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WalterMuschg

Der Schweizer Literaturhistoriker um 1940 © KEYSTONE/Photopress.
Der Schweizer Literaturhistoriker um 1940 © KEYSTONE/Photopress.

21.5.1898 Witikon (heute Gem. Zürich), 6.12.1965 Basel, ref., von Zollikon. Sohn des Friedrich Adolf, Primarlehrers, und der Hermine geb. Isler. Bruder der Elsa (->), Halbbruder des Adolf (->). Elli Zollikofer. Stud. der Germanistik, Psychologie und klass. Philologie an der Univ. Zürich, 1922 Promotion, 1927 Habilitation an der Univ. Zürich. 1936-65 o. Prof. für dt. Sprache und Literatur an der Univ. Basel, 1949 Rektor. 1939-43 LdU-Nationalrat, 1939-50 Mitglied des Stiftungsrats der Pro Helvetia. Der auch politisch engagierte M., der als Nationalrat gegen das Vollmachtenregime opponierte, war in Anlehnung an Max Kommerell in seinem Dichtungsverständnis vom Elitebewusstsein des Eingeweihten geprägt, grenzte sich aber von der völk. Literaturwissenschaft eines Josef Nadler ab. In seinem Hauptwerk "Tragische Literaturgeschichte" (1948, 62006) führte er das Dichterische auf die "Urformen" des Magiers, des Sängers und des Sehers zurück und favorisierte mit den "biografischen Produktivkräften" Armut, Leiden, Schuld und Liebe eine Literaturbetrachtung, die in der Gefährdung die eigentl. Grösse von Dichtung erkennt. Gegen den Klassizismus Emil Staigers wurde er dadurch zum germanist. Advokaten des Expressionismus, dessen Untergang er 1956 im Werk "Die Zerstörung der deutschen Literatur" beklagte. Einen weiteren Zeugen seiner Dichtungsauffassung fand er in Jeremias Gotthelf ("Gotthelf als Erzähler" 1931), dessen populärer Verharmlosung durch den Hörspielautor Ernst Balzli er in den 1950er Jahren entgegentrat.

Quellen und Literatur

  • Die dichter. Phantasie, hg. von E. Muschg-Zollikofer, 1969, (mit Werkverz.)
  • J. Schütt, Germanistik und Politik, 1996
  • Walter M. zum 100. Geburtstag, hg. von K. Pestalozzi, M. Stingelin, 1999
  • D. Müller, «Walter M.s "echter" Gotthelf», in Schreiben gegen die Moderne, hg. von C. Caduff, M. Gamper, 2001, 111-132
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