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MatthiasHungerbühler

2.9.1805 Wittenbach, 14.7.1884 St. Gallen, katholisch, von Wittenbach, 1857 Ehrenbürger von Weesen und 1858 von Straubenzell (heute Gemeinde St. Gallen). Sohn des Moritz Ludwig, Landarztes, der nebenbei eine Klinik für Geisteskranke betrieb, und der Anna Catharina geborene Gerster. 1843 Johanna Staub, Tochter des Fidel, solothurnischen Staatskassenverwalters. Katholisches Gymnasium in St. Gallen, 1822-1830 Studium der Theologie und Philosophie, dann der Jurisprudenz (ohne Abschluss) in Freiburg im Breisgau, Genf und Paris. Ab 1831 war Matthias Hungerbühler in St. Gallen Rechtsanwalt; 1835-1838 bekleidete er das Amt des Staatsschreibers. Als liberaler Politiker gehörte er 1835-1870 und 1873-1878 dem St. Galler Grosser Rat (Präsident 1865) sowie 1838-1859, 1862-1864 und 1873-1878 dem Regierungsrat an. Als solcher stand er verschiedenen Departementen (Justiz, Polizei, Inneres, Bau, Finanzen, Erziehung) vor und war zehnmal Landammann. 1859-1860 und 1861 amtierte er als Verfassungsrat, 1864-1873 als Kantonsgerichtspräsident. Auf Bundesebene wirkte Hungerbühler 1847-1848 nach der Auflösung des Sonderbunds als eidgenössischer Repräsentant in Schwyz, 1848 als Tagsatzungsgesandter und 1848-1875 als Nationalrat (Präsident 1852-1853). Hungerbühler gehörte bis zu seiner Annäherung an die liberale Mitte um 1866 zur Führungsgruppe der radikalen Liberalen im Kanton. In den konfessionellen Auseinandersetzungen vertrat er das josefinische Staatskirchentum und setzte sich für die paritätische Kantonsschule (1856) ein. Im Kulturkampf bekämpfte er die ultramontane Richtung. Obwohl in wirtschaftspolitischer Hinsicht streng liberal, was zum Beispiel in seinem Engagement für die private Eisenbahn Wil-St. Gallen-Rorschach (1856) zum Ausdruck kam, war Hungerbühler nicht nur als Präsident der St. Gallisch-Appenzellischen Gemeinnützigen Gesellschaft (1844-1867) gegenüber sozialen Fragen aufgeschlossen.

Quellen und Literatur

  • KBSG, Nachlass
  • R. Flury, Johann Matthias Hungerbühler 1805-1884, 1962 (mit Bibl.)
  • Gruner, Bundesversammlung 1, 567 f.
  • K. Buchmann, «Matthias Hungerbühler», in NblSG 111, 1971, 22 f.
Von der Redaktion ergänzt
  • Göldi, Wolfgang: «Johann Matthias Hungerbühler (1805-1884). Eisenbahnpionier, Modernisierer und Kämpfer für das Gemeinwohl», in: Schweizer Pioniere der Wirtschaft und Technik, 121, 2022, S. 72-103.
Weblinks
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Zitiervorschlag

Marcel Mayer: "Hungerbühler, Matthias", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 16.01.2008. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/003997/2008-01-16/, konsultiert am 17.04.2024.