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NikolausBenziger

19.2.1830 Einsiedeln, 24.11.1908 Einsiedeln, katholisch, von Einsiedeln. Teilhaber des Benziger Verlags in Einsiedeln, konservativer Schwyzer Regierungs-, National- und Ständerat.

Nikolaus Benziger anlässlich seiner goldenen Hochzeit. Fotografie, Sachseln, 1904 (Archiv Stiftung Kulturerbe Einsiedeln, Zbd.16.d).
Nikolaus Benziger anlässlich seiner goldenen Hochzeit. Fotografie, Sachseln, 1904 (Archiv Stiftung Kulturerbe Einsiedeln, Zbd.16.d). […]

Nikolaus Benziger war der älteste Sohn von Nikolaus Benziger und Aloisia geborene Benziger. Sein Vater besass zusammen mit seinem Onkel Karl Benziger den katholischen Benziger Verlag, den Benziger später mit seinen jüngeren Brüdern Adelrich und Louis Benziger sowie drei Cousins übernahm. Am 31. Juli 1854 heiratete er seine Cousine ersten Grades Meinrada Josefa Benziger, was die Allianz der beiden am Geschäft beteiligten Zweige der Familie Benziger nachhaltig stärkte.

Ab 1836 besuchte Benziger die Primarschule in Einsiedeln, anschliessend das Institut von August Peter in La Neuveville am Bielersee und 1841-1848 das Gymnasium an der katholischen Kantonsschule St. Gallen. Danach belegte er juristische und philosophische Vorlesungen an der Universität München, besuchte ein Jahr lang eine Handelshochschule in Paris, wo unter anderen der französische Nationalökonom Adolphe Jérôme Blanqui zu seinen Lehrern gehörte, und absolvierte einen mehrmonatigen Sprachaufenthalt in Rom. Viele in dieser Zeit geknüpfte Kontakte – etwa in Studentenverbindungen – hielten sein Leben lang.

1850 trat er in Einsiedeln ins Familiengeschäft ein, wo er 1860 Teilhaber und zusammen mit seinem Cousin Josef Karl Benziger Leiter der kommerziellen Abteilung wurde. Er war Mitinitiant der katholischen Unterhaltungszeitschrift Alte und Neue Welt und Verleger zahlreicher Gebets-, Erbauungs- und Schulbücher. 1886 trat er im Zuge eines Generationenwechsels aus dem Geschäft aus, blieb diesem aber weiterhin eng verbunden.

Der Einsiedlerhof, das Wohnhaus von Nikolaus Benziger in Einsiedeln. Fotografie, um 1900 (Sammlung Werner Oechslin, Einsiedeln).
Der Einsiedlerhof, das Wohnhaus von Nikolaus Benziger in Einsiedeln. Fotografie, um 1900 (Sammlung Werner Oechslin, Einsiedeln). […]

Schon früh versah Benziger politische Ämter. Er war Bezirksrichter (1852), dann Bezirksrat und Bezirksstatthalter (1856-1872). Von 1872 bis 1908 gehörte er dem Schwyzer Kantonsrat an, den er 1876-1877 präsidierte. 1872 wurde er in den Schwyzer Regierungsrat gewählt, aus dem er zwei Jahre später wegen Arbeitsüberlastung wieder zurücktrat. Sein politisches Hauptaugenmerk galt dem Bildungswesen. Er war von 1854-1858 und 1872 Schulratspräsident in Einsiedeln, 1888-1898 Präsident des kantonalen Lehrerseminars, langjähriger Erziehungsrat und Präsident der schwyzerischen Lehreralterskasse. Nach einem heftig geführten Wahlkampf wurde er 1883 in den Nationalrat gewählt, 1905 folgte die Wahl in den Ständerat. Seinen Zeitgenossen galt er als gemässigter Konservativer und unideologischer Föderalist. Als Nationalrat gehörte er unter anderen den Kommissionen zum Zoll-, Post-, Telefon- und Eisenbahnwesen an, 1900-1905 war er Eisenbahnrat des Kreises III. Als Freund des technischen Fortschritts förderte er Modernisierungsprojekte in der Region Einsiedeln. Er war 1869 zusammen mit Stephan Steinauer Stifter der Waisenanstalt Maria End sowie Mitinitiant und Verwaltungsrat der 1877 eröffneten Wädenswil-Einsiedeln-Bahn.

Benziger war im sich herausbildenden katholischen Milieu tief verankert. Er vertrat den Benziger Verlag im Vorstand des Schweizerischen Buchhändlervereins, war Mitglied des Schweizerischen Lehrervereins, des Freiburger Hochschulvereins und des Vereins für katholische Wissenschaft und Kunst. Er gründete zudem die Einsiedler Sektion der Inländischen Mission und sass im Verwaltungsrat des Katholischen Cultusvereins in Luzern. Im katholischen Piusverein amtierte er als Mitglied des Zentralkomitees und Präsident der Sektion Einsiedeln. 1891 war Benziger Festredner an der schweizerischen Bundesfeier in New York, wo zwei seiner Söhne eine Filiale des Benziger Verlags leiteten. Seine Frau Meinrada Josefa unterstützte ihren Mann im familiären, geschäftlichen und öffentlichen Leben. Nikolaus Benziger starb am 24. November 1908 in Einsiedeln in dem 1873 als Wohnsitz erworbenen ehemaligen Kanzlerhaus Einsiedlerhof.

Quellen und Literatur

  • Stiftung Kulturerbe Einsiedeln, Einsiedeln, Nachlassarchiv Benziger Verlag.
  • Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern, Luzern, Briefe an Nationalrat Nikolaus Benziger, MS.N.49.
  • Einsiedler Anzeiger, 25.11.1908 (Nachruf).
  • Neue Zürcher Nachrichten, 25.11.1908 (Nachruf).
  • Benziger, Karl Josef: Geschichte der Familie Benziger von Einsiedeln, Schweiz, 1923.
  • Gruner, Erich (Hg.): Die Schweizerische Bundesversammlung 1848-1920, Bd. 1, 1966, S. 308.
  • Nauer, Heinz: Fromme Industrie. Der Benziger Verlag Einsiedeln 1750-1970, 2017. Online: Zenodo, konsultiert am 6.12.2019.
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