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Marburg

M. entstand nach 1122 als Marktsiedlung bei der Burg der Landgf. von Hessen, wurde 1194 Münzstätte und erhielt 1311 und 1357 ein Stadtrecht. 1256 kam M. zur Landgrafschaft Hessen und wurde neben Kassel Residenzstadt (bis 1604). 1526 ging die Stadt zur Reformation über. Ab 1866 gehörte sie zu Preussen und nach dem 2. Weltkrieg zu Hessen. 2006 79'375 Einw.

In M. wurde 1527 die erste prot. Hochschule und eigentl. Landesuniversität im Dt. Reich gegründet. Nicht zuletzt wegen der engen polit. Beziehungen zwischen den ref. Orten und dem Landgf. Philipp von Hessen, der 1529 die Reformatoren Huldrych Zwingli und Martin Luther zu einem Religionsgespräch nach M. einlud, übte die Univ. M. von Anfang an eine grosse Anziehungskraft auf Schweizer Studenten (v.a. aus Zürich und Bern) und Gelehrte (Benedikt Aretius) aus. Diese Tendenz verstärkte sich im 17. Jh. mit dem zeitweisen Wechsel der Universität vom luth. zum ref. Bekenntnis sowie mit der gleichzeitigen Hinwendung zum Ramismus. 1658 waren 13 von 14 immatrikulierten Nichtdeutschen Schweizer. Auch nach 1700 befanden sich verhältnismässig viele Schweizer unter den in M. studierenden Ausländern. In der 1. Hälfte des 18. Jh. gewann der Aufklärer Christian Wolff, von 1723-40 Philosophieprofessor in M., auch unter den schweiz. Studenten Anhänger. Sein Werk war im ganzen 18. Jh. in der Schweiz über die Konfessionsgrenzen hinaus bekannt. Um die Wende zum 19. Jh. setzte sich Johannes von Müller für die Erhaltung der Univ. M. ein. Erst am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jh. gewann sie für die Schweizer, v.a. die Theologiestudenten (Karl Barth), wieder an Bedeutung. Die Marburger Richtung des Neukantianismus (Hermann Cohen, Paul Natorp, Karl Vorländer u.a.) wird v.a. von der Univ. Zürich aus erforscht, wo sich seit 1969 das Hermann Cohen-Archiv befindet. Die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philosophie an Max Frisch durch die Univ. M. 1962 unterstrich zwar die Kontinuität der Beziehungen M.s zur Schweiz für die Nachkriegszeit, sie kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass gegenwärtig nur wenige Schweizer an der Univ. M. studieren.

Quellen und Literatur

  • W. Köhler, «Hessen und die Schweiz nach Zwinglis Tode ...», in Philipp der Grossmütige, 1904, 460-503
  • G. Jüttner, Wilhelm Gratarolus, Benedikt Aretius, 1969
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