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Ulm

Kreisstadt in Baden-Württemberg (D), im Regierungsbezirk Tübingen, an der Donau in Oberschwaben gelegen. 2010 122'800 Einwohner. Ab 1184 freie Reichsstadt. Ulm gehörte ab 1802 zu Bayern und ging mit Ausnahme des Gebiets rechts der Donau 1810 an Württemberg über. Seit 1952 ist Ulm Teil von Baden-Württemberg.

Ulm war im Mittelalter temporärer Aufenthaltsort der römisch-deutschen Könige und der sie vertretenden schwäbischen Herzöge. 1218 berief König Friedrich II. in der Pfalz Ulm einen Hoftag ein, um die zähringische Erbschaftsnachfolge zu regeln. Ulm verstärkte im 14. und 15. Jahrhundert seine Wirtschaftsbeziehungen zur Schweiz, vor allem den Leinwandhandel mit der Stadt St. Gallen. Diese beteiligte sich 1376 auch an dem unter Ulms Führung zustande gekommenen Schwäbischen Städtebund. Ulm war ein zentraler Umschlagsplatz für den Verkehr auf dem Land und der Donau und wurde über die Strassen von Schaffhausen und Konstanz her erreicht. Der Fernhandel über Ulm lief unter anderem nach Nürnberg und Wien. Ulmer Baumeister wie Matthäus Ensinger und Glasmaler beteiligten sich massgeblich am Bau des Berner Münsters. 1495-1501 wirkte Ulrich Krafft aus Ulm als Rechtsprofessor an der Universität Basel. Die Frequenzen von Ulmer Studenten an der Universität Basel erreichten im 15. Jahrhundert eine Spitze, nahmen in der Reformationszeit ab und in den letzten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts wieder zu, um im 18. Jahrhundert auf den tiefsten Wert abzusinken. Die Reformation verbreitete sich in Ulm zunächst dank Johannes Oekolampads und Huldrych Zwinglis Einfluss auf Konrad Sam, den Reformator der Stadt. Eine Delegation aus Ulm nahm 1528 an der Berner Disputation teil. Im 17. Jahrhundert verloren die Kontakte zu Ulm an Bedeutung, doch wurde die nach dem Dreissigjährigen Krieg hoch verschuldete Stadt von eidgenössischer Seite, etwa der Stadt Schaffhausen, während längerer Zeit finanziell unterstützt. Der wirtschaftliche Austausch beschränkte sich im 18. Jahrhundert weitgehend auf den Buchdruck, im 19. und im 20. Jahrhundert auf den Reise- und Güterverkehr. Nach dem Zweiten Weltkrieg intensivierte sich der kulturelle Austausch mit der Schweiz, insbesondere nachdem 1953 unter Beteiligung Max Bills die Ulmer Hochschule für Gestaltung gegründet worden war. Verbesserte Verkehrsanschlüsse trugen Ende des 20. und zu Beginn des 21. Jahrhunderts zum kräftigen Aufschwung des Tourismus von und nach Ulm sowie der Schweizer Einkäufe von Nutzfahrzeugen und Autozubehör bei.

Quellen und Literatur

  • H.E. Specker, «Reichsstadt und Stadt Ulm bis 1945», in Der Stadtkreis Ulm, 1977, 33-324
  • LexMA 8, 1190-1193
  • StadtMenschen: 1150 Jahre Ulm, hg. von M. Wettengel, 2004
Weblinks
Normdateien
GND

Zitiervorschlag

Hanspeter Marti: "Ulm", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 25.01.2013. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/006608/2013-01-25/, konsultiert am 14.06.2024.