de fr it

Lyon

Hauptort des französischen Departements Rhône und der Region Rhône-Alpes. 2004 465'300 Einwohner. Lyon geht auf eine Römerkolonie zurück, die 43 v.Chr. am Platz einer früheren keltischen Siedlung beim Zusammenfluss von Saône und Rhone gegründet wurde. 27 v.Chr. wurde Lyon Hauptstadt der Provinz Lugdunensis und entwickelte sich rasch. Die ersten Christen Galliens sind laut dem Bericht ihres Martyriums 177 n.Chr. in Lyon bezeugt. Von hier aus gingen die Impulse für die Christianisierung des Rhonetals bis Genf, Saint-Maurice und Sitten. Der im 2. Jahrhundert einsetzende wirtschaftliche Niedergang wurde durch die Völkerwanderung verstärkt, doch blieb Lyon politisch bedeutend. Nach der Einnahme der Stadt durch die Burgunder 475 wurde Lyon neben Genf und Vienne eine der Hauptstädte des Burgunderreichs und bildete nach der Eingliederung ins Frankenreich 534 den Mittelpunkt eines Herzogtums. Zur Zeit der karolingischen Reformen bot die Stadt ein glanzvolles Geistes- und Kulturleben. Die blühenden Abteien, namentlich Ainay und Savigny, besassen den Kirchensatz mehrerer Klöster und Priorate in den Diözesen Genf, Lausanne und Sitten. Nachdem Lyon 843 erst Lotharingien, dann dem Königreich Provence zugeteilt, 942 vom hochburgundischen König besetzt und 952 dem Königreich Arles einverleibt worden war, fiel die Stadt 1032 an das Reich. 1079 erhob Gregor VII. den Erzbischof von Lyon zum Primas von Gallien und verlieh der Stadt damit eine zentrale religiöse Bedeutung. Bis 1536 pflegte die Geistlichkeit von Lyon vor allem durch Pfründenhäufung regelmässige Beziehungen zum Klerus der Diözesen Lausanne, Genf und Sitten.

Die wirtschaftliche Blüte, die im 12. und 13. Jahrhundert auf den Aufschwung des internationalen Handels folgte, machte die Stadt für die französischen Könige als Finanzplatz attraktiv. 1312 gliederte Philippe der Schöne das Lyonnais dem Königreich an. Karl VII. gewährte der Stadt drei freie Messen. Seine Nachfolger begünstigten die Lyoner Messen zum Nachteil jener von Genf. 1462 verbot Ludwig XI. seinen Untertanen, Letztere zu besuchen. Die Schweizer Kaufleute erhielten nach dem Ewigen Frieden von 1516 im ganzen Königreich bestimmte Privilegien, im 17. Jahrhundert insbesondere für St. Galler Textilien und teilweise Greyerzerkäse. Lyon wurde zum Zwischenlager für den St. Galler und den Appenzeller Handel, und mehrere protestantische Familien, so die Zollikofer und die Högger (Hogguer) aus St. Gallen oder die Zellweger aus Appenzell Ausserrhoden, eröffneten hier rasch prosperierende Niederlassungen. Lyon war Durchgangsort auf dem Weg nach Marseille sowie Spanien und dessen Kolonien. Die Lyoner Nation suisse war auch im Bankwesen tätig. Angezogen vom Buchdruck und kulturellen Leben, entwickelte sich in Lyon eine ständig wachsende reformierte Gemeinschaft. Nachdem die Stadt 1560 durch die von eidgenössischen Freischaren unterstützten Protestanten besetzt worden war, setzte eine Gegenbewegung, verbunden mit einer katholischen Erneuerung, ein. Nach der Widerrufung des Edikts von Nantes 1685 durften die reformierten Schweizer Kaufleute wegen ihres Fremdenstatus in Lyon bleiben (ohne Pfarrei). Dagegen fanden Lyoner Hugenotten und Revolutionsflüchtlinge in der Schweiz Aufnahme.

Zwischen Lyon und der Schweiz, insbesondere Genf, bestand ein reger Austausch, auch wenn die beiden Städte oft zueinander in Konkurrenz standen. Zahlreiche Schweizer erhielten in Lyon eine höhere Bildung, vor allem auf medizinischem, kaufmännischem und technischem Gebiet (Seidenstickereischule im 19. Jh.). Im 19. Jahrhundert blieben das Bankwesen und die Seidenindustrie wichtige Wirtschaftszweige. Nach dem Bau einer Strasse über den Mont-Cenis unter Napoleon I. führte der Handel mit dem Piemont und der Levante zum Nachteil des Grossen St. Bernhards über Lyon. Die Stadt spielte auch im 19. Jahrhundert für den Durchgangsverkehr zu Wasser und zu Land eine wichtige Rolle. Die 1858 realisierte Verbindung Genf-Lyon der Eisenbahngesellschaft Paris-Lyon-Marseille blieb bis zur Einführung des TGV Ende des 20. Jahrhunderts schlecht ausgebaut. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind Bestrebungen zur Zusammenarbeit zwischen den Flughäfen Cointrin und Lyon-Saint-Exupéry im Gange.

Quellen und Literatur

  • H. Lüthy, La banque protestante en France, 2 Bde., 1959-61, v.a. I, 50-63
  • J.-F. Bergier, «Genève et la Suisse dans la vie économique de Lyon aux XVe- XVIe siècles», in Cahiers d'histoire 5, 1960, 33-44
  • P.-F. Geisendorf, «Lyon et Genève du XVIe au XVIIIe siècle», in Cahiers d'histoire 5, 1960, 65-76
  • A.-M. Piuz, L. Mottu-Weber, L'économie genevoise, de la Réforme à la fin de l'Ancien Régime, 1990, v.a. 516-522
  • Y. Krumenacker, Des protestants au siècle des Lumières, 2002
  • Genève-Lyon-Paris, hg. von L. el-Wakil, P. Vaisse, 2004
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Catherine Santschi: "Lyon", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 01.12.2009, übersetzt aus dem Französischen. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/006595/2009-12-01/, konsultiert am 18.08.2022.