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Johann JakobBlumer

29.8.1819 Glarus, 12.11.1875 Lausanne, reformiert, von Glarus und Schwanden (GL). Sohn des Adam, Kaufmanns, Zeugherrn, Appellationsrichters, Gemeindepräsidenten, und der Anna Katharina, Tochter des Joachim Heer. Enkel des Johann Jakob (->). 1843 Susanna, Tochter des Cosmus Heer. 1834-1836 Gymnasium in Schaffhausen, 1836-1840 Rechtsstudium in Lausanne, Zürich, Bonn und Berlin. Seine berufliche Laufbahn führte über das glarnerische Zivilgericht (1841-1848) an das kantonale Appellationsgericht (1848-1874, Präsident) und das Bundesgericht (1848-1875, 1874 erster Präsident des ständigen Bundesgerichts). Daneben wirkte Blumer 1840-1865 als Landesarchivar, 1851-1854 als Redaktor der "Glarner Zeitung", zudem als Korrespondent der NZZ und als Verfasser rechtshistorischer und insbesondere staatsrechtlicher Werke von aussergewöhnlichem Rang. Als Landrat ab 1842, Ratsherr 1864-1870 und Gemeinderat von Glarus 1860-1874 (Präsident 1866-1874) wurde Blumer mit dem Entwurf zum kantonalen Fabrikgesetz 1864, dem Strafgesetzbuch 1867, dem Zivilgesetzbuch 1869-1874, der revidierten Zivil- und Strafprozessordnung 1860 und 1871 zum bedeutendsten Gesetzgeber des Landes Glarus.

Blumer, ein überzeugter Anhänger des Bundesstaats, war 1847 Tagsatzungsgesandter und 1848 Präsident der Kommission zur Bestimmung des Bundessitzes. 1848-1872 und nach gesundheitsbedingtem Rücktritt nochmals 1873-1874 vertrat er Glarus im Ständerat (1853 erster Glarner im Präsidialamt). Als Liberaler und Gegner des radikalen Antiklerikalismus stand er politisch seinem Freund Alfred Escher nahe. Ab 1861 präsidierte er die ständige Rekurskommission, ab 1865 wiederholt die Kommission zur Revision der Bundesverfassung. Blumer war 1853 Mitglied der Gründungskommission der Eisenbahn Rapperswil-Glarus und des erweiterten Komitees der Südostbahn, 1855-1874 Verwaltungsrat der Bank in Glarus (Präsident 1863), 1860-1872 Verwaltungsrat der Rentenanstalt. Er befürwortete 1854 die Schaffung einer eidgenössischen Hochschule und war 1863 Gründer des Historischen Vereins des Kantons Glarus. Mit seinem "Handbuch des schweizerischen Bundesstaatsrechts" gilt Johann Jakob Blumer als eigentlicher Begründer der schweizerischen Bundesstaatstheorie.

Quellen und Literatur

  • Staats- und Rechtsgesch. der schweiz. Demokratien oder der Kt. Uri, Schwyz, Unterwalden, Glarus, Zug und Appenzell, 2 Tl. (3 Bde.), 1850-59
  • Hb. des schweiz. Bundesstaatsrechts, 2 Bde., 1863-65 (21877-87, 3 Bde.)
  • Urkundenslg. zur Gesch. des Landes Glarus, 2 Bde., 1865-80
  • LAG, Nachlass
  • NDB 2, 334
  • Gruner, Bundesversammlung 1, 348 f.
  • Glarus und die Schweiz, 1991, 82
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Hans Laupper: "Blumer, Johann Jakob", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 05.12.2014. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/004424/2014-12-05/, konsultiert am 25.06.2022.