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Johannes von Viktring

Erstmals erw. 1312, zwischen dem 30.6.1345 und 31.10.1347 . 1312 erfolgte J.s Wahl zum Abt des Zisterzienserklosters Viktring in Kärnten. Die sprachl. Analyse seiner Werke lässt auf eine Herkunft aus dem bayr.-österr. Sprachgebiet schliessen. J. war Hofkaplan und Rat von Hzg. Heinrich von Kärnten. 1335 wurde er Kaplan des neuen Landesherrn, Albrecht II. von Österreich, und 1342 des Patriarchen Bertrand von Aquileia. In den Quellen erscheint J. mehrfach als polit. Vermittler. Er verfasste eine als "Liber certarum historiarum" bekannte Chronik in mind. sechs Bearbeitungen. Der Schwerpunkt liegt auf der Geschichte der österr. Herzöge bis 1343. Darin findet sich ein früher Beleg für die Niederlage Leopolds bei Morgarten. Aus diesem Grund reklamierte die national orientierte schweiz. Forschung J. für die Schweizer Geschichte. Allerdings ist dieser von der Augenzeugenschaft weit entfernt. Wie sein Zeitgenosse Johannes von Winterthur griff er bei der Beschreibung des "freien Volks" der Schweizer, das den Steinböcken gleich Steine von den Berghängen herunterkollern liess, auf die alttestamentar. Bildsprache zurück. J. schrieb zudem eine kurze "Cronica Romanorum", die seine breite Bildung verrät. Aufgrund stilist. und sprachl. Eigenheiten wurden ihm auch eine Gründungsgeschichte Viktrings zugeschrieben sowie auf der Basis wörtl. Übereinstimmungen mit der Chronik und einem typ. Bearbeitungsstil eine Enzyklopädie zum Kriegswesen, die Hzg. Otto von Österreich gewidmet ist und vor 1335 entstanden sein muss.

Quellen und Literatur

  • A. Fournier, Abt J. und sein Liber certarum historiarum, 1875
  • F. Schneider, «Studien zu J.», in Neues Archiv der Ges. für ältere dt. Geschichtskunde [...] 28, 1903, 137-191; 29, 1904, 395-442
  • F. Schneider, «Zur Überlieferungsgeschichte J.s», in Carinthia 1 103, 1903, 117-130
  • M. Schnitzer, Die Morgartenschlacht im werdenden schweiz. Nationalbewusstsein, 1969
  • H. Fichtenau, «Herkunft und Sprache J.s», in Carinthia 1 165, 1975, 25-39
  • VL 4, 1983, 789-793, (mit Werkverz.)
  • W. Stelzer, «Ein Neufund zu J.», in Kärntner Landesgesch. und Archivwiss., hg. von W. Wadl, 2001, 131-160
  • K. Ubl, A. Sauter, «J. als Autor des Speculum militare», in DA 57, 2001, 515-553
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