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LudwigForrer

Empfang des Bundespräsidenten im Hafen von Genua. Fotografie von Anton Krenn, 1906 (Museum für Kommunikation, Bern).
Empfang des Bundespräsidenten im Hafen von Genua. Fotografie von Anton Krenn, 1906 (Museum für Kommunikation, Bern). […]

9.2.1845 Islikon, 28.9.1921 Bern, reformiert, von Bäretswil und Winterthur. Sohn des Ludwig, Inhabers einer mechanischen Werkstätte. Johanna Regula Dändliker, Tochter des Johann Jakob, Rektors der höheren Schulen in Winterthur. Nach dem Besuch der Kantonsschule in Frauenfeld absolvierte Ludwig Forrer ein Rechtsstudium in Zürich. 1865-1866 war er Zentralpräsident der Zofingia. Er wurde 1867 Polizeileutnant und Erster Sekretär des Zürcher Verfassungsrats, 1870 Staatsanwalt. In Winterthur führte er 1873-1900 ein eigenes Advokaturbüro. 1870-1900 war Forrer einer der Führer der Demokraten im Zürcher Kantonsrat (Präsident 1875, 1879, 1884, 1898-1899). Dem Nationalrat gehörte er als Vertreter der Ecole de Winterthour und der radikal-demokratischen Mehrheitsgruppe 1875, 1876-1878 und 1881-1900 an (Präsident 1893). Mit einer Motion forderte er 1888 die Vereinheitlichung des Strafrechts in der Schweiz. In den 1890er Jahren verfasste er den Entwurf für ein Kranken- und Unfallversicherungsgesetz, wofür ihm die Universität Zürich 1894 das Ehrendoktorat verlieh. Nach dem Scheitern der Lex Forrer in der eidgenössischen Volksabstimmung zog er sich 1900 vorerst aus der schweizerischen Politik zurück. Der Bundesrat ernannte ihn zum Direktor des Zentralamts für den internationalen Eisenbahntransport in Bern. Ende 1902 wurde er als Nachfolger von Walter Hauser in den Bundesrat gewählt. Forrer stand sechs Departementen vor: 1903 Handel, Industrie und Landwirtschaft, 1904-1905 Inneres, 1906 und 1912 Politisches Departement und Bundespräsidium, 1907 Militär, 1908 Justiz und Polizei, 1908-1911 und 1913-1917 Post und Eisenbahnen. Als Bundespräsident empfing er 1906 den italienischen König Viktor Emanuel III. und 1912 den deutschen Kaiser Wilhelm II. zu Staatsbesuchen in der Schweiz. Namhaften Anteil hatte Forrer an der heiklen Revision des Gotthardvertrags von 1909, die zu ungewöhnlich harten Auseinandersetzungen in der schweizerischen Politik führte. 1917 schied Forrer aus dem Bundesrat aus und kehrte in die Direktion des internationalen Eisenbahnamts zurück.

Quellen und Literatur

  • Zentralbibliothek Zürich, Zürich, Nachlass
  • W. Labhart, Bundesrat Ludwig Forrer, 1845-1921, 1973 (mit Bibliografie)
  • Die Schweizer Bundesräte, hg. von U. Altermatt, 1991, 290-295
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