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Wittenberg

Die Kreisstadt im östl. Teil von Sachsen-Anhalt liegt an der Elbe. 2010 zählte sie 49'500 Einwohner. W. erhielt 1293 das Stadtrecht. Die Stadt war bis 1547 herzogl., zeitweise kurfürstl. Residenz von Sachsen-W., zugleich Ausgangspunkt und Zentrum der Reformation, im 17. und 18. Jh. Wirkungsstätte der luther. Orthodoxie. Die 1502 von Kurfürst Friedrich dem Weisen gegr. Universität wurde 1817 aufgehoben und mit der Univ. Halle zusammengelegt. 1815 gelangte W. an Preussen. 1949-90 gehörte W. zur DDR. Mit der Aufnahme der Luthergedenkstätten in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes 1996 kamen vermehrt Schweizer Touristen nach W.

Der aus St. Gallen stammende Hieronymus Schürpf war 1504 Rektor der Univ. W., die schon in vorreformator. Zeit von zahlreichen Schweizern besucht wurde. Mit der Reformation verstärkten sich die Beziehungen zu den dem neuen Glauben zuneigenden Städten Basel, Bern, Schaffhausen und Zürich. Bereits 1518 wurden Werke von Martin Luther in Basel gedruckt und 1524 erschien in Zürich ein Nachdruck von Luthers Übersetzung des Neuen Testaments. Führende Anhänger der Reformation und des Humanismus in der Eidgenossenschaft wie Heinrich Bullinger, Simon Grynaeus, Johannes Kessler, Johannes Rhellicanus und Johann Konrad Ulmer liessen sich an der Univ. W. ausbilden. Im Marburger Religionsgespräch von 1529 war der 1524 ausgebrochene Streit über das Abendmahl zwischen Luther und Huldrych Zwingli nicht mehr zu überwinden. Trotzdem dauerten die Briefkontakte von und nach W. an. Der Humanismus des in W. lehrenden Philipp Melanchthon beeinflusste das eidg. Bildungswesen, v.a. die Univ. Basel, an der im letzten Viertel des 16. Jh. Studenten aus W. promovierten. Der ursprünglich in W. wirkende Karlstadt wurde 1534 in Basel Theologieprofessor. Ausser in Basel fand die Wittenberger Konkordie von 1536, welche die innerreformator. Gegensätze hätte überwinden sollen, in der Eidgenossenschaft keine Zustimmung. Die ab dem 17. Jh. schwindenden Immatrikulationen von Schweizern an der Univ. W. (16. Jh. 160, 17. Jh. 20, 1786-1812 fünf) spiegeln den u.a. konfessionsbedingten Rückgang der gelehrten Beziehungen. Auch briefl. Kontakte mit W. bildeten im 18. Jh. die Ausnahme (Albrecht von Haller).

Quellen und Literatur

  • Matrikel Basel 1-5
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