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KarlBenziger

16.10.1799 Feldkirch, 4.5.1873 Einsiedeln, katholisch, von Einsiedeln. Teilhaber des Benziger Verlags in Einsiedeln, Regierungsrat des Kantons Schwyz, erster Ausserschwyzer Landammann.

Karl Benziger wurde im vorarlbergischen Feldkirch im Exil geboren, wohin seine Eltern, der Verleger, Buch- und Devotionalienhändler Josef Karl Benziger und Margaretha geborene Fuchs, wenige Monate zuvor aus Einsiedeln vor den einmarschierenden französischen Truppen geflohen waren. 1800 kehrte die Familie nach Einsiedeln zurück, wo Karl mit vier jüngeren Geschwistern aufwuchs.

Porträt von Karl Benziger. Fotografie von Jakob Josef Lienhardt, Einsiedeln, nach 1870 (Archiv Stiftung Kulturerbe Einsiedeln).
Porträt von Karl Benziger. Fotografie von Jakob Josef Lienhardt, Einsiedeln, nach 1870 (Archiv Stiftung Kulturerbe Einsiedeln). […]

Benziger besuchte in Einsiedeln die Klosterschule und anschliessend das Jesuitenkolleg St. Michael in Freiburg. 1815 trat er ins väterliche Verlagsgeschäft ein. Sein Vater, der von politischen Ämtern (Bezirksammann, Bezirkssäckelmeister) stark in Anspruch genommen war, übertrug ihm schon früh die Hauptverantwortung für das Geschäft. 1819 heiratete Benziger Anna Maria Meyer, die Tochter eines Wirts aus Oberägeri, welche in der Familienfirma später den Devotionalien- und Rosenkranzladen leitete. 1833 übernahm er das Unternehmen zusammen mit seinem jüngeren Bruder Nikolaus Benziger als Kollektivgesellschaft unter dem Namen Gebr. Karl & Nicolaus Benziger (Benziger Verlag) und erweiterte es um eine eigene Buchdruckerei. In Einsiedeln war er zudem an einer Baumwollspinnerei beteiligt, besass eine Tabakstampfe und führte bis 1853 einen Gastbetrieb in seinem Wohnhaus Hirschen. Im Buch- und Bilderverlag, dem eigentlichen Kerngeschäft, übernahm er die kaufmännische Leitung, während sein Bruder sich um die technischen Betriebe und das verlegerische Programm kümmerte.

Seine politische Laufbahn begann Benziger 1822 als Substitut bzw. 1825 als Richter am Kantonsgericht, 1827 war er Bezirksrat in Einsiedeln, 1829 und 1831 Bezirksammann. Als Bezirkspolitiker setzte er sich für eine Neuverteilung der Allmeindnutzungsrechte ein und geriet darum wiederholt in Konflikt mit dem Kloster Einsiedeln.

Bei der Trennung des Kantons Schwyz in zwei Halbkantone amtete Benziger 1832 als Statthalter des Äussern Landes, wobei er die Wiedervereinigung der entzweiten Teile anstrebte. Unter der Verfassung von 1833 war er Mitglied des Grossen Rats und des Kantonsgerichts. Im politischen Richtungsstreit der folgenden Jahre war Benziger an der Seite seines Weggefährten Nazar von Reding von Schwyz ein Wortführer des liberalen Lagers. Nach der Eskalation der politischen Grabenkämpfe an der sogenannten Prügellandsgemeinde am 6. Mai 1838 in Rothenthurm (Hörner- und Klauenstreit) zog sich Benziger vorübergehend aus der Politik zurück und widmete sich dem Ausbau des Verlagsgeschäfts. Die Lancierung des erfolgreichen Einsiedler Kalenders 1840 ging auf seine Initiative zurück.

Dem katholischen Sonderbund stand Benziger ablehnend gegenüber. An der entscheidenden Landsgemeinde 1847 kurz vor Ausbruch des Sonderbundskriegs riet er zu gütlichem Einlenken, was ihm von seinen politischen Gegnern als Landesverrat ausgelegt wurde. Nach der Niederlage des Sonderbunds wurde er 1848 in den Schwyzer Regierungsrat gewählt, dem er bis 1852 angehörte. 1848-1850 bekleidete er das Amt des Landesstatthalters und 1850-1852, als erster Ausserschwyzer, jenes des Landammanns. 1848-1850 sass er für die Gemeinde Schwyz, 1852-1862 für den Bezirk Einsiedeln im Kantonsrat, den er 1858-1859 präsidierte. Seine politische Tätigkeit war hauptsächlich auf das Bildungswesen ausgerichtet. Er veranlasste den Bau diverser Schulgebäude und kam persönlich für die Aus- und Weiterbildung von jungem Lehrpersonal auf.

Benziger war Mitgründer einer Ersparniskasse in Einsiedeln und Mitglied der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft, des Historischen Vereins der Fünf Orte und mehrerer lokaler Vereine. Nach dem Tod seiner Frau 1861 gründete er eine Stiftung zur Errichtung eines Krankenhauses in Einsiedeln. Sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte er zurückgezogen im Kreis seiner Familie.

Neuere Forschungsarbeiten (Feusi, 2001; Horat, 2012) würdigen Karl Benziger als eine der wichtigsten Figuren der schwyzerischen Politik im 19. Jahrhundert. Als Unternehmer und Angehöriger der lokalen Oberschicht verkörperte er einen neuen Typus der soziopolitischen Elite im aristokratisch-grossbäuerlich geprägten Kanton. Er befürwortete einen gemässigten Fortschritt und vertrat vor allem in jungen Jahren dezidiert liberale Positionen. Zu kirchenfeindlichen Einstellungen hielt er stets kritische Distanz.

Quellen und Literatur

  • Stiftung Kulturerbe Einsiedeln, Einsiedeln, Nachlassarchiv Benziger Verlag.
  • Kothing, Martin: «Landammann Josef Carl Benziger. Buchhändler in Einsiedeln: geb. 16. October 1799, gest. 4. Mai 1873», in: Schweizerische Zeitschrift für Gemeinnützigkeit, 1873 (Sonderdruck).
  • Benziger, Karl Josef: Geschichte der Familie Benziger von Einsiedeln, Schweiz, 1923.
  • Feusi, Dominik: Vom «Bättichrämer» zum Landammann. Konfessionalisierung zwischen 1830 und 1850 im Kanton Schwyz am Beispiel von Josef Karl Benziger (1799-1873), Buchhändler, Verleger und Politiker, Lizentiatsarbeit, Universität Bern, 2001.
  • Horat, Erwin: «Vom Stand zum Kanton Schwyz», in: Historischer Verein des Kantons Schwyz (Hg.): Geschichte des Kantons Schwyz, Bd. 4, 2012, S. 45-65.
  • Nauer, Heinz: Fromme Industrie. Der Benziger Verlag Einsiedeln 1750-1970, 2017. Online: Zenodo, konsultiert am 6.12.2019.
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Josef Karl Benziger
Familiäre Zugehörigkeit
Lebensdaten ∗︎ 16.10.1799 ✝︎ 4.5.1873