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Orléans

Die Universitätsstadt O. an der Loire (Centre, F) ist Sitz der Präfektur Loiret und zählte 2006 113'237 Einwohner. Die um 1235 mit einer Bulle Papst Gregors IX. bezeugte, 1306 mit weiteren päpstl. Privilegien ausgestattete Univ. O. wurde bereits in ihren Anfängen, v.a. aber ab dem SpätMA, von Schweizern besucht, die als Mitglieder der dortigen dt. Nation ihr Rechtsstudium absolvierten und nicht selten akadem. Grade erlangten. Ca. 1340-1470 waren es vornehmlich Kleriker aus den Diözesen Lausanne, Genf und Sitten, danach vermehrt Deutschschweizer, von denen die meisten als Laien eine polit. Karriere anstrebten. An der Universität, die in der Zeit der Reformation ein Zentrum des humanistisch ausgerichteten Rechtsstudiums bildete, breitete sich der prot. Glauben aus, zu dem sich aber nicht alle Schweizer Studenten bekannten, wie u.a. die späteren Churer Bf. Konrad Planta und Beatus a Porta. Eng gestalteten sich die Beziehungen mit Genf, denn Johannes Calvin, Theodor Beza und weitere Genfer Humanisten studierten in O. Ebenso emigrierten hugenott. Handwerker und Gewerbetreibende aus O. in die Rhonestadt. In der 2. Hälfte des 16. Jh. nahm die Zahl der Studenten aus O. an der Univ. Basel zu, im 16. und 17. Jh. diejenige von Schweizer Medizinstudenten in O. In der Zeit zwischen der Proklamation des Edikts von Nantes 1598 und dessen Aufhebung 1685 verzeichnete die Univ. O. die höchsten Besucherfrequenzen aus der Schweiz. Waren es in der 2. Hälfte des 16. Jh. hauptsächlich Basler, Zürcher, Schaffhauser und Bündner, die sie besuchten, wurden im 17. Jh. die Basler und Bündner durch die Berner und die Westschweizer, namentlich aus Genf und Freiburg, von der Spitze verdrängt. Im 18. Jh. verlor die Univ. O. und mit ihr die Stadt O. für die Schweiz fast ganz an Bedeutung.

Quellen und Literatur

  • A. Rivier, «Schweizer als Mitglieder der "dt. Nation" in O.», in ASG 1874-77, 244-247, 267-272
  • S. Stelling-Michaud, «L'ancienne université d'O. et la Suisse du XIVe au XVIe siècle», in Actes du congrès sur l'ancienne université d'O., 1962, 125-138
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