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Josef KarlBenziger

7.8.1821 Einsiedeln, 23.7.1890 St. Fiden, katholisch, von Einsiedeln. Teilhaber des Benziger Verlags in Einsiedeln, liberaler Nationalrat, Schwyzer Kantonsrat und Divisionskriegskommissär im Neuenburgerhandel.

Porträt von Josef Karl Benziger. Lithografie aus der Schweizerischen Portrait-Gallerie, erschienen 1888-1907 bei Orell Füssli in Zürich (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern).
Porträt von Josef Karl Benziger. Lithografie aus der Schweizerischen Portrait-Gallerie, erschienen 1888-1907 bei Orell Füssli in Zürich (Schweizerische Nationalbibliothek, Bern).

Josef Karl Benziger wurde in die Politiker- und Unternehmerfamilie Benziger aus Einsiedeln geboren. Sein Vater Karl Benziger gründete 1833 zusammen mit seinem Onkel Nikolaus Benziger die Verlagsfirma Gebr. Karl & Nicolaus Benziger (Benziger Verlag), die Benziger zusammen mit seinen jüngeren Brüdern Martin und Joseph Nicholas Adelrich Benziger sowie drei Cousins später übernehmen sollte. Seine Mutter war Anna Maria geborene Meyer, die Tochter eines Wirts aus Oberägeri. Am 7. September 1845 heiratete er Magdalena von Reding von Biberegg, eine Angehörige eines alten Schwyzer Patriziergeschlechts. Sie war die Tochter des kurz vor seinem Tod zum eidgenössischen Kanzleidirektor ernannten Balthasar von Reding.

Josef Karl Benziger besuchte die Primar- und die Klosterschule in Einsiedeln und anschliessend die Kantonsschule in Zug. Es folgten eine humanistische Bildung im Jesuitenkolleg St. Michael in Freiburg, der Besuch einer Handelsschule in Genf und längere Sprachaufenthalte in Rom und Neapel. 1840 trat er in Einsiedeln als Buchhalter und Korrespondent ins Familiengeschäft ein. Von 1860 bis 1880 war er Teilhaber und leitete zusammen mit seinem Cousin Nikolaus Benziger, welcher seine Schwester Meinrada Josefa Benziger geheiratet hatte, die kommerzielle Abteilung des Benziger Verlags.

Familienporträt von Josef Karl Benziger und Magdalena von Reding von Biberegg. Fotografie Atelier Marianus Schönbächler, um 1856 (Archiv Stiftung Kulturerbe Einsiedeln, Zbd. 14).
Familienporträt von Josef Karl Benziger und Magdalena von Reding von Biberegg. Fotografie Atelier Marianus Schönbächler, um 1856 (Archiv Stiftung Kulturerbe Einsiedeln, Zbd. 14). […]

Im öffentlichen Leben war Benziger zunächst Bezirksrichter und von 1856-1872 Kantonsrichter (bis 1865 Ersatzmann). 1863 wurde er als Kandidat der Liberalen in den Nationalrat gewählt. 1866 trat er auf äusseren Druck nicht mehr zur Wiederwahl an, nachdem er sich für die im Kanton Schwyz verworfene Teilrevision der Bundesverfassung ausgesprochen hatte. 1864-1887 gehörte er dem Schwyzer Kantonsrat an, den er 1874-1875 präsidierte. 1872 errang Benziger ein Regierungsratsmandat, schlug die Wahl aufgrund zeitlicher Überlastung aber aus. Politisch ein Mann der Mitte, neigte er in jüngeren Jahren zu gemässigt liberalen Positionen, später wurde er dem konservativen Lager zugerechnet.

Neben der geschäftlichen und politischen Laufbahn verfolgte Benziger auch eine militärische Karriere. 1847 war er Quartiermeister im Sonderbundskrieg, 1849 Brigadekriegskommissär im Tessin, 1856-1857 im Neuenburgerhandel Oberstleutnant und Divisionskriegskommissär im Thurgau. Nach seinem militärischen Grad wurde er in der Familie und von der Belegschaft seiner Firma «Oberst Benziger» genannt.

Porträts von Josef Karl Benziger. Links: Fotografie von J. Keller, Zürich, um 1860. Rechts: Fotografie Atelier Gebrüder Täschler, St. Fiden, um 1880 (Archiv Stiftung Kulturerbe Einsiedeln).
Porträts von Josef Karl Benziger. Links: Fotografie von J. Keller, Zürich, um 1860. Rechts: Fotografie Atelier Gebrüder Täschler, St. Fiden, um 1880 (Archiv Stiftung Kulturerbe Einsiedeln).

Benziger war fest verankert in kirchlich-katholischen Netzwerken, pflegte aber Kontakte darüber hinaus, etwa zu Zürcher Unternehmerkreisen. Er war Präsident der von seinem Vater geschaffenen Stiftungsgesellschaft zur Gründung eines Krankenhauses in Einsiedeln und Förderer der allgemeinen Wohlfahrt. 1880 übersiedelte er in das von seiner Frau in die Ehe gebrachte Herrenhaus Feldli in Schwyz, das zuvor als Sommer- und Wochenendsitz gedient hatte. Er starb am 23. Juli 1890 in St. Fiden auf Besuch bei einem Schwiegersohn an einem Herzinfarkt.

Quellen und Literatur

  • Stiftung Kulturerbe Einsiedeln, Einsiedeln, Nachlassarchiv Benziger Verlag.
  • Bote der Urschweiz, 26.7.1890 (Nachruf).
  • Einsiedler Anzeiger, 26.7.1890 (Nachruf).
  • Benziger, Karl Josef: Geschichte der Familie Benziger von Einsiedeln, Schweiz, 1923.
  • Gruner, Erich (Hg.): Die Schweizerische Bundesversammlung 1848-1920, Bd. 1, 1966, S. 307-308.
  • Nauer, Heinz: Fromme Industrie. Der Benziger Verlag Einsiedeln 1750-1970, 2017. Online: Zenodo, konsultiert am 6.12.2019.
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