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ElisabethKopp

16.12.1936 Zürich, reformiert, von St. Gallen, nach der Heirat von Niederönz, Luzern und Zumikon. Juristin, freisinnige Nationalrätin des Kantons Zürich und erste Bundesrätin der Schweiz.

Elisabeth Iklé, Tochter des Max Iklé, Leiters der Eidgenössischen Finanzverwaltung und späteren Direktoriumsmitglieds der Schweizerischen Nationalbank, und der Beatrix geborene Heberlein, Hausfrau, stammt aus einer St. Galler Textilindustriellenfamilie. Sie ist die Enkelin des freisinnigen Politikers und Textilunternehmers Georges Heberlein und des Maschinenstickereifabrikanten Adolph Iklé. Aufgewachsen mit zwei Schwestern in Muri bei Bern, besuchte sie das Gymnasium in Bern. Während ihres Rechtsstudiums an der Universität Zürich war sie in der Studentischen Direkthilfe Schweiz-Ungarn (SDSU) aktiv, die ab Oktober 1956 Hilfsgüterlieferungen nach Ungarn und Flüchtlingstransporte organisierte sowie die ungarischen Studierenden in der Schweiz betreute. 1957 trat sie dem Frauenhilfsdienst der Armee und der Schweizerischen Vereinigung der Freisinnig-Demokratischen Frauen bei. Sie schloss ihr Studium 1960 mit dem Lizenziat ab und heiratete im gleichen Jahr den Rechtsanwalt Hans W. Kopp, mit dem sie nach Zumikon zog. 1963 brachte sie eine Tochter zur Welt, deren Betreuung bis 1970 ihre Haupttätigkeit war.

Aktiv im lokalen Frauenverein und Vorstandsmitglied der Zürcher Frauenzentrale, wurde Elisabeth Kopp 1970 Gemeinderätin von Zumikon und 1974 – als erste Frau im Kanton Zürich – Gemeindepräsidentin. 1972-1979 sass sie für die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) im kantonalen Erziehungsrat. Im Nationalrat, in dem sie Zürich ab 1979 vertrat, engagierte sich Kopp besonders für die rechtliche und gesellschaftliche Besserstellung von Frauen sowie für Umweltschutzthemen. 1984 wählten die Parteimitglieder sie zur Vizepräsidentin der FDP Schweiz, an die Seite des bereits amtierenden Präsidenten Bruno Hunziker. Noch im gleichen Jahr unterbreitete die Parteifraktion der Bundesversammlung mit Kopp und Hunziker eine Doppelkandidatur für die Nachfolge von Bundesrat Rudolf Friedrich. Am 2. Oktober 1984 wurde Kopp im ersten Wahlgang mit 124 Stimmen als erste Frau in den Bundesrat gewählt – nur ein knappes Jahr nachdem die Bundesratskandidatin der Sozialdemokratischen Partei (SP), Lilian Uchtenhagen, an der bürgerlichen Parlamentsmehrheit gescheitert war.

Bundesrätin Elisabeth Kopp zusammen mit dem Delegierten für das Flüchtlingswesen Peter Arbenz an der Pressekonferenz zur Aufhebung des Ausschaffungsstopps für Tamilen am 10. März 1986 in Bern. Fotografie von Jürg Mosimann (Ringier Bildarchiv, RBA 3-2-BL40297-1_2) © Staatsarchiv Aargau, Aarau / Ringier Bildarchiv.
Bundesrätin Elisabeth Kopp zusammen mit dem Delegierten für das Flüchtlingswesen Peter Arbenz an der Pressekonferenz zur Aufhebung des Ausschaffungsstopps für Tamilen am 10. März 1986 in Bern. Fotografie von Jürg Mosimann (Ringier Bildarchiv, RBA 3-2-BL40297-1_2) © Staatsarchiv Aargau, Aarau / Ringier Bildarchiv. […]

Kopp übernahm von ihrem Parteikollegen Friedrich das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD). Während ihrer Amtszeit gehörte die Asyl- und Ausländerpolitik zu ihren wichtigsten Themen. Sie schuf 1986 das Amt des Delegierten für das Flüchtlingswesen und verantwortete eine Revision des Asylgesetzes, die als Verschärfung von linken, kirchlichen und entwicklungspolitischen Kreisen kritisiert, in der Abstimmung 1987 von den Stimmberechtigten aber angenommen wurde. Entschieden trat sie gegen die sechste einer Reihe von sogenannten Überfremdungsinitiativen an, die 1988 klar verworfen wurde (Fremdenfeindlichkeit). Auch trug ihr Engagement als Bundesrätin dazu bei, dass das neue Eherecht 1985 an der Urne gutgeheissen wurde, nachdem ein Komitee um Nationalrat Christoph Blocher das Referendum ergriffen hatte. 1986 präsentierte Kopp dem Parlament den Bericht über das Rechtsetzungsprogramm «Gleiche Rechte für Mann und Frau» (Gleichstellung). Ausserdem leitete sie Massnahmen gegen Geldwäscherei ein, stärkte den Kündigungsschutz im Miet- und Arbeitsvertragsrecht, revidierte das Aktienrecht und setzte unter anderem strengere Abgasnormen für Motorräder und Lastfahrzeuge durch.

