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JohannesBaumann

Offizielles Porträt von Johannes Baumann, aufgenommen zum Zeitpunkt seiner Demission 1940 (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich, Actualités suisses Lausanne; Fotografie Presse-Diffusion).
Offizielles Porträt von Johannes Baumann, aufgenommen zum Zeitpunkt seiner Demission 1940 (Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich, Actualités suisses Lausanne; Fotografie Presse-Diffusion).

27.11.1874 Herisau, 8.9.1953 Herisau, reformiert, von Herisau. Sohn des Stickereifabrikanten und späteren Kassiers der kantonalen Gebäudeassekuranz Johannes, Gross- und Kantonsrats, und der Anna geborene Altherr. Bruder von Ida, Porträtmalerin, und Anna, Malerin. 1905 Hanna Bischofberger, Tochter des Emil, Webfabrikanten, Landwirts und Oberrichters in Rehetobel. Nach dem Besuch der Volksschulen in Herisau und dem Freien Gymnasium in Bern absolvierte er ein Rechtsstudium in Basel, Bern, Leipzig und Zürich, das er 1897 mit dem Doktorat in Bern abschloss. Seine berufliche Karriere begann Johannes Baumann 1898 in einem Zürcher Anwaltsbüro, seine politische Laufbahn 1900 als Ausserrhoder Kantonsrat (Präsident 1904-1905). 1898 Kriminal- und Bezirksgerichtsschreiber, 1899-1905 Verhörrichter und Kantonspolizeidirektor in Trogen. 1905 wurde er in den Regierungsrat gewählt, in dem er die Militär- und Polizeidirektion übernahm. 1910-1913, 1916-1919, 1921-1924 und 1927-1930 bestimmte ihn die Landsgemeinde zum Landammann. 1931 trat er aus der Kantonsregierung zurück. In seiner Amtszeit initiierte er eine Altersversicherung, eine Elementarschaden- und Arbeitslosenversicherung (die Erste dieser Art in der Schweiz) und ein Wirtschaftsgesetz. 1911-1934 vertrat er Ausserrhoden als Mitglied der radikal-demokratischen Fraktion im Ständerat (1920-1921 Präsident). In der kleinen Kammer profilierte er sich vor allem als Verfechter des eidgenössischen Strafgesetzbuches und als Präsident der Finanzkommission. Nach seiner Wahl in den Bundesrat 1934 (Präsident 1938) übernahm er das eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement, dem er bis zu seinem Rücktritt aus der Landesregierung 1940 vorstand. Sein Name steht für die Einführung des Strafgesetzbuchs, die Alkoholgesetzrevision, das Beamtengesetz, die Revision des Obligationenrechts, das landwirtschaftliche Entschuldungsgesetz sowie die Verstärkung des Staatsschutzes (Schöpfer der Bundespolizei 1935, Verbot der Zentrale der NSDAP-Auslandsorganisation 1936) und den Entwurf für ein Militärstrafgesetz.

Plakat gegen die Einführung des Schweizerischen Strafgesetzbuchs von Noël Fontanet (Privatsammlung).
Plakat gegen die Einführung des Schweizerischen Strafgesetzbuchs von Noël Fontanet (Privatsammlung). […]

Im Ersten Weltkrieg Kommandant des Appenzeller Bataillons 83, 1922 Oberst. Präsident der Appenzellischen Offiziersgesellschaft. 1919-1931 erster Präsident der Fortschrittlichen Bürgerpartei Appenzell Ausserrhodens (Nachfolgepartei der kantonalen FDP), Mitglied des Zentralvorstands der FDP der Schweiz. 1914-1933 Präsident der Kantonalbankverwaltung, Verwaltungsrat der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke 1914-1929, der NOK 1928-1934, Aufsichtsrat der Rentenanstalt 1920-1934, Bankrat der Schweizerischen Nationalbank 1932-1934, Verwaltungsratspräsident des Kraftwerks Rupperswil-Auenstein, Präsident des Schweizerischen Vereins zur Verbreitung guter Schriften. Mitglied der Zofingia.

Baumann gehörte nicht zu den prominenten Bundesräten seiner Zeit, schuf aber bedeutende Gesetzeswerke und war darum bemüht, dem Nationalsozialismus eine einige, demokratische Schweiz gegenüberzustellen. Er befürwortete deshalb den Einbezug der Sozialdemokraten in den Bundesrat. In eigentlichem Widerspruch zu seinem Selbstverständnis als Verteidiger der demokratischen Grundrechte stand seine umstrittene fremdenpolizeiliche Praxis (Duldung des «J» in deutschen Pässen).

Quellen und Literatur

  • Rechtsgesch. der ref. Kirche von Appenzell Ausserrhoden, 1897
  • BAR, Nachlass
  • Gruner, Bundesversammlung 1, 509 f.
  • Altermatt, Bundesräte, 384-388
  • Appenzeller Ztg., 16.12.1997
  • G. Kreis, Die Rückkehr des J-Stempels, 2000, 39-44
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Thomas Fuchs: "Baumann, Johannes", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10.06.2004. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/004139/2004-06-10/, konsultiert am 19.08.2022.