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HeinrichScherrer

Porträt. Ausschnitt aus einer Werbepostkarte der Sozialdemokratischen Partei, um 1909 (Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich).
Porträt. Ausschnitt aus einer Werbepostkarte der Sozialdemokratischen Partei, um 1909 (Schweizerisches Sozialarchiv, Zürich).

12.12.1847 Nesslau, 25.11.1919 St. Gallen, ref., von Nesslau. Sohn des Wendelin, Bauern, und der Susanna geb. Kuratle. 1893 Ida Richard geb. Schmied. S. besuchte die Gymnasien in Schiers und Basel. Nach dem Stud. der Rechte und Nationalökonomie in Basel, Berlin und Zürich arbeitete er 1875-1902 als Anwalt in St. Gallen. Während des Stud. beschäftigte er sich mit dem Marxismus, lehnte jedoch revolutionäre Umwälzungen ab. Die Lösung der Sozialen Frage sah er unter dem Einfluss der naturwissenschaftl. Ideen Rudolf Virchows in der Sozialreform. 1869 nahm er am Kongress der 1. Internationale in Basel teil. Er zählte zu den führenden Grütlianern und präsidierte 1882-90 den schweiz. Grütliverein. Mit Caspar Decurtins und Theodor Curti gründete er 1887 den sog. Neuen Schweiz. Arbeiterbund. Im Kt. St. Gallen gehörte S. 1888 zu den Mitgründern der Demokrat. und Arbeiterpartei und den Mitinitianten der Revisionsbewegung von 1888-90, die mehr staatl. Eingriffsrechte durchsetzte. Er galt als einer der Träger der demokrat.-konservativen Allianz gegen die freisinnige Vormacht. 1889-1902 war er Erziehungsrat, 1891-1902 Grossrat, 1902-19 Regierungsrat (Vorsteher des Volkswirtschafts- bzw. Erziehungsdep.) und 1902-11 Nationalrat. 1905 trat er in die SP St. Gallen ein, zu der er stets ein gespanntes Verhältnis hatte. 1911-19 war er der erste sozialdemokrat. Ständerat. S. setzte sich für die Kranken- und Unfallversicherung sowie den Arbeiterschutz ein (1897 internat. Konferenz in Zürich, 1900 Präs. des Internat. Arbeitsamts in Basel), sass 1912-19 im Verwaltungsrat der Suva und reichte 1906 eine Motion für die Schaffung von Schiedsgerichten zur Beilegung von Kollektivstreitigkeiten ein. Als Major der Schweizer Armee wandte er sich gegen den antimilitarist.-internationalist. Flügel der SP, bejahte 1907 die neue Militärorganisation und verteidigte 1916 die Armee als notwendiges Instrument zur Erhaltung der Unabhängigkeit.

Quellen und Literatur

  • Gruner, Bundesversammlung 1, 581
  • L. Specker, «Landammann Heinrich S. (1847-1919)», in Toggenburger Annalen 3, 1976, 53-65
  • L. Specker, "Links aufmarschieren": Aus der Frühgesch. der Ostschweizer Arbeiterbewegung, 2010
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