Elisabeth Kopp. Aufstieg und Fall der ersten Bundesrätin. Beitrag in der Sendung SRF Wissen des Fernsehens der deutschen Schweiz vom 12. April 2003 (Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich, Play SRF).
Elisabeth Kopp. Aufstieg und Fall der ersten Bundesrätin. Beitrag in der Sendung SRF Wissen des Fernsehens der deutschen Schweiz vom 12. April 2003 (Schweizer Radio und Fernsehen, Zürich, Play SRF). […]

Mit einem Telefonat aus dem EJPD am 27. Oktober 1988, in dem Kopp ihrem Mann nahelegte, das Vizepräsidium einer der Geldwäscherei verdächtigten Firma abzulegen, begann die Affäre, die Kopps politische Laufbahn beenden sollte. Medienberichte über Hans W. Kopps Rücktritt und die Frage, ob er unerlaubte Informationen aus dem EJPD erhalten habe, zogen Kopps Amtsführung und ihre Integrität als Bundesrätin innerhalb kurzer Zeit in Mitleidenschaft. Die Bundesräte verweigerten ihrer Kollegin die Unterstützung, die Medien forderten ihre Demission und die FDP-Parteispitze entzog ihr das Vertrauen. Am 12. Dezember 1988, wenige Tage nach ihrer Wahl zur Vizepräsidentin des Bundesrats, gab Elisabeth Kopp ihren Rücktritt bekannt. Der vom Bundesrat zur Untersuchung der Ereignisse beauftragte Staatsanwalt stellte in der Folge fest, dass die Bundesrätin ihre persönliche Mitarbeiterin angewiesen hatte, Hans W. Kopp zu informieren, und beantragte dem Parlament die Aufhebung ihrer Immunität zur Eröffnung eines Strafverfahrens. Daraufhin trat Elisabeth Kopp am 12. Januar 1989 mit sofortiger Wirkung von ihrem Amt zurück. Der Bericht einer von der Bundesversammlung Ende Januar einberufenen Parlamentarischen Untersuchungskommission, der im November 1989 veröffentlicht wurde, bezeichnete ihre Demission als unvermeidbar, brachte aber keine neuen Erkenntnisse zu ihrem Abgang. Am 23. Februar 1990 sprach das Bundesgericht Kopp vom Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung frei, da nicht bewiesen werden konnte, dass sie um die amtliche Herkunft der Informationen, die sie ihrem Mann weitergab, gewusst hatte.

Als Persona non grata zog sich Elisabeth Kopp für etliche Jahre aus der Öffentlichkeit zurück. Sie verfasste unter dem Titel Briefe (1991) ihre Autobiografie und arbeitete als Juristin in Zumikon. Seit den 2000er Jahren tritt sie wieder politisch und publizistisch auf. So setzte sie sich 2002 für den UNO-Beitritt der Schweiz und 2004 für die Einführung einer Mutterschaftsversicherung ein (Mutterschaft). Sie wird nunmehr in ihrer Pionierrolle als erste Frau im Bundesrat gewürdigt, die sich auch gegen die Diskriminierung von Frauen in der Gesellschaft einsetzte. Ob ihr Rücktritt nicht zuletzt deshalb so rasch erfolgte, weil sie als Frau von ihrem Umfeld schneller fallen gelassen wurde, wird in der Forschung diskutiert. Gleichzeitig offenbart ihre Biografie die Verstrickung von Wirtschaft und Politik als Strukturproblem des schweizerischen politischen Systems. Elisabeth Kopp ist seit 1984 Ehrenbürgerin von Unterbäch.

Quellen und Literatur

  • Kopp, Elisabeth: Briefe, 1991 (Autobiografie).
  • Duttweiler, Catherine: Kopp & Kopp. Aufstieg und Fall der ersten Bundesrätin, 1990, 19904 (ergänzte Auflage).
  • Girsberger, Esther: Abgewählt. Frauen an der Macht leben gefährlich, 2004.
  • Brütsch, Andres: Elisabeth Kopp – Eine Winterreise, 2007 (Dokumentarfilm).
  • Lüchinger, René: Elisabeth Kopp. Zwei Leben – ein Schicksal. Aufstieg und Fall der ersten Bundesrätin der Schweiz, 2013.
  • Altermatt, Urs: «Elisabeth Kopp», in: Altermatt, Urs (Hg.): Das Bundesratslexikon, 2019, S. 591-597.
  • Hirter, Hans: Ausgewählte Beiträge zur Schweizer Politik. Dossier: Affäre Kopp, 1988-1990, hg. von Année politique suisse, Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern, abgerufen am 28.9.2021 (mit Quellenmaterial).
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF
Kurzinformationen
Variante(n)
Anna Elisabeth Iklé (Taufname)
Elisabeth Iklé
Elisabeth Kopp-Iklé (Ehename)
Familiäre Zugehörigkeit
Lebensdaten ∗︎ 16.12.1936

Zitiervorschlag

Fabienne Amlinger: "Kopp, Elisabeth", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 10.05.2022. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/004737/2022-05-10/, konsultiert am 29.06.2022.