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Johann RudolfGeigy-Merian

Bildnis Johann Rudolf Geigy-Merian. Fotografie, 1896 (Firmenarchiv der Novartis AG, Basel, Geigy FB 1/7).
Bildnis Johann Rudolf Geigy-Merian. Fotografie, 1896 (Firmenarchiv der Novartis AG, Basel, Geigy FB 1/7).

4.3.1830 Basel, 17.2.1917 Basel, reformiert, von Basel. Sohn des Karl Geigy (->) und der Sophie geb. Preiswerk. Maria Merian, Tochter des Samuel, Kaufmanns, Seidenbandfabrikanten und Ratsherrn in Basel. Von ihrer ökonomischen, sozialen und familiären Stellung her waren sowohl Vater Carl als auch der Schwiegervater Samuel Merian-Merian typische Vertreter des "patrizischen" Basler Grossbürgertums. Johann Rudolf Geigy absolvierte nach dem Gymnasium eine dreijährige Lehrzeit im väterlichen Geschäft; anschliessend verbrachte er fünf Jahre als Kaufmann in Frankreich, England und Indien. 1854 trat Geigy in die Familien-Firma ein. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Farbwarenhandlung und Extraktfabrik "J.R. Geigy" zur Produktionsstätte für synthetische Farbstoffe (Anilinfarben), d.h. zum modernen Unternehmen der chemischen Industrie, das Geigy aber noch bis ins 20. Jahrhundert hinein in patriarchalischer Manier als Familienunternehmen führte. Für seine Verdienste als Förderer der synthetischen Farbenchemie verlieh ihm die Universität Basel 1910 den Titel eines Dr. h.c.

Als Wirtschaftspolitiker gehörte Geigy zu den Vertretern des Liberalismus und insbesondere des Freihandels. Er war Mitbegründer der Basler Handelskammer (1891-1898 Präsident) und 1882-1898 Mitglied der Schweizerischen Handelskammer. Zusammen mit seinem Schwager Alphons Koechlin und einigen Privatbankiers gründete Geigy 1863 die Basler Handelsbank, deren Verwaltungsratspräsident er 1893-1913 war. Als Verkehrspolitiker sass Geigy in den Verwaltungsräten der Gotthardbahn und der Schweizerischen Centralbahn. Er amtierte in Basel als Zivilrichter (1857-1864) und Appellationsrichter (1864-1879). 1864 wurde er als Anhänger des sogenannten Juste-Milieu in den Basler Grossen Rat gewählt. 1879-1887 war Geigy Mitglied des Nationalrats. Wirtschaftspolitisch machte er sich auf eidgenössischer Ebene vor allem für freihändlerische Positionen in Handelsverträgen stark (1881 Referent im Nationalrat über den Handels- und Literarvertrag mit Deutschland, 1882 über den Handelsvertrag mit Frankreich; 1883 bundesrätlicher Delegierter bei den Verhandlungen mit Italien). Er verfocht in der Frage der Notenbankgesetzgebung (1881-1897) eine zentralistische Lösung und nahm entscheidenden Einfluss auf die Ausgestaltung des Alkoholmonopols (1887). Im Nationalrat genoss Geigy den Ruf völliger Unabhängigkeit und grosser fachlicher Kompetenz; nach dem Tode von Alfred Escher galt er als eine der massgebenden Personen in Wirtschaftsfragen. Als publizistisches Instrument diente Geigy die "Schweizer Grenzpost", welche er 1880 erwarb und zu einer parteipolitisch vermittelnden, wirtschaftspolitisch liberal gesinnten Zeitung machte. Der von einer starken christlichen Überzeugung geprägte Geigy (Mitglied der Synode der Evangelisch-reformierten Landeskirche in Basel 1874-1912) nahm in sozialpolitischen Fragen eine mehrheitlich fortschrittliche Haltung ein: So plädierte er etwa 1890, mit Blick auf die englische Gewerkschaftsbewegung, für die umfassende gewerkschaftliche Organisation der Arbeiterschaft, weil sonst "ein Theil des Volkes der Willkür des andern wehrlos ausgeliefert ist" (Schweizer Grenzpost, 17.-20. November 1890).

Quellen und Literatur

  • A. Bürgin, Gesch. des Geigy-Unternehmens von 1758 bis 1939, 1958
  • Gruner, Bundesversammlung 1, 446 f.
Weblinks
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Kurzinformationen
Variante(n)
Johann Rudolf Geigy (Taufname)
Lebensdaten ∗︎ 4.3.1830 ✝︎ 17.2.1917

Zitiervorschlag

Philipp Sarasin: "Geigy-Merian, Johann Rudolf", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 20.11.2006. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/004500/2006-11-20/, konsultiert am 01.10.2022.