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Johann CasparSieber

Porträt, bei der Lithographischen Genossenschaft Zürich um 1860 gedruckt (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).
Porträt, bei der Lithographischen Genossenschaft Zürich um 1860 gedruckt (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).

12.12.1821 Seebach (heute Gem. Zürich), 22.1.1878 Hottingen (heute Gem. Zürich), ref., dann konfessionslos, von Seebach. Sohn des Diethelm, Bauern, und der Regula geb. Christinger. Ledig. Dorfschule, Landknabeninstitut und Industrieschule in Zürich, 1837-39 Lehrerseminar Küsnacht (ZH), Abschluss als Sekundarlehrer. Versch. Vikariate, 1841-43 Sekundarlehrer in Wetzikon (ZH), Entlassung wegen Amtspflichtverletzung und fünfjähriges Berufsverbot für den Kanton. 1843 Lehrerpatent des Kt. St. Gallen, 1844 Aberkennung desselben aus polit. Gründen. 1845-47 Lehrer in Murten, Wegweisung wegen Aktivitäten gegen die konservative Regierung. Von Bern aus 1847 Teilnahme am Sonderbundskrieg als Freiwilliger gegen Freiburg. Rückkehr nach Murten. 1848 Gründer und Redaktor des "Wächters", wegen radikaler Forderungen erneute Ausweisung. 1848-50 Redaktor der "Berner Zeitung". 1850-69 in Uster. Verweser, ab 1853 Sekundarlehrer. Anfang der 1850er Jahre Anhänger des Frühsozialisten Johann Jakob Treichlers, 1854-58 Zürcher Grossrat. Ab 1860 Vorkämpfer der Demokrat. Bewegung, 1860-61 Präs. der Zürcher Schulsynode, 1864 Gründer und bis 1868 Redaktor des "Unabhängigen", 1867 Zusammenarbeit mit Salomon Bleuler, 1868-69 Verfassungsrat, Mitglied der 35er-Kommission, einer der Väter der neuen Verfassung. 1869-72 sowie 1872-78 Zürcher Regierungsrat ( ab 1869 Erziehungswesen, ab 1875 Sanitätswesen, ab 1877 Direktion des Inneren).

Beeinflusst von Ignaz Thomas Scherr, sah der Bildungspolitiker S. in der Erziehung des Menschen zum mündigen Bürger zugleich einen Beitrag zur Lösung der sozialen Frage. Als Regierungsrat suchte er seine Ziele in einem umfassenden Unterrichtsgesetz zu realisieren; die Vorlage scheiterte aber 1872 in der Volksabstimmung an den zahlreichen Neuerungen, und S. wurde im Juni abgewählt. Nachdem er seinen Regierungssitz in einer Ersatzwahl im September wiedergewonnen hatte, verwirklichte er einzelne Punkte seines Programms, darunter die Gründung des Technikums in Winterthur.

Quellen und Literatur

  • Paul-Kläui-Bibliothek, Uster, Nachlass
  • R. Renschler, Die Linkspresse Zürichs im 19. Jh., 1967, 208-212
  • T. Koller, Volksbildung, Demokratie und soziale Frage, 1987
  • M. Köhler, Johann Caspar S., 2003
  • M. Lengwiler et al., Schule macht Gesch., 2007
  • NDB 24, 322 f.
Weblinks
Normdateien
GND
VIAF

Zitiervorschlag

Bürgi, Markus: "Sieber, Johann Caspar", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 24.02.2011. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/005898/2011-02-24/, konsultiert am 01.12.2021.