident der Kaufmännischen Gesellschaft Zürich (heute Zürcher Handelskammer). 1882-1900 Präsident des Schweizerischen Handels- und Industrievereins (SHIV). 1878-1891 Verwaltungsrat der Schweizerischen Kreditanstalt, 1880-1885 Aufsichtsrat der Schweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt, 1879-1884 im Verwaltungskomitee der NZZ (1882-1883 Präsident).

Cramer-Frey gehörte zu den führenden Wirtschaftsvertretern des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Mit Artikeln, Reden und zum Teil umfassenden Gutachten und Eingaben prägte er die Diskussion über zentrale wirtschaftspolitische Fragen wie die Verstaatlichung der Eisenbahn, die Schaffung des Banknotenmonopols bzw. einer zentralen Notenbank sowie die Münz- und Währungspolitik und machte den SHIV zu einem einflussreichen Verband. Massgeblichen Einfluss übte er auch in der Zoll- und Handelspolitik aus, in den nationalrätlichen Kommissionen bei den Zollgesetz- und Zolltarifrevisionen, als Berater des Bundesrats und als Mitglied verschiedener eidgenössischer Delegationen zur Erneuerung bilateraler Handelsverträge. 1894 Dr. iur. publ. et cam. h.c. der Universität Zürich.

Quellen und Literatur

  • StadtB Winterthur, Teilnachlass
  • R.P. Meyer, Conrad Cramer-Frey, 1948, (mit Schriftenverz.)
  • R. Oehler, Die Frey von Aarau, 1773-1949, 1949
  • NDB 3, 393
  • Gruner, Bundesversammlung 1, 60 f.
  • B.R. Zimmermann, Verbands- und Wirtschaftspolitik am Übergang zum Staatsinterventionismus, 1980
  • DDS 3-4
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF
Kurzinformationen
Variante(n)
Conrad Cramer
Conrad Kramer (Taufname)
Lebensdaten ∗︎ 11.5.1834 ✝︎ 6.1.1900

Zitiervorschlag

Markus Bürgi: "Cramer-Frey, Conrad", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 18.11.2015. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/003624/2015-11-18/, konsultiert am 18.07.2024.