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JamesFazy

Porträt von James Fazy. Lithografie (nach einer Fotografie), gestaltet von Charles Perron, um 1870 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).
Porträt von James Fazy. Lithografie (nach einer Fotografie), gestaltet von Charles Perron, um 1870 (Bibliothèque de Genève, Archives A. & G. Zimmermann).

12.5.1794 Genf, 6.11.1878 Le Petit-Saconnex, reformiert, von Genf. Sohn des Jean-Samuel, Besitzers einer Indienne-Manufaktur, und der Jeanne-Marie Fazy, Jean-Samuels Cousine. Joséphine-Marie Sprenger, Tochter des Jean-Jacques, Kapellmeisters des 27. Infanterieregiments in Saarburg. James Fazy besuchte das Kollegium in Genf, 1802-1806 das Internat der Herrnhuter Brüdergemeine in Neuwied (Rheinland-Pfalz) und 1806-1807 jenes in Choisy-le-Roy bei Paris. 1807-1809 wurde er von einem Hauslehrer unterrichtet. 1809-1814 erfolgte die Ausbildung zum Kaufmann in Bolbec (Normandie) und Lyon. 1814-1821 studierte er Rechtswissenschaften in Paris. Zwischen 1814 und 1833 wohnte Fazy abwechselnd in Genf und Paris. In Paris schloss er Freundschaft mit General La Fayette, der ihn mit dem Zweikammersystem der Vereinigten Staaten vertraut machte. Fazy wurde Mitglied des Geheimbundes der Carbonari und der von François Guizot präsidierten Geheimgesellschaft Aide-toi, le ciel t'aidera. Er publizierte Artikel in liberalen Zeitschriften, nahm an Aufständen teil, besuchte die Anhänger von Saint-Simon und von Charles Fourier, war an der Vorbereitung der Revolution von 1830 beteiligt, gründete mehrere Zeitungen und wurde wegen Verstosses gegen das Pressegesetz verurteilt.

1826 gründete Fazy in Genf das oppositionelle "Journal de Genève", das für das allgemeine Wahlrecht und für eine Aktion zur Befreiung Griechenlands eintrat, 1833 die Zeitung des Genfer Freisinns, "L'Europe centrale". 1834 kaufte er das "Journal de Genève" wieder zurück. Durch die Bebauung des Areals der Manufaktur Fazy in Les Bergues nahm er Einfluss auf die Genfer Stadtentwicklung. 1835 schloss er sich Louis Napoléon Bonaparte an und beteiligte sich 1836 an der Vorbereitung des Staatsstreichs von Strassburg.

1841 wurde Fazy Anführer des linken radikalen Flügels der Association du Trois Mars und forderte in einer Flugschrift das Recht auf Selbstverwaltung für die Stadt Genf. Diese Forderung stand am Beginn der Revolution von 1841, doch die Verfassung von 1842 entsprach keineswegs Fazys Erwartungen. Nachdem sich der Repräsentierende Rat geweigert hatte, gegen die Kantone des Sonderbunds Partei zu ergreifen, schürte Fazy die Revolution von 1846 und stürzte mit Unterstützung der Arbeiter von Saint-Gervais und der katholischen Landbevölkerung die Regierung. 1848 war er Tagsatzungsgesandter, 1848-1849, 1851-1854, 1856-1857, 1871-1872 Ständerat, 1857-1866 Nationalrat. Fazy war ein Verfechter des amerikanischen Zweikammersystems. 1852 unterstützte er das Eisenbahngesetz und 1854 das Gesetz zur Gründung des Eidgenössischen Polytechnikums in Zürich.

Fazy ist der Urheber der Genfer Verfassung von 1847, welche die repräsentative Demokratie und die Gewaltentrennung einführte. 1842-1844 gehörte er dem Genfer Munizipalrat an (Legislative), 1842 und 1862 war er Abgeordneter in der verfassunggebenden Versammlung, 1842-1874 Grossrat, 1846-1853 und 1855-1861 Staatsrat. Mit der Zeit hatte Fazy zunehmend mit Widerständen in der eigenen Partei zu kämpfen. 1864 wurde er nicht mehr in die Regierung gewählt. Daraufhin kam es zu Unruhen und eidgenössische Kommissäre griffen ein. Ab 1850 liess Fazy die Befestigungen der Stadt niederreissen, worauf ein städtischer Ring (sogenannte ceinture fazyste) angelegt wurde. Er förderte die Ansiedlung neuer Industrien und gründete 1847 die Caisse hypothécaire, 1848 die Banque de Genève, 1849 die Caisse d'escompte (seit 1855 Comptoir d'escompte) und 1853 die Banque générale suisse de crédit international mobilier et foncier, die 1865 zusammenbrach und Fazy finanziell ruinierte. Ausserdem führte er in Genf die laizistische Schule und die unentgeltliche Primarschule ein (Gesetz 1848). Er schloss die konservativen Professoren aus der Akademie aus und gründete als Alternative zur althergebrachten Société des Arts das Institut national genevois. Er rief auch das Kantonsspital, das Altersheim und eine Spielbank (der Cercle des étrangers) ins Leben. Fazy interessierte sich ferner für die bildende Kunst und Dramaturgie. 1867 organisierte er den Genfer Friedenskongress. Ab 1871 lehrte er an der Universität Genf Rechts- und Verfassungsgeschichte. James Fazy kann als Schöpfer des modernen Genf bezeichnet werden.

Quellen und Literatur

  • Les mémoires de James Fazy, homme d'Etat genevois (1794-1878), hg. von F. Ruchon, 1947
  • F. Ruchon, Histoire politique de la République de Genève, 1953
  • Gruner, Bundesversammlung 1, 947-949
  • A Brulhart, E. Deuber-Pauli, Ville et canton de Genève, 1985, 116-149 (21993)
  • D. Hiler, B. Lescaze, Révolution inachevée, révolution oubliée, 1992
Weblinks
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VIAF

Zitiervorschlag

Jean de Senarclens: "Fazy, James", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 07.02.2018, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/003866/2018-02-07/, konsultiert am 29.11.2022